Richard Wolff, was haben Sie verbrochen?

Mit 72 Fragen an Zürcher Persönlichkeiten und Institutionen startet das «Bellevue» ins neue Jahr. Teil I.

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2019 hat gerade begonnen, und wie jedes Jahr fragen wir uns: Was kommt da auf uns zu? Also ausser dem Sechseläuten im Frühling, dem Züri-Fäscht im Sommer und dem Weihnachtsmarkt im Winter. Wir wissen es leider auch nicht. Andere Zürcher Expertinnen und Experten hingegen schon, zumindest ein bisschen. Als Gegenpol zu all den Fragen, die man sich zum Jahresbeginn stellt, präsentieren wir auf dem «Bellevue» diese Woche Antworten. Viele Antworten. Auf wichtige und weniger wichtige, aber immer drängende Fragen.

Roger Schawinski, Sie als Welterklärer: Welches Ereignis denken Sie, wird nächstes Jahr geschichtlich prägend sein?
Ob US-Präsident Donald Trump nach der Veröffentlichung des Mueller-Berichts durch den Russland-Sonderermittler Robert Mueller völlig austickt und zu einer noch grösseren Gefahr für die ganze Welt wird.

Roger Schawinski ist Journalist, Autor und Medienunternehmer.


Lieber Herr Erz, welchen Kosenamen sollen wir dem neuen Kübel geben: Flunder, Wal oder Wolf? Oder haben Sie eine bessere Idee?
Ja, haben wir: «Züri-Kübel 110 Liter». Sein Name lehnt sich an den vom bewährten «Züri-Kübel 70 Liter» an, von dem in der Stadt bereits über 1300 Stück zur Verfügung stehen.

Was ist das Aufregendste, das Sie 2018 im Müll gefunden haben?
Ausgefallenes Erotikspielzeug bringt uns immer wieder zum Schmunzeln. Zum Glück trennen die allermeisten Stadtbewohnerinnen und -bewohner ihren Abfall vorbildlich, sodass wir nur selten «Aufregendes» in den Züri-Säcken finden.

Lieber 17-Liter-, 35-Liter- oder doch gleich 110-Liter-Züri-Sack?
Der Züri-Sack mit 35 Liter Volumen ist der von der Stadtbevölkerung mit Abstand meistverwendete.

Herr Erz ist der Herr über Entsorgung und Recycling in Zürich.


Liebe Züspa, wie ist dein Leben nach der Pensionierung?
Entspannt! Nach 69 sehr aufregenden Jahren räume ich auf und schwelge noch ein wenig in den unzähligen Erinnerungen!

Was haben Leute verpasst, die dich nie besucht haben?
Viele spannende Erlebnisse, vorteilhafte Angebote, teilweise spezielle Entdeckungen und vor allem echte Begegnungen mit Menschen!

Bist du denen böse?
Nein, bestimmt nicht – in Zürich ist ja mittlerweile auch viel los. Ich freue mich aber, wenn Sie meinen Arbeitgeber, die Messe Zürich, ab und wann mit einem Besuch beehren – da gibt es ja auch ohne mich genug zu erleben!

Die Züspa war bis 2018 die Züspa, die Zürcher Spezialitätenausstellung. Jetzt ist sie in Rente geschickt worden.


Lara Stoll, geht es dir im nächsten Jahr besser?
Hoffentlich besser als schlechter. Mittelgut wäre auch okay, oder halt gerade so wie dieses Jahr, das war nämlich gar nicht so schlecht.

Lara Stoll ist Slam-Poetin und spielte im Film «Das Höllentor von Zürich» eine leidende Lara Stoll.


Richard Wolff, das Schicksal hat es 2018 nicht gut mit Ihnen gemeint. Was haben Sie verbrochen?
Ich bin gesund, ich habe ein wunderschönes Amt übernommen, dafür musste ich ein anderes wunderschönes Amt aufgeben. C’est la vie. Ich bin absolut zufrieden und glücklich.

Der Abfallhai ist Geschichte. Wann kommt der Abfallwolf?
Wenn schon, wäre es der Abfallwolff.

Was wird 2019 besser?
«Alles wird gut», hiess es für alle sichtbar schon im besetzten Wohlgroth-Areal. Schön wärs. Jedenfalls wünsche ich dem Jemen, dem Südsudan, Syrien und allen Menschen, die auf der Flucht sind, dass es ihnen 2019 zumindest besser gehen wird als heute.

Stadtrat Richard Wolff (AL) ist Vorsteher des Entsorgungs- und Tiefbaudepartements.


Markus Knauss, was war 2018 schlimmer: das Stadion-Ja oder das Formel-E-Rennen?
Eindeutig das Stadion-Ja. Dem Formel-E-Rennen hätten wir auch sonst ein schickliches Ende bereitet.

Einer Runde in einem E-Boliden wären Sie nicht abgeneigt, oder?
Ich habe meine elektrische Autorennkarriere mit der Carrera-Rennbahn als Zehnjähriger voll und ganz ausgelebt. Da vermögen mich reale E-Boliden nicht einmal ansatzweise zu kitzeln.

Bei all den schönen Autos auf der Strasse: Manchmal nervt Grünsein schon, oder?
Ach wissen Sie, es gibt so viele schöne Velos auf der Strasse! Was soll ich da mit Autos? Und auf dem Velo macht man erst noch eine gute Figur.

Markus Knauss ist Gemeinderat der Grünen und Co-Geschäftsleiter der Zürcher Sektion des VCS.


Karin Rykart, wann ist Ihnen nach Hüpfen zumute?
Nach Hüpfen eher selten. Aber beschwingt bin ich, wenn ich morgens oder abends bei lauen Temperaturen mit dem Velo im schönen Zürich unterwegs bin.

Schauen Sie jetzt mehr Fussball?
Ja! Ich war seit meinem Amtsantritt – also innerhalb von nur einem halben Jahr – an zwei Fussballspielen. Das gab es vorher nie.

Stadträtin Karin Rykart (Grüne) steht dem Sicherheitsdepartement vor.


Frank Braun, wird das Riffraff im Jahr 2019 mehr Netflix-Filme zeigen?
Einen auf jeden Fall. Wir zeigen «Roma» weiterhin auch im neuen Jahr. Wäre doch ein Jammer, wenn er nur als Streaming-Titel verfügbar wäre. Aber ja, wenn Netflix weitere so tolle Filme nicht nur für sich bunkert, sondern auch fürs Kino lockermacht, werden wir nicht zögern.

Wie wird sich das Riffraff 2019 verändern?
Soll es das? Wir machen weiterhin, was andere nicht wagen. Ob Netflix oder sonst wie verflixt: Das Riffraff bleibt auch 2019 das taffe Zürcher Kino.

Wird das Kinojahr 2019 wieder besser?
Wer wünscht sich das nicht? Wir verspüren jedenfalls ein Kribbeln, wenn wir an «Burning», «The Kindergarten Teacher» oder «Gräns» denken. Alles Filme, die in den ersten Wochen des neuen Jahres in Zürich nur im Riffraff lanciert werden und – by the way – alles keine Netflix-Produktionen sind…

Frank Braun ist Programmleiter des Kino Riffraff.


Michel Birri, was wird das nächste «079»?
Leider bin ich kein Hellseher. Aber es ist definitiv immer ein schönes Gefühl, wenn ich einen Schweizer Act als Platz 1 der Singlehitparade ansagen darf. «079» werde ich so schnell nicht vergessen, und dieser Song geht mir tatsächlich auch nach so langer Zeit in der Hitparade immer noch nicht auf die Nerven. Und offenbar mögen ihn auch viele Leute immer noch; bei «Jeder Rappen zählt» war «079» dieses Jahr einer der meistgewünschten Songs. Ich glaube, es wird eine Weile dauern, bis ein anderer Song an den Chart-Erfolg von «079» herankommen wird.

Welches ist Ihr Lieblingssong von 2018?
Speziell in Erinnerung bleibt mir da sicher Ed Sheeran mit «Perfect». Dieser Song war 20 Wochen auf Platz 1 der Charts bei uns. Ausserdem durfte ich zu diesem Song bei der SRF-Show «Darf ich bitten» tanzen und war im Sommer am grossartigen Konzert von Ed Sheeran in Zürich.

Michel Birri moderiert die Hitparade auf SRF 3.

Erstellt: 04.01.2019, 11:34 Uhr

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