Mit der Handykamera durch Zürich streifen

Smartphones ersetzen herkömmliche Fotoapparate. Die Ausstellung «iPic» zeigt, wie sich der Umgang mit Fotos verändert.

Fast wie ein Gemälde: Die Stadt Zürich im Fokus des Fotografen. Foto: Roger Pitschi

Fast wie ein Gemälde: Die Stadt Zürich im Fokus des Fotografen. Foto: Roger Pitschi

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Gino Granieri ist ein Augenmensch, ein Ästhet, der überall zuerst das Schöne erblickt. Wenn er aber sein Facebook-Konto aufruft und die tägliche Bilderflut überfliegt, ist ihm in letzter Zeit vor allem eins aufgefallen: die schlechte Bildqualität. «Die meisten Fotos sind mit einem Smartphone geknipst und sehen grottenschlecht aus», sagt er. Im vergangenen Jahr kam ihm deshalb die Idee, einen Fotokurs für Smartphone-Knipser zu entwickeln und anzubieten.

«Mit den heutigen Handys lassen sich schöne Bilder schiessen.» Für viele Anwender sei die Bildqualität der kleinen Geräte inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie Kompakt- und bei Einsteigermodellen sogar Spiegelreflexkameras überflüssig machen. Er hat sich ein iPhone 7 Plus zugelegt und ist begeistert von dessen Dualkamera, mit der gezoomte Aufnahmen deutlich besser ­werden.

Blick in die grosse Halle des Hauptbahnhofs Zürich. Foto: Ralf Christian

Die Idee eines Fotokurses besprach er mit einem Kollegen, der im Begegnungszentrum der HIV-Aidsseelsorge in Zürich arbeitet. Der dortige Leiter stimmte zu und und schlug Granieri vor, einen Pilotkurs zu organisieren. Dieser packte die Gelegenheit beim Schopf. «An drei Abenden traf ich Menschen, welche als Klienten da sind, und brachte ihnen bei, wie man mit einem Smartphone ansprechende Bilder macht.»

Die Gruppe umfasste zehn Teilnehmer im Alter von 40 bis 70 Jahren, die sich in die Grundlagen der Fotografie einführen liessen: Blende und Belichtungszeit, die richtige Tageszeit, der optimale Sonnenstand, die Suche nach dem perfekten Bildausschnitt und die verschiedenen Formate wie Standard, Quadrat oder Panorama. «Die Leute waren erstaunlich offen und neugierig.»

Bilder von sechs Teilnehmern

Gino Granieri ist 50 Jahre alt und von Beruf Informatiker. Seit seinem 15. Lebensjahr begeistert er sich für die Fotografie. «Mein Traumberuf wäre Fotograf gewesen, aber in den Augen meiner Eltern war das keine seriöse Art, Geld zu verdienen.»

Also absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei einer Versicherung und war danach als Zivilstandsbeamter in der Gemeinde Sirnach im Thurgau tätig. Die Freude an der Fotokamera verliess ihn nie, und stets war die Kamera bei Reisen im In- und Ausland dabei. Woher kommt diese Faszination? «Ich kann mit einem Fotoapparat Momente einfangen, die nicht mehr kommen», sagt er.

Die Vernissage in der vergangenen Woche war ein grosser Erfolg. Gezeigt werden zwölf Bilder von sechs Teilnehmern. «Die Besucher waren verblüfft, dass solche Bilder nach einer Instruktion von lediglich sechs Stunden möglich sind.» Er habe bereits weitere Anfragen für Kurse erhalten. Einen von einer reinen Frauengruppe, was ihn ein wenig erstaunt habe.

Granieris längerfristiges Ziel ist, das Pensum seines Brotberufs Informatiker ein wenig zu reduzieren, um künftig noch mehr Fotokurse geben zu ­können. Vorerst hat aber ein anderes Projekt Vorrang: Ein Buch mit seinen Fotografien über Bhutan. «Ich bin dorthin gereist und habe ein abgeschiedenes Land voller Schönheiten und Traditionen entdeckt», sagt er. Er sei in Regionen unterwegs gewesen, die kein Tourist zuvor ­gesehen habe.

Gruppenausstellung von Handybildern. Begegnungszentrum der HIV-Aidsseelsorge, Universitätstrasse 46, 8006 Zürich. Bis 29. Januar 2017. Öffnungszeiten nach Vereinbarung: Telefon 044 255 90 55. www.hiv-aidsseelsorge.ch

Erstellt: 27.11.2016, 17:25 Uhr

Gino Granieri.

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