Petit Vocabulaire de Pétanque

Auf Zürcher Bouleplätzen wird Schweizerdeutsch gesprochen. Elegant sind die folgenden französischen Wörter dennoch.

Die Grundausstattung: Drei regelkonforme, möglichst an die Hände und Spielweise angepasste Kugeln. Foto: Reto Oeschger

Die Grundausstattung: Drei regelkonforme, möglichst an die Hände und Spielweise angepasste Kugeln. Foto: Reto Oeschger

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Wo Pétanque erfunden wurde, hört man selbst dem Jargon auf Zürichs Kiesplätzen an. Wer nicht nur spielerisch, sondern auch sprachlich punkten will, greift zum Französisch. Aber keine Angst: Angehende Boulomanes müssen nicht den Subjonctif anwenden können – Zürcher Pétanque-Spielerinnen und -Spieler verwenden lediglich einige Schlüsselvokabeln. Voci- statt Grammatiktest also. Damit auch Sie Ihre Lernkärtchen schreiben können, folgt ein Mini-Glossar rund um die Kugel. Pardon, Boule!

mène, la

Die Grundregeln des Pétanque sind simpel. Eine Partie wird in mènes gespielt. Nach den ersten beiden Würfen ist jeweils das Team dran, dessen beste Kugel weiter von der Zielkugel entfernt ist. Je nachdem, ob Tête-à-Tête (Eins gegen Eins), Doublette (Zwei gegen Zwei) oder Triplette (Drei gegen Drei) gespielt wird, hat jede Spielerin zwei oder drei Kugeln. Gezählt wird, sobald alle Kugeln platziert sind – für jede, die näher an der Zielkugel liegt als die beste Kugel des Gegners, gibt es einen Punkt. Es werden so viele mènes gespielt, bis eine Mannschaft 13 Punkte erreicht und damit die Partie gewinnt.

boule, la

Was Profis mitbringen sollten, sind drei der Metallkugeln, die den Boule-Spielen den Namen geben. Anfänger können diese auch mieten, denn beim Kauf wird es kompliziert: Im besten Fall ist der Umfang der Kugel der Handgrösse angepasst, ihr Gewicht und ihre Härte der präferierten Spielweise entsprechend gewählt, und das alles soll noch regelkonform sein. Denn für die erwähnten Parameter kennt der Weltverband klare Ober- und Untergrenzen (siehe Zahlenbox). Auch müssen die Marke sowie das Gewicht in die Kugel eingraviert sein.

cochonnet, le

Diese kleinere, leichtere und zwecks Sichtbarkeit meist farbige Zielkugel aus Holz ist der eigentliche Star des Spiels. Davon zeugen die vielen Kosenamen: Le cochonnet (das Schweinchen) ist der gebräuchlichste, in Deutschland nennt man das Kügelchen auch Sau, in Zürich wird die französische Version bevorzugt (wir kennen hier schliesslich noch Anstand). Weniger verbreitet sind le bouchon, le petit (der Kleine), le but (das Ziel) und le cornichon (die Essiggurke).

Voll ins Kies: Welche Boule liegt nach diesem Wurf am nächsten beim Cochonnet? Foto: Reto Oeschger

Fanny, la

Die Legende besagt, dass kurz vor dem Ersten Weltkrieg in einem Café in Grands-Lemps eine Kellnerin namens Fanny den zu null unterlegenen Boulespielern zum Trost ihre Wange für einen Kuss anbot. Als aber der Bürgermeister punktlos verlor, streckte Fanny ihm statt der Wange den Hintern hin. Bei manchen Plätzen hängt deshalb bis heute ein Bild eines entblössten Pos, das nach einer Fanny geküsst werden muss.

donnée, la

Die Stelle auf dem Kiesboden, wo die Kugel aufsetzen soll und manchmal auch wirklich aufsetzt.

pointeur, le

Der Punkter oder Leger soll, nun ja, punkten. Er versucht, seine Boule möglichst nahe beim Cochonnet zu platzieren, und kann dabei auf drei Wurftechniken zurückgreifen: Portée (der hohe, weite Wurf), Demi-Portée (die Kugel berührt etwa auf halber Strecke den Boden) und Rouler (das Rollen).

tireur, le/tireuse, la

Die Aufgabe der Schützin ist es, vielversprechende gegnerische Kugeln zu treffen und aus dem Spiel zu nehmen. Auch sie hat drei Wurfarten zur Verfügung: Rafle oder Raclette (flacher Schuss), Tirer au fer (Schuss aufs Eisen, also auf die Kugel) oder Tir avant (Schuss direkt vor die gegnerische Kugel).

carreau sur place, le

Der Traum jedes Tireurs: Er trifft die gegnerische Kugel nicht nur, sondern ersetzt sie gleich durch die eigene.

Erstellt: 01.08.2019, 21:17 Uhr

In Zahlen

650 bis 800

Gramm dürfen die Metallkugeln wiegen.

1910

soll Pétanque in der südfranzösischen Hafenstadt La Ciotat entstanden sein. Der im Rollstuhl sitzende Jules Le Noir konnte bei einer Partie Jeu provençal nicht mitkugeln, da diese mit Anlauf gespielt wird. So begann er, Kugeln aus dem Sitzen zu werfen. Pétanque heisst provenzalisch «péd tanco»: Füsse zusammen.

159

Mitglieder hat der 1968 gegründete Pétanque-Club Zürich derzeit.

Wir Szenis: Les Boulomanes (1/4)

Mittelalterfreaks, Outdoorsportlerinnen, Markensammler, Blüttler: Während der Sommerferien tauchen wir in Zürcher Szenen ein und beleuchten sie von ­verschiedenen Seiten.

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