Warum läuft die Zeit immer vorwärts?

Mit 72 Fragen an Zürcher Persönlichkeiten und Institutionen startet das «Bellevue» ins neue Jahr. Teil III.

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Liebe Züspa, was lösten all die ­liebevollen Nachrufe bei dir aus?
Ich war etwas wehmütig und musste teilweise schmunzeln über die erzählten Episoden. Ich schliesse aber im Guten ab.

Wir vermissen dich!
Also war da doch noch etwas Liebe – ach, wie schön …

Die Züspa war bis 2018 die Züspa, die Zürcher Spezialitätenausstellung.


Bild: Keystone

Christian Dorer, wie ist das Leben als Super-Chef? Super?
Supersuper sogar. Es gibt keine spannendere Aufgabe. Gerade in einem Jahr wie dem kommenden: 2019 wird der «Blick»-Käfer 40, der «SonntagsBlick» 50 und der «Blick» 60 Jahre alt.

Und jenes als ­Super-Chauffeur?
Es ist eine super Abwechslung. Ich fahre seit 21 Jahren einmal pro Monat Linienbus. So entfliehe ich der Journalisten-Bubble.

Wie oft ritzen Sie als ­Busfahrer die Verkehrsregeln?
Bewusst noch nie. Aber ich habe mich schon verfahren. Die Fahrgäste fanden es lustig, mir war es sehr peinlich.

Christian Dorer ist Super-Chefredaktor der «Blick»-Gruppe.


Mario Fehr, was war Ihr ­fussballerisches Highlight 2018?
Die beiden Siege der Schweizer Nati gegen Serbien in Kaliningrad und gegen Belgien in Luzern. Beides Mal mit Weltklasseauftritten von Shaqiri.

Was werden Sie ohne den anderen Adliswiler im ­Regierungsrat machen?
Die Situation wird sicher ganz schwierig, aber ich werde irgendwie damit klarkommen …

Warum ist Adliswil keine ­Seegemeinde, die Stadt hätte doch das Zeug dazu?
Adliswil hat die Sihl und als einzige Gemeinde unseres Kantons eine Luftseilbahn. Und ist auch sonst ein toller Ort zum Leben. Da gönnen wir doch den Seegemeinden den Blick auf den wunderschönen Zürichsee. Der Adliswiler Mario Fehr (SP) ist Vorsteher der Sicherheitsdirektion.


Caroline Fux, braucht Zürich ein Tantra-Tram?
Also ein Sexologie-Tram mit lustbetonter sexueller Bildung fände ich etwas Grossartiges! Das würde ich aber niemals kampflos allein den Tantrikern überlassen.

Caroline Fux ist ­Beraterin in Sachen Sex und Liebe beim «Blick».


Jeans for Jesus, wann erhält Maria endlich auch eine Jeans?
Mike Egger: Wir sind gegen Quoten. Wenn eine Frau Martullo-Blocher es schaffen kann, kann es auch Maria schaffen.
Demi Jakob: Wir sind schon dafür, keine Frage, aber wir möchten Maria nicht diktieren, ob sie sich die Jeans leisten kann, Sie verstehen.

Was wollten Sie als zugezogene Berner den Zürcherinnen und ­Zürchern schon immer mal sagen?
Egger: Den Nummernschildern nach würde ich vor allem den Kantonsausländerinnen und -ausländern, gerade in der Region Hottingen-Central, gerne für mein Leben danken, das ich auf dem Fahrrad so gerne für ihre Durchfahrt im SUV riskiere. Im Ernst, ist echt ein krasser Unterschied zu Bern, ich werde täglich fast überfahren auf dieser Strecke. Man mag nicht durch die Autoscheiben schreien, wird leicht passiv-aggressiv und fährt dann selbst wie ein Idiot. Und dem Rest? Viele in der Stadt reden immer noch von New York und Berlin, wir finden es super hier, danke fürs gute Aufnehmen!
Jakob: Das wird nicht in Bern gedruckt, oder?

Dodo hat den Hippiebus. Und Sie?
Jakob: Hoffentlich noch ein wenig Kredibilität.
Egger: Wir haben Fahrräder, bis wir einen ordentlichen Job und Kinder kriegen, in einen anderen Kanton mit tieferem Steuersatz ziehen und uns SUV kaufen, um in die Stadt zu fahren.

Mike Egger und Demi Jakob gehören zur Band Jeans for Jesus.


Liebe ZKB, gibt es Gondeln oder ­Gondeli über den See?
Weder noch. Es werden Kabinen über den See schweben.

