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«Tanzen wirkt positiv auf unsere Hirnleistung»

Der Neurowissenschaftler Wolfgang Knecht erklärt, wie Wellness fürs Gehirn funktioniert und wie Sie Ihr Denkorgan in Topform bringen.

«Momentan gibt es viele Aktivitäten im Zusammenhang mit sogenannten Neuro-Enhancern», sagt Neurowissenschaftler Wolfgang Knecht
«Momentan gibt es viele Aktivitäten im Zusammenhang mit sogenannten Neuro-Enhancern», sagt Neurowissenschaftler Wolfgang Knecht
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Wolfgang Knecht, Ihre Vortragskonferenz Brain Fair an der ETH steht in diesem Jahr unter dem Motto «Das gesunde Gehirn». Wie halte ich mein Denkorgan fit?

Dazu gibt es mehrere Ansätze: So werden wir in diesem Zusammenhang sicherlich über Ernährung, Bewegung – insbesondere Tanz – und Schlaf sprechen. Denn besonders in diesen Bereichen kann man etwas Gutes für sein Gehirn tun.

Tanz?

Ja, die Wirkungen von Tanz aufs Gehirn werden derzeit hier an der ETH untersucht. Das Spezielle daran ist, dass dabei die akustische Welt auf die Bewegung trifft und somit mehrere Funktionen gleichzeitig aktiviert werden – beispielsweise die Aufmerksamkeit, und die Sensorik und eben die Motorik. Das hat einen positiven Effekt auf unsere Hirnleistung. Basierend auf diesen Ergebnissen werden nun Spiele hergestellt, welche verschiedene geistige und körperliche Funktionen trainieren können.

Und welchen Einfluss kann denn die Ernährung auf das Gehirn haben?

Viele Nüsse, Früchte und mediterranes Essen enthalten sogenannte Antioxidantien. Diese können chronischen Entzündungen im Gehirn entgegenwirken. Solche treten im Alter vermehrt auf.

Welche Gefahren gehen denn von solchen Entzündungen aus?

Man geht davon aus, dass viele Krankheiten – darunter möglicherweise auch Alzheimer – durch solche Entzündungen hervorgerufen oder mitverantwortet werden. Hierzu ist jedoch zu sagen, dass es sich dabei um Hypothesen handelt, die derzeit noch überprüft werden.

Und wie verschaffe ich meinem Hirn etwas Wellness?

Wenn Sie Ihrem Hirn etwas Gutes tun wollen, dann sollten Sie genügend schlafen – ein Schlüssel für viele Bereiche. Dadurch werden beispielsweise Gedächtnisinhalte, die den Tag hindurch aufgenommen wurden, besser konsolidiert. Wer ausgeschlafen ist, packt zudem Probleme besser an. Dagegen kann ein Mangel an Schlaf das Gegenteil bewirken und im schlimmsten Fall gar psychische Krankheiten auslösen.

Wann habe ich denn einen guten Schlaf?

Wenn Sie so viel schlafen, wie ihr Körper für nötig empfindet. Dies ist dann der Fall, wenn sie am Morgen ohne Wecker aufwachen. Demnach müsste früher ins Bett, wer am Morgen vom Klingeln aufwacht.

Was kann ich gegen Schlaflosigkeit tun?

Man kann beispielsweise versuchen, mittels Meditation zur Ruhe zu kommen. Auf weitere Möglichkeiten wird an der Brain Fair besonders am Mittwochabend eingegangen. Dann werden auch die verschiedenen Medikamente thematisiert. Zu diesen kann bereits gesagt werden, dass man sie besser nicht in zu grosser Menge und über einen zu langen Zeitraum einnimmt.

Was würden Sie den Studenten und Schülern für die Prüfungszeit raten – wie können sie ihre Lernfähigkeit ausbauen?

Genügend Schlaf, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Derzeit wird in diesem Zusammenhang auch öfters über pharmakologische Methoden gesprochen – beispielsweise Mikrodosierung der Droge LSD. Auch dies ist an der Brain Fair ein Thema. Die Fachleute raten von solchen Experimenten aber ab. Derweil gibt es das traditionelle Gedächtnistraining, das einen gewissen Effekt haben kann.

Welchen?

Durch spezielles Training kann man in einer geübten Aufgabe besser werden. Allerdings können die erzielten Leistungen nicht auf andere Bereiche transferiert werden.

Können Sie dazu ein Beispiel machen ?

Wenn ich mich beispielsweise in Sudoku übe, werde ich mit der Zeit besser. Dieser Effekt wird auch eine gewisse Zeit bestehen bleiben, wenn ich mit dem Training wieder aufhöre. Dieses Training wird mich aber nicht zu einem besseren Schachspieler machen können.

Und in welchen Bereichen boomt derzeit die Hirnforschung?

Momentan gibt es viele Aktivitäten im Zusammenhang mit sogenannten Neuro-Enhancern in der Hoffnung, dass sie einen positiven Effekt auf die Psyche oder die kognitive Leistungsfähigkeit haben. Auch gesunde Menschen versuchen damit, ihre Gehirnleistung zu steigern. An der Brain Fair am Donnerstag schauen wir dazu pharmakologische und elektrische oder magnetische Hirnstimulation an. Da gehen wir auch der Frage nach, wo die Nebenwirkungen und Gefahren solcher Stimulationen liegen.

Brain Fair 2019: Diskussionsforen und Vorträge über «das gesunde Gehirn». Bis 15. März, ETH und Universität Zürich. Anmeldung ist keine nötig, die Teilnahme ist kostenlos. Alle Informationen: www.brainfair.uzh.ch

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