Der grosse Zürcher Studi-Mensen-Test

So isst die Elite von morgen: Wir haben die günstigsten Menüs probiert und die Stimmung aufgesogen.

Der Testsieger: Reispfanne mit Truthahn und Ei in der Mensa Mercato der Uni Zürich. Fotos: Sarah Fluck

Der Testsieger: Reispfanne mit Truthahn und Ei in der Mensa Mercato der Uni Zürich. Fotos: Sarah Fluck

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Mensa Mercato UZH

Die Sonne scheint, aus dem Ghettoblaster dröhnt «Knockin’ on Heaven’s Door». Die Köchin tanzt draussen in einer mobilen Küche hinter einer riesigen Eisenpfanne und rührt dabei im Reis mit Truten und Ei. Festivalstimmung direkt neben dem Hörsaal.

Das Menü «de Foifer» gibt es für Studenten und Besucher für einen Fünfliber – und «es hät, solangs hät». Zubereitet wird die Kost aus den Lebensmitteln, die vom Vortag übrig bleiben. So viel Nachhaltigkeit macht gluschtig. Leider wird der Reiseintopf im Einwegteller aus Palmblatt und mit nicht so nachhaltigem Plastikbesteck serviert. Ein Glas Hahnenwasser gibt es gratis dazu.

Dank Holzgartenbänken und -tischen kann man draussen essen, Schattenplätze sind jedoch Mangelware. Schade ist auch, dass sich die Raucherecke direkt neben der Kochstation befindet. Dem Reiseintopf merkt man das jedoch nicht an: Die Zutaten sind perfekt ausbalanciert und raffiniert mit Curry gewürzt. Einzig die Sojasprossen haben ihre Knackigkeit eingebüsst.

Gesprächsauszug: Studentin mit Sonnenbrille: «Der hat mich im Seminar voll angepisst.» Student: «Wie denn?» Studentin mit Sonnenbrille: «Der meinte halt so, dass mir der Umweltschutz wohl nicht wichtig sei.»

Kleidungsstil: Fast alles geht: vom pinkfarbenen Poloshirt mit den passenden Segelschuhen bis zu den Jeans mit Rissen über den Knien (auch «destroyed Stretch-Jeans» genannt). Zu beachten ist einzig ein Must: Die Designer-Trinkflasche. Diese dient als stummer Vorwurf an all jene, die in Zeiten des Klimastreiks immer noch auf PET-Flaschen setzen.

Verhaltensregeln: Cool ist, wer alle paar Meter in eine Begrüssungszeremonie eintreten kann: «Hoiiii du.» Handschlag. Beim Umarmen kräftig auf die Schulter klopfen. «Hesch guet?» Weiterziehen.

Essensmenge: 479 Gramm

Preis (intern): 5 Fr.

Gesamteindruck: 4 von 5 Sternen

Künstlergasse 10, 8001 Zürich; Mittags­service von 11.00 bis 14.30 Uhr


Mensa Polyterrasse ETH

Pork à la Russe

Wo täglich rund 2500 Mahlzeiten verkauft werden, braucht es Organisation. Hier zeigt sie sich an den geordneten Menschenreihen. Alle scheinen verinnerlicht zu haben, wie diese sogenannte Free-Flow-Kantine (schrecklicher Anglizismus für das Prinzip der Selbstbedienung) funktioniert, und nutzen die Strecke von Theke zu Kasse optimal aus. Das billigste Fleischmenü (Pork à la Russe) kommt aus der Sparte «Home» und kann alternativ mit Salat statt Gemüse bezogen werden. Wer sich nach der Kasse nochmals in eine Schlange stellen mag, für den gibt es auch noch gratis Wasser (auf Wunsch gar mit Papierröhrchen). Pluspunkte gibt es zudem für die Gewürztheke: Von gerösteten Zwiebeln über Sambal Oelek bis zum getrockneten Knoblauch findet sich hier alles.

Was an Tempo geboten wird, das fehlt an Gemütlichkeit: Ob Boden, Wand oder Tisch – die dominierende Farbe ist braun. Dafür schmeckt das Essen. Einzig die Wodkasauce hat etwas zu viel Salz abbekommen.

Gesprächsauszug: Student mit Brille I: «Die Anlage funktioniert berührungslos?» Student mit Brille II: «So wie ich es verstehe, analysiert das System Unregelmässigkeiten automatisch, indem es die falschen Komponenten anhand ihrer Geräusche erkennt und meldet.»

Kleidungsstil: Wie fein der Bartflaum auch spriessen mag – hier zeigt man(n), was bei ihm wächst. Bordeaux oder graue Sweatshirts mit Jeans sind zudem Pflicht. Und an den Rücken gehört ein praktischer Rucksack – gerne auch mit einem grossen Logo eines Sport-Brands.

Verhaltensregeln: Die Herren besuchen das Restaurant immer in Grüppchen von mindestens fünf Mitgliedern. Die Frauen – sofern sie denn vorhanden sind – teilen sich auf diese Grüppchen auf. Gesprochen wird leise, angestanden wird geduldig und geordnet.

Essensmenge: 504 Gramm

Preis (intern): 6.20 Fr.

