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«Weisch, min Fründ verdient ja guet»

Wer hier einkehrt, redet über Selbstentfaltung, Auswandern, Musik und Drinks: Das macht das Café du Bonheur zum hippsten Flecken Zürichs.

MeinungSalome Müller
Im Café du Bonheur werden die richtig wichtigen Dinge besprochen. Foto: Doris Fanconi
Im Café du Bonheur werden die richtig wichtigen Dinge besprochen. Foto: Doris Fanconi

Ein Dienstag im aufkeimenden Frühling. Im Café du Bonheur im Kreis 4 stehen leere Holztische mit Blumensträusschen, denn das Leben findet draussen statt: Auf den farbigen Stühlen, unter den Fähnchen, die zwischen Gebäude und Baum gespannt sind, sitzen Zürcher Menschen an ihren Laptops, mit ihren Freundinnen, auf ein Glas Wein, Bier oder Pamplemousse-Limonade, und reden.

Porco dio, es ist Frühling und schweinekalt! – Ja, hallo? . . . Hä? . . . Ja, weisses nöd so gnau . . . Was wetsch dänn ässe? . . . Ah, okay . . . Ja, isch guet . . . Alright . . . Tschätschau! – Ja, hoi? . . . Nei, die gsehnd eher so us wie d Edison-Lüchte . . . Häsch gseh gha? . . . Ja, das sind so Edison-Bulbs. So rundi . . . Ez gang dett ufe … Ja genau, so klassischi . . . Genau, ja. Also, bis später! . . . Alright . . . Tschauuu. – Ich sött no zwei Kafi zahle und sonen Miniskus-Iistee, oder wi heisst das? – Jetzt habe ich die Hose auch so hochgekrempelt, und nun friere ich. – Du bist ja auch barfuss in den Sandalen! – Für mich gerne einen Cappuccino mit Sojamilch. To go. – Ah, hooooi, du da? Schon lange nicht mehr gesehen! – Mega lang ist es her! – Mal Kafi? – Ja gerne, nächste Woche? – Ja, eh! Ich schreib dir noch auf Whatsapp, gut? Muss jetzt ins Yoga!

Weisch du scho meh wäg morn? Klappt das? . . . Chasches klappend mache? . . . Schönschön . . . Nei, dett hörts uf mit em Universalgenie! Topflappe häkle, Blueme schniide, Chnöpf aneie, aber alles anderi chan i nöd! – Wir wollen so selbst gemachten Ice-Tea anbieten, vielleicht auch selbst kreierte Cocktails für ein Sommerfest. Die Idee ist: zum Thema etwas aus einem Guss zu machen. Mit so speziellen Kreationen. – Ich suche einen Nebenjob für die nächsten paar Monate . . . – Wir sind eigentlich gut bestückt. Hast du Erfahrung? – Ich hab schon in anderen Bars gearbeitet. – Es ist halt recht krass hier, es ist kein Einstiegsjob. – Also ich bin sehr motiviert und lernwillig und hab eben fertig studiert. – Gib mir doch deine Nummer, und ich meld mich, okay?

Kannst du mir eine Yogamatte leihen? – Brauchst du sie zum Fernsehen? Oder für einen Ort, wo es auch andere Matten hat? – Es ist für den Waldboden. – Ich geb dir die dickere. Du siehst: Ich habe alles! – Ich lege in Lugano an einem Festival auf. – Hey, ist das Goa-Musik? – Ich muss mal Claudio fragen, wie man dieser Musik sagt. Echt geil! – Tisch 35 will Alkohol! – Ciao Mario, come stai? – Bene, bene! Schöne Wetter verusse. – Mamiii, döffed d Sara und d Michelle zