Vier Zürcher Mietvelos im Test

Züri-Velo, Limebike, Smide oder O-Bike? Was die Sharing-Räder können, wie teuer die Fahrt ist und für wen sie geeignet sind.

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O-BikeEiner muss den Anfang wagen

Foto: Samuel Schalch

Das Rad
Sagen wir es so: O-Bike hat das Eis gebrochen. Dem ersten stationslosen Veloverleih im grossen Stil in Zürich gebührt darum Achtung. Doch O-Bike hat die Latte auch unterirdisch tief gehängt: Die Räder mit einem einzigen Gang, dem schweren geschwungenen Stahlrahmen und den armseligen Plastikschutzblechen sind Schrott. Ausser an der Seepromenade sind sie nirgends in der Stadt vernünftig zu bewegen. Noch im letzten Jahr wurde eine neue Generation Räder versprochen. Grösser und stabiler und mit drei Gängen. Gesehen haben wir noch keins.

Die App
Läuft stabil.

Wo finde ich eines?
Überall: Auf dem Dach des Tramhäuschens, in der Limmat, in der Sihl, vor dem McDonald’s und an fast jeder Tramhaltestelle steht eines – oder besser: Es liegt. Nirgends auf der Welt werden mehr O-Bikes Opfer von Vandalismus als in der Schweiz. Das massenhafte Auftreten der Billigvelos aus China hat anarchistische Kreise mobilisiert: Autonome fühlen sich durch die kleinen, auf den Velos aufgedruckten QR-Codes bedroht, mit denen die Räder identifiziert und freigeschaltet werden. Indem sie die Codes mit Farbe unkenntlich machen, wollen sie die Welt vor der Überwachung retten, Spuren verwischen.

Der O-Bike-Typ
Er fährt einmal O-Bike und dann nie wieder. Ausser vielleicht, um minim schneller als zu Fuss zu einem Leihfahrrad der Konkurrenz zu kommen.

Nicht vergessen!
Sekundenkleber und Ölkännchen. Um das Schutzblech wieder zu fixieren und das Quietschen der Pedalen auf ein erträgliches Mass zu reduzieren.

Service
O-Bike-App im App Store oder Google Play, Kaution 49 Franken, 1.50 Franken pro Fahrt/pro 30 Minuten.

Video – O-Bikes im Test

Was können die orangenen Leihvelos?.

SmideDer Ferrari unter den Bikes

Foto: Urs Jaudas

Das Rad
Rund 7000 Franken kostet das Modell im Geschäft: der Sportwagen unter den Zürcher Leihvelos. Wer den happigen Betrag investiert, muss den Akku allerdings selber laden. Solche Mühsal bleibt der Smide-Community erspart. Leere Akkus werden durch volle ersetzt. Diesen Dienst leistet AOZ Züri rollt. Alles, was es braucht, um loszufahren, ist ein Smartphone, die entsprechende App – und ein Führerausweis. Denn die Dinger sind schnell und wegen des grossen Akkus sauschwer, also gefährlich.

Die App
Namen eingeben, ein Minutenpaket per Kreditkarte kaufen und den Führerausweis abfotografieren. Wo das nächste Velo steht, wie weit man damit noch kommt, entsperren, wieder freigeben: alles da, alles klar.

Wo finde ich eines?
Obwohl es nur 250 E-Bikes auf Stadtgebiet sind, ist selten ein Smide weiter als fünf Gehminuten entfernt. Stellt man sein Velo nach der Heimfahrt vor der Haustür ab, ist es meist auch am nächsten Tag noch da.

Der smidige Typ
Der typische Smide-Fahrer ist dankbar für die starke Unterstützung des E-Motors. Er flitzt zur Vereinssitzung, zum Tennistraining, zum Businessmeeting. Er mag Qualität und Hightech, will aber nicht viel Geld dafür ausgeben.

Nicht vergessen!
Handyladekabel: Das Velo verfügt über eine USB-Buchse. Fehlt nämlich der Saft, um das Rad wieder freizugeben, wird es teuer! Auch ein Kapuzenpulli empfiehlt sich oder ein Chäppli. Der ebenfalls gesharte Helm kostet sonst etwas Überwindung. Und oft ist er nass.