Gesamteindruck: 3 von 5 Sternen

Leonhardstrasse 34, 8092 Zürich; Mittagsservice von 11.15 bis 13.30 Uhr


Mensa Molki Toni-Areal ZHDK

Lachsforelle mit Spargel und Kartoffel

Hier stellt sich erst einmal ein kantinentypischer Orientierungsstress ein: Die Fassstrassen verlaufen wild durcheinander. Auch die schwarzen Tafeln bieten wenig Orientierung. Auf ihnen stehen Allerweltsbegriffe wie «Vital», «Global» oder «Exquisit». Das billigste Menü findet sich in der Sparte «Traditional» – ein Ostermenü mit Lachsforelle aus der Türkei. Bezahlen kann man dieses jedoch bloss mit Bargeld. It’s so 90s.

Optisch vermag die Kantine zu überzeugen: Grün-weiss gekachelte Plättchen und Glühbirnen in Einmachgläsern ergeben einen super Fotospot für Instagram-Bilder. Doch für die Grösse des Toni-Areals scheint die Mensa zu klein geraten. Bereits kurz nach elf sind alle Plätze besetzt.

Optisch bezirzt aber auch das Menü: Die Radieschen-Kresse-Mischung bildet einen optischen Kontrapunkt zum Rest – Erinnerungen an die Stillleben von Otto Franz Scholderer werden wach (siehe etwa «Stillleben mit Fisch» oder auch «Stillleben mit Fisch und Brötchen»). Doch leider schmeckt das Essen längst nicht so einnehmend, wie es aussieht: Zu salzig die Kartoffel, zu hart und bitter die Spargeln. Einzig der Fisch und die buttrige Zitronensauce überzeugen.

Gesprächsauszug: Student mit dunklem Wuschelhaar: «Also wenn du den Blockflöten-Griff mit der linken Hand nimmst, dann klingt der Ton einfach cleaner.» Student mit hellem Wuschelhaar: «Kann sein, aber ich mag so scharf-kratzige Sounds halt noch.»

Kleidungsstil: John-Lennon-Brille und kurze, farbige Haare (alternativ auch Dreadlocks) sind von Vorteil. Die (Öko!-)Kleider müssen derweil deine Geschichte – insbesondere dein Leiden – erzählen. Schuhe hingegen sind eine Empfehlung und keine Notwendigkeit.

Verhaltensregeln: Alles ist Kunst.

Essensmenge: 363 Gramm (schliesslich brauchen Kreative keine Nahrung, bloss Bestätigung)

Preis (intern): 7 Fr.

Gesamteindruck: 3 von 5 Sternen

Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich; Mittagsservice von 11.00 bis 14.00 Uhr


Mensa der PHZH

Zunft-Bratwurst

Das billigste Fleischmenü kommt aus der Sparte «einfach gut» und wird als «Zunft-Bratwurst» beworben. Geduldiges Warten ist dafür nicht nötig. Eine Schlange bildet sich einzig bei «natürlich vegi». Zum Hauptgang gibt es wahlweise Suppe oder Salat von einem Buffet, das aussieht, als wäre soeben Orkan Lothar darübergefegt. Kassen stehen auf zwei Seiten, womit das Auschecken zügig gelingt. Zusätzliches Plus: Nach einer Studikarte wird nicht gefragt und einfach der billigere Preis verrechnet. Stilles Wasser und Gläser stehen zur freien Verfügung.

Das Design des Essensraums ist schlicht – dunkle Böden und Möbel treffen weisse Decken und Wände. Sitzgelegenheiten sind beschränkt, die Tische und Stühle zu dicht gestellt.

Die währschafte Schweizer Wurst aus Schwein und Kalb sieht gut angebraten aus und zeigt sich beim Anschnitt knackig, fein und mild im Geschmack. Doch der Grillmeister muss in Eile gewesen sein: Der Kern der Wurst ist noch kalt. Auch die Bratkartoffeln und der Blumenkohl sind nicht gar. Die Zwiebelsauce vermag den Geschmack nicht zu retten – sie ist so salzig, dass man in ihr wohl sitzen könnte.

Gesprächsauszug: Geschminkte Studentin: «Der hat sich ohne Scheiss siebenmal in einer Lektion gemeldet.» Ungeschminkte Studentin nickt. Geschminkte Studentin: «So was geht doch einfach nicht! Wie soll ich denn so den ganzen Mathelehrplan durchkriegen?» Ungeschminkte Studentin nickt.

Kleidungsstil: Gut ist, was Durchschnitt ist. Einzig die Haare, diese müssen bei Mann wie Frau überdurchschnittliche Länge aufweisen. Als zusätzliches Accessoire bieten sich ein lässiger Stoffbeutel oder ein Gitarren-Rucksack an.

Verhaltensregeln: Was einen Mund hat, spreche – auch wenn das Plappermäulchen noch mit Essen gefüllt ist.

Essensmenge: 598 Gramm

Preis (intern): 8.60 Fr.

Gesamteindruck: 2 von 5 Sternen

Lagerstrasse 10, 8004 Zürich; Mittags­service von 11.00 bis 14.00 Uhr

Erstellt: 23.04.2019, 06:09 Uhr

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