Selbstversuch eines überzeugten Skeptikers

Kann der bekannte Zürcher Mentalmagier Pat Perry Gedanken lesen, oder arbeitet er mit Tricks?

Magie oder Wissenschaft: Lässt sich Marko Kovic (r.), Präsident der Vereinigung Skeptiker Schweiz, von Mentalmagier Pat Perry in die Karten schauen? (Video: Lea Blum)

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Marko Kovic ist Präsident der Vereinigung Skeptiker Schweiz. Eines kann man deshalb dem Sozialwissenschaftler sicher nicht vorwerfen: dass er naiv ist. So schreibt er auf der Website seines Vereins: «Kritisches Denken ist das wichtigste Werkzeug des Menschen.»

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat Kovic deshalb angefragt, ob er als unverdächtiges Versuchskaninchen bei Pat Perry mitmacht. Ort ist das Close-Theater von Perry in Zürich-West. Anwesend am Versuch sind neben Kovic und Perry nur die beiden TA-Journalisten. Kovic soll die Fragen beantworten: Kann Perry Gedanken lesen, oder handelt es sich um Zaubertricks? Kovics Antwort nach den Versuchen überrascht: weder noch.

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Wenn Pat Perry zu Beginn der Demonstration sich virtuell eine Zigarette mit den Händen in der Luft dreht, aber dann beim ersten Zug richtigen Rauch aus dem Mund lässt, ist für Kovic klar: ein klassischer Trick. Heikler wird es beim nächsten Test. Perry zeigt Kovic eine Karte, auf welcher hundert Symbole (Dreieck, Sonne, Linien usw.) sind. Er fordert Kovic auf, ein Symbol auf die leere Hinterseite der Karte zu zeichnen. Er könne aber auch ein selbst gewähltes Symbol zeichnen, das gar nicht auf der Karte ist. Während Kovic ein Symbol zeichnet, guckt Perry weg. Dann beginnt Perry «Muskeln zu lesen», wie er sagt. Kovic muss den Unterarm des Mentalmagiers mit der Hand festhalten, während Perry auf einer anderen Karte eine nicht geschlossene Schlaufe zeichnet.

Als er fertig ist, fordert Perry Kovic auf, seine Karte zu zeigen, die er in der Hosentasche versteckt hatte: Es ist ebenfalls eine nicht geschlossene Schlaufe zu sehen. Ein Alpha-Zeichen, wie Kovic sagt. Dieses Symbol war nicht auf der Karte abgebildet. Kovic war am gleichen Morgen zu Hause im Zusammenhang mit einer Studienarbeit über das Symbol gestolpert und hatte es deshalb gezeichnet.

War es Gedankenlesen oder, wie Perry sagt, «Muskellesen»? Für Kovic war das Experiment ein schönes Beispiel, das aufzeigt, dass der Mensch viel irrationaler und emotionaler handelt und denkt, als er eigentlich glaubt. «Die Demonstration war ein schönes Beispiel der menschlichen Fehlbarkeit», sagt Kovic. Perry könne nicht Gedanken lesen, aber die Signale und Impulse, welche sein Gegenüber unbewusst aussendet, sei es mit Mimik, Gebärden oder beim «Muskellesen» mit unbewussten Druck- und Zugbewegungen. Perry nehme diese Signale wahr und verarbeite sie zu einem Modell, ist Kovic überzeugt.

«Er macht mir einen seriösen Eindruck.»Kovic über Perry

Der Mentalmagier habe offenbar sehr gute Menschenkenntnisse, er habe eine ausserordentliche situative Wahrnehmung und grosse Ahnung von Psychologie. Kovic ist positiv überrascht von Perrys Arbeit: «Er macht mir einen seriösen Eindruck.» Viele angebliche Gedankenleser, Hellseher und Medien seien Scharlatane, die das Publikum mittels Märchen, Tricks und Lügen zum Staunen bringen. Perry hingegen bringe das Publikum über die Realität zum Staunen.

Pat Perry ist seit einem Vierteljahrhundert Mentalmagier – eine Mischform zwischen Mentalist und Magier. Laut Perry ist der Mentalist ein Gedankenleser und der Magier ein Zauberer. Er macht beides, wobei seine Arbeit viel mit Psychologie, Suggestion, Wahrnehmung und Konditionierung des Publikums zu tun habe. Er könne nicht Gedanken lesen, sondern die Leute beeinflussen, sagt der gelernte Hochbauzeichner. Er suche im Publikum jeweils Leute aus, die ihm wohlgesinnt sind; zudem sei es leichter, mit Frauen zu arbeiten als mit Männern. «Die Männer stehen in Konkurrenz mit mir.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2017, 18:13 Uhr

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