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Mundart und Mundharmonika

Songwriter und Büezer Thomas Hoffmann hat in Eigenregie ein Album eingespielt – zum ersten Mal ganz in seiner Muttersprache, dem Schweizerdeutschen.

Thomas Hoffmann will «direkt in die Fresse singen». Foto: Tom Kawara
Thomas Hoffmann will «direkt in die Fresse singen». Foto: Tom Kawara

Er hat nicht so zerzaustes Haar wie Pumuckl. Dafür aber einen Bart. Trotzdem erinnert Musiker Thomas Hoffmann an den rothaarigen Kobold. Er wirkt aufgekratzt, redet, auch wenn er nichts gefragt wird, und scheint generell ständig auf Nadeln zu sitzen.

Thomas Hoffmann, 35-jährig, gelernter Maurer, leidenschaftlicher Dichter und seit 14 Jahren Sänger und Gitarrist bei der Zürcher Band Acapulco Stage ­Divers, brachte sein zweites Soloalbum heraus. Sein erstes in Mundart. Er nennt es: «Uranus Présent» – eine versteckte Hommage an den Vater. Bis anhin hat Hoffmann seine Texte auf Hochdeutsch verfasst. «Als Mensch sollte man immer wieder neue Dinge ausprobieren. Man muss neugierig bleiben.». Er wollte auch «direkter werden». Mundart, das gehe einfach schneller ans Herz. Dazu kommt: Hoffmann arbeitet ohne Metaphern. «Ich wollte dem Hörer keinen Platz für Interpretationen lassen.» Warum? Er zögert keine Sekunde: «Weil das schon alle anderen machen.» Er wolle direkt «in die Fresse singen».

Hoffman hat die Chrampfer-Mentalität verinnerlicht. Bei «Uranus Présent» liegt der Fokus auf den Texten. Die Melodien sind monoton, die akustische Gitarre trägt die Lieder sanft. Abwechslung von Strophe und Refrain gibt es nicht. Beim Stück «Stillmeer» hört sich das so an: «Du ghörsch zu mir und ich ghör zu dir / lescht Nacht isch mini Frau gstorbä / d Ärzt händ nüt meh chöne mache / d Maschine abgstellt und alles wird dunkel / und mir wird klar ich ha alles verlorä.»

«Huere willensstark»

Hoffmann brachte «Uranus Présent» in Eigenregie heraus. Ohne Label. Ohne Promo-Agentur. Er wollte keine unnötigen Diskussionen mit Leuten, die andere Ziele als er verfolgten. Das Album spielte er an einem Wochenende in Davos ein, das meiste live. Unterlief ihm ein Fehler, begann er nochmals von vorne. Er wollte das Unmittelbare auf die Platte bringen. «Das Leben ist ja auch nicht perfekt.»

Hoffmann beschreibt sich selbst als ungeduldig. Und «huere willensstark». «Irgendwann gibt alles eine Delle, man muss nur lange genug reinhauen.» Er sei ein Mensch, der andere Menschen begeistern könne, sagt er. Auf seiner Website steht: «Kunst ist für ihn keine Tätigkeit, sondern eine Lebenshaltung.» Und im Pressetext ist zu lesen: «Ein Getriebener, der niemals das Gefühl hat, angekommen zu sein.» Manchmal wirkt es so, als wolle er dies der ganzen Welt beweisen. Seit 14 Jahren spielt der 35-Jährige in Bands. Die Musik beschreibt er als seine grösste Leidenschaft. Und wer ihn schon mal live gesehen hat, der glaubt ihm. Da spielt er auch mal am Boden liegend Mundharmonika. Oder stellt sich mitten in der Bar samt Gitarre auf einen Stuhl. Eine Rampensau halt, als wäre die Bühne nicht Bühne genug.

Unabhängigkeit ist ihm wichtig

Bei aller Konsequenz: Alles auf eine Karte gesetzt hat Hoffmann nie. Er arbeitete all die Jahre auf dem Bau. Vollzeit. «Das trifft einen wunden Punkt bei mir», sagt Hoffmann. Wahrscheinlich habe er einfach nie den Mut dazu gehabt. Finanziell unabhängig sein, das ist ihm wichtig. «Ich muss jederzeit in der Lage sein, am Geldautomaten Geld abzuheben und nach Paris zu fahren.» Zum ersten Mal an diesem Nachmittag entstehen bei Hoffmann längere Pausen. Aber ihm gefalle sein Leben, er könne ja genau das machen, was er liebe.

Jetzt, wo die erste Mundart-Platte noch nicht mal getauft ist, da hat er schon das nächste Album fertig aufgenommen. Wieder in Hochdeutsch. «Das wird gross», sagt Hoffmann. Er strahlt. Wie Pumuckl, der einen neuen Streich ausgeheckt hat.

Th. Hoffmann: Uranus Présent. Erhältlich als limitiertes Vinyl oder Download unter www.thhoffmann.com. Plattentaufe: 22. 3., 20 Uhr, Lebewohlfabrik, Zürich.

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