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Mittelalter-Guide: So gelingt die zeitgerechte Gewandung

Mehr Schafwolle, keine Baumwolle – mit diesen Kleidern treten Sie eine Zeitreise in die finsteren Jahrhunderte an.

Solche Kleider trugen die Menschen im Mittelalter. Video: Sarah Fluck

Denken Sie bei Hanf und Brennnesseln an Kleidungsstücke? Zwei, die dies regelmässig tun, sind Schneiderin Anna Schneider und ihre Tochter, Kostümbildnerin Martina Bosshard. In ihrem Atelier und Kostümverleih in Feuerthalen stellen sie Kleidungsstücke her, wie man sie im Mittelalter getragen hat. Das Ergebnis soll so echt wie möglich aussehen, weshalb die beiden auch einmal zu Brennnesseln greifen.

Was die Menschen zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert getragen hatten, recherchierten Schneider und Bosshard während Jahren in Büchern, auf Bildern, in Ausstellungen und im Internet. Die meisten Abbildungen zeigen allerdings Personen mit hohem gesellschaftlichem Status, Angehörige der unteren Stände sind nur selten zu sehen. «Das erschwerte die Suche nach Modellen», sagt Bosshard.

Dem Stand entsprechend gekleidet

«Damals durfte niemand tragen, was ihm gerade gefiel», sagt Schneider. Jeder habe sich seinem Stand entsprechend kleiden müssen. Die Mächtigen, wie beispielsweise die Hochadligen, zeigten sich in noblen Gewändern aus Materialien wie Seide und Tuchen. Das einfache Volk der Handwerker, Bauern und Nonnen trug vornehmlich Unterbekleidung aus Leinen, Hanf oder Nesseln. Für die Oberhemden gab es manchmal Schafwolle. Das Mittelalter kannte weder Baumwolle noch Trikot- oder Netzstoff. «Die meisten Frauen besassen höchstens zwei Kleider, die sie ihr Leben lang trugen», sagt Bosshard.

Kunterbunt heisst steinreich

Auch bunte Kleidung gab es nur für wenige: «Ich sage zwar immer: Das Mittelalter war kein dunkles, sondern ein farbiges Zeitalter.Das galt aber nur für den höchsten Stand», sagt Schneider. Farbe war ein äusserst teures Gut, da sie schwierig zu gewinnen war. Aus überlieferten Färberezepten geht hervor, dass die verwendete Farbe vorrangig aus Pflanzen gewonnen wurde. Aus Gilbkraut und Birke entstanden gelbe Farbstoffe. Krapp, Ahornwurzeln, Schlehdorn sowie einige Flechten verliehen einen rötlichen Ton. Um Blau herzustellen, wurde Indigo importiert.

Die alltägliche Kleidung für Frauen war die Surcot, die der Tunika ähnelt. Der Überwurf erhielt später eine Kapuze und wurde in den Jahren darauf enger, bis er in das von Frauen gefürchtete Korsett überging. Männer trugen oft eine Schecke und damit einen kürzeren Rock, der Beinfreiheit gewährte.

Nie oben ohne

War man aus dem Kindesalter draussen, verliess man das Haus nicht mehr ohne Hut. Für verheiratete Frauen galt es als unziemlich, die Haare offen zu tragen. Beide Geschlechter wollten sich durch die Kopfbedeckung «vor Gott behüten», erklärt Bosshard.

Wer nun selber auf Mittelaltermärkten epochengerecht auftreten will, dem zeigen Anna Schneider und Martina Bosshard im Video oben, wie es geht.

Wer auf der Suche nach einer Gewandung ist, wird im Kreativ-Atelier fündig: www.kostümschneider.ch, Feldstr. 124, CH-8245 Feuerthalen

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