Service
Smide-App im App Store oder Google Play, Mofa-Führerausweis, Helmpflicht, muss auf Stadtgebiet abgestellt werden, keine Kaution, 0,25 Franken/Minute.

LimebikeMilitärgrün, frisch interpretiert

Foto: PD

Das Rad
Das Limebike ist das Pendant zum Vollchromstahl-Züri-WC: absolut vandalensicher und in seiner Rohheit von bestechender Qualität. Es beginnt beim Rahmen mit seinem rechteckigen Querschnitt, geht über den aus Aluminium gefrästen Griff für das einfache Verstellen der Sattelstütze bis zu der mit einem kleinen Überrollkäfig gesicherten LED-Heckleuchte. Hier hat jemand mit Schweizer Gründlichkeit ein unzerstörbares Velo erschaffen, ohne dabei den Komfort ganz ausser Acht zu lassen. Der Sattel ist bequem weich, die Dreigang-schaltung macht einigermassen schnelles Fortkommen möglich. Gewöhnungsbedürftig: der spitze Winkel, in dem die Lenkergriffe angeordnet sind.

Die App
Limebike wurde in den USA gegründet, im Silicon Valley, dementsprechend benutzerfreundlich ist die App. Jeder zurückgelegte Meter wird auf einer Karte eingezeichnet, festgehalten zusammen mit der Länge der Fahrt, der Laufzeit, den verbrannten Kalorien und dem eingesparten Kohlenstoff, hübsch!

Wo finde ich eines?
Limebikes sind fast so verbreitet wie O-Bikes. Stehen irgendwo zu viele herum, werden einige von ihnen zu Bonus-Bikes: Wer sie mehr als fünf Minuten bewegt, sie also an einen attraktiveren Ort befördert, erhält eine Fahrt geschenkt.

Der Limebike-Typ
Er fährt vorwiegend Tram, Bus oder Zug. Bloss für die letzten paar Hundert Meter setzt er auf Muskelkraft.

Nicht vergessen!
Den Velohelm. Wenn das Gefährt robust ist wie ein Schweizer Militärvelo, kommt einem der Kopf sonderbar ungeschützt vor, so ganz ohne Stahlhelm.

Service
Limebike-App im App Store oder Google Play, keine Kaution, 1 Franken pro Fahrt/pro 30 Minuten.

Züri-VeloKleine Räder, grosse Velos

Foto: TA

Das Rad
Sie haben winzige Räder, wirklich ganz, ganz kleine, und sehen deshalb aus wie diese Klappvelos, die veloverliebte, aber tretfaule Mitmenschen in den Bus oder ins Tram hieven. Zusammenklappen kann man die Räder von Publibike aber nicht. Es ist auch gar nicht nötig, denn sie verfügen über eine stufenlose Nabenschaltung für jedes erdenkliche Terrain, und ein Teil hat sogar Elektrounterstützung. Letztere ist so simpel ausgelegt wie bei einem Elektroauto: Die Gangschaltung entfällt. Und so fährt es sich ohne Anstrengung und ohne zu schalten auf den Lindenhof, blitzschnell durch den Seilergraben und höchst kontrolliert durch die Touristenmengen an der Bahnhofstrasse. Bei Apple würden sie sagen: «Magical.»

Die App
Alles, aber auch wirklich alles an diesen kleinen, violetten Rädern macht einen soliden, hochwertigen Eindruck. Auch die App.

Wo finde ich eines?
An den Teststationen am Beatenplatz und am Werdmühleplatz.

Der Züri-Velo-Typ
Züri-Velo-Fahrer sind zwischen 18 und 99 Jahre alt. Sie machen sich nichts vor und schon gar nichts aus starken Motoren – oder grossen Rädern! Sie mögen den niederen Einstieg und die unkomplizierte Elektrounterstützung.

Nicht vergessen!
Bei den Publi-E-Bikes prangt ein dicker, silberner Knopf am Oberrohr. «Emergency Stop» steht da. Offenbar ist die «Magic» noch in der Betaphase. Wenn das Rad ungewollt beschleunigen sollte, hier drücken. Dann die Scheibenbremsen einsetzen.

Service
App im App Store oder Google Play, Vorsicht: Testbetrieb! Keine ­Kaution, 3 Franken/Fahrt (4.50 Franken/­E-Bike).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.02.2018, 22:04 Uhr

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