Zum Hauptinhalt springen

Sie mag Musik, die irritiert

Fabienne Schmuki ist als Labelchefin eine Ausnahme in der Musikbranche. Sie mag alles, was nicht ins Raster passt – und sorgt sich um den Draht zur Jugend.

Ihr Job sei ideal für Frauen, da er Empathie und gute Intuition erfordere: Fabienne Schmuki. Foto: Dominique Meienberg
Ihr Job sei ideal für Frauen, da er Empathie und gute Intuition erfordere: Fabienne Schmuki. Foto: Dominique Meienberg

Es ist nach wie vor das altbekannte Bild: Egal ob Tontechniker, Roadie, Scout, Manager oder Kritiker – in der Regel werden die meisten Jobs neben und hinter Schweizer Konzertbühnen von Männern ausgeübt. Auch am M4Music, dem Popfestival des Migros-Kulturprozents, das am Wochenende stattfindet, werden die Frauen in «offiziellen» Funktionen in der Minderheit sein.

Da sticht Fabienne Schmuki heraus – nicht nur ihrer eisblauen Augen wegen. Sie ist seit 2014 Co-Geschäftsleiterin der Zürcher Firma Irascible, die zugleich Musikagentur, Indie-Label und (als Irascible Records) Plattenfirma ist. Dabei vermarktet sie neben internationalen Grössen wie Björk oder Arctic Monkeys auch Schweizer Altmeister und Shootingstars wie The Young Gods oder Klaus Johann Grobe. Schmuki sass zudem mehrere Jahre in der Kommission des Zürcher Popkredits, ist Vorstandsmitglied beim Rockförderverein Basel und beim Verband unabhängiger Musiklabels und -produzenten Indiesuisse. Und: Sie ist am M4Music Protagonistin einer Conference.

Grund genug, mit ihr im Büro an der Geroldstrasse über «gute einheimische Musik» zu reden, die sie vorspielt. Zum Beispiel über das Zürcher Duo Wolfman, bei Irascible Records unter Vertrag.

Wolfman, Zürich (Irascible Records)«Sie schaffen mit ihren Songs prächtige Stimmungen. Da geht etwas auf, der Sound ist warm. Ihre Musik ist stets modern, wirkt aber unangestrengt und kommt ohne viel Effekthascherei aus.»

Bands, mit denen Fabienne Schmuki zusammenarbeiten will, müssen eigenständig sein. Müssen sie irritieren, neugierig machen, ihr eine neue Welt eröffnen, musikalisch wie textlich. Zürich sei ein guter Ort für eine Band, findet sie. Viele Einflüsse, ein grosses Netzwerk und viele Konzertlokale – etwa Rote Fabrik, Bogen F oder Exil. Doch es sei für eine Band zentral, aus der Stadt herauszukommen. Irascible, die einen zweiten Geschäftssitz in Lausanne haben, pflegen den Austausch über Kantons- und Sprachgrenzen gezielt. Rock etwa ist in der Romandie angesagter als in der Deutschschweiz, auch wegen Couleur 3: Dort werden laut Schmuki öfter als bei Deutschschweizer Radios «unbequeme Songs» gespielt.

Ikan Hyu, Duo, Zürich (Gadget)«Ihre Musik tönt nach heutigen Standards ‹fett› produziert und jung. Ich denke manchmal, uns fehlen für diese Musik der Draht zu den Jungen und das Wissen über die Art, wie sie Musik hören.»

Obwohl die Mitarbeiter bei Irascible im Schnitt nur knapp über 30 Jahre alt sind, konsumieren sie anders Musik als die ganz Jungen. Schmuki legt LPs auf, statt Songs via Youtube zu streamen, etwa Cloud Rap, jene viral verbreitete Hip-Hop-Richtung, von der sie wenig versteht. Breitbeinigen Hardrock, Volksmusik und viel Saxofon mag Schmuki gar nicht.

Im Ausland habe sie geschäftlich oft mit Frauen zu tun, sagt Schmuki. Es bleibe die Hoffnung, dass die Schweiz bald nachziehe.

Lieber hört sie Rockmusik. Ihr Geschmack sei eine Mischung aus Bauchgefühl und Prägung. Als Kind mochte sie, was ihr Vater hörte: Queen, Van Morrison, Lou Reed, die Beatles. Inzwischen sei sie «stilistisch breiter und experimenteller» geworden. Sie hört, was ihr Entdecker empfehlen, «stets auf der Suche nach dem besonderen Etwas».

Jessiquoi, Bern«Sehr eigenständig und musikalisch spannend, auch optisch schrill und reizvoll. Ich habe sie kennen gelernt und fand sie sehr authentisch.»

Fabienne Schmuki kann nur spekulieren, warum sie als Frau auf ihrer Position eine Sonderstellung hat (obwohl sie auch schon für die Assistentin ihres Geschäftspartners gehalten wurde): Es mag am Alltag liegen, der sich kaum mit einer Familie vereinbaren lässt – Schmuki, die keine Kinder hat, besucht mehrmals wöchentlich Konzerte, ist häufig an Festivals unterwegs. Zudem fehlen Vorbilder, die Mut machen. Dabei sei ihr Job ideal für Frauen, da er Empathie und gute Intuition erfordere. Im Ausland habe sie geschäftlich oft mit Frauen zu tun, sagt Schmuki. Es bleibe die Hoffnung, dass die Schweiz bald nachziehe.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch