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Verführer aus der Distanz

Auf den Bildern von Raphael Bühlmann zeigen junge Frauen viel Haut. Dem Zürcher Fotografen, Künstler und Tätowierer gefällt das Gefährlich-Sinnliche.

Die junge Frau steht in der Küche, isst Fertignudeln und verführt in die Kamera hinein. Auf dem nächsten Bild sitzt sie in grüner Unterwäsche am Fenster. Durch den Stoff sind ihre Brustwarzen zu erkennen. Schliesslich sehen wir sie, angezogen und mit einem Kaffeebecher in der Hand, daneben ein Schild: «Achtung, Todesgefahr!» Die gefährliche Schöne steht im Mittelpunkt der Fotoserie «A Day with Lili in Chinatown» von Raphael Bühlmann. Die Bilder sind so intim, dass man sich beim Betrachten unweigerlich fragt: Schlafen sie miteinander, der Fotograf und die Schöne?

Die Frage müsse offenbleiben, sagt der Künstler im Gespräch. «Weiss der Betrachter, wie die Fotos entstanden sind, verlieren sie ihre Magie.» In der rechten Hand hält Bühlmann einen Energydrink, in der linken eine Zigarette – auf seinen Fingern erkennt man grosse tätowierte Buchstaben: «IAMU» und «URME». Er will sie weglasern lassen, weil viele Models deswegen erschrecken. Für die Shootings braucht Bühlmann aber das Vertrauen der jungen Frauen: Sie ziehen sich für ihn bis auf den Slip aus oder legen sich mit einem Gummikaktus zwischen den Beinen in die Badewanne. Das erinnert an Kampagnen von American Apparel oder den Stil von Terry Richardson: Haut, Posen, Farben. Intensiv alles.

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