Hat sich Freddy Nock schon bei dir gemeldet?
Leider nicht. Darum an dieser Stelle: Freddy, bitte melde dich!

Die ZKB ist auch als die nahe Bank ­bekannt. Und als Zürcher Kantonalbank.


Bild: Samuel Schalch

Claudia Nielsen, es ist still um Sie geworden. Was tun Sie?
Ich geniesse die Stille, das Zeithaben und die Freiheit und hole einiges nach, was auf der Strecke blieb. Nächstes Jahr bin ich bereit für Neues.

Was halten Sie von diesen Neuen im Stadtrat?
Sie arbeiten viel und machen ihre Sache gut – genau, wie unser System es verlangt, eine Teamleistung der ganzen Stadtverwaltung.

Claudia Nielsen war von 2010 bis 2018 SP-Stadträtin.


Clive Bucher, hilft Rummel einer jungen, zarten Liebe?
Ob der Rummel für unsere Liebe förderlich ist, kann ich nicht sagen, das wird sich im Laufe der Zeit noch zeigen. Es ist für uns aber eine Herausforderung, mit welcher wir noch lernen müssen umzugehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass Sanja und ich das Beste daraus machen werden.

Schauen Sie manchmal selber auch Trash-TV?
Nein, ich habe noch nie Trash-TV ­geguckt.

Clive Bucher ist Investmentberater und war der Bachelor 2018.


Patricia Rey, bei welchem Sportanlass wurde 2018 im Le Calvados der grösste Bar-Umsatz erzielt?
Der beste Umsatz wurde während der WM erzielt, und zwar während des Achtelfinalspiels Schweiz - Schweden. Trotz schlechter Voraussage, was das Wetter betraf, war der Idaplatz vor Anpfiff rappelvoll. Leider war das Ergebnis nicht zufriedenstellend.

Patricia Rey ist Geschäftsführerin der Sportbar Le Calvados.


Markus Knauss, was wollten Sie schon lange mal gefragt werden?
Warum ich, obwohl wir seit über 30 Jahren fast ausschliesslich bio essen, den grünen Smoothie ausschlage, den mir unsere Tochter anbietet.

Warum schlagen Sie, obwohl Sie seit über 30 Jahren fast ausschliesslich bio essen, den grünen Smoothie aus, den Ihnen Ihre Tochter anbietet?
Weil ich die selbst gemachte Konfi meiner Frau über alles liebe.

Markus Knauss ist grüner Politiker und grüner Mensch.


FC Dübendorf, lügt die Werbung?
Nicht bei der Werbung, bei der wir mitgemacht haben.

Spielt bei euch noch jemand mit diesen Nasenpflastern?
Meines Wissens nicht.

Der FC Dübendorf war Teil der ­Werbekampagne eines Onlinehändlers.


Bild: Fabienne Andreoli

Patrizia Hausheer, warum läuft die Zeit immer vorwärts?
Mein Kaffee kühlt mit der Zeit ab. Ich werde jeden Tag älter, und 2018 ist zu Ende. Die Zeit hat eindeutig eine Richtung. Vorwärts. In die Zukunft. Dass Zeit und Raum irgendwie zusammen­hängen, wissen wir auch. Dass aber die Zeit auch rückwärtslaufen könnte, verwundert schon eher. In 20 Milliarden Jahren soll es so weit sein: Das Weltall schrumpft. Und der Zeitpfeil dreht sich um – in die entgegengesetzte Richtung. Rückwärts. In die Vergangenheit. Aber was dann? Wird mein Kaffee automatisch wieder warm? Verschwinden Säuglinge wieder im Mutterbauch? Bis dahin bleibt uns zum Glück noch viel Zeit.

Vanessa Sonder, wie kann man 2019 den Sinn des Lebens finden?
Gar nicht. Das sollte uns aber nicht im Geringsten beunruhigen. Denn woher das Bedürfnis nach allumfassender Sinngebung? Verhält es sich nicht so, dass die Sinnfrage erst dann auftaucht, wenn man mitten in einer Krise steckt? Dass sich die Frage aus dem alltäglichen Leben heraus aber meistens gar nicht stellt? Und warum sollte es nicht genügen, einfach da zu sein? Es ist die Sinnfrage selbst, die uns beunruhigt. Nicht die Möglichkeit, ohne Sinn zu sein. Letzteres ist besser, als man denkt. Denn es befreit von der vergeblichen Suche.

Die Philosophinnen Patrizia Hausheer und Vanessa Sonder haben das Buch «Was soll das alles» geschrieben.

Erstellt: 04.01.2019, 22:51 Uhr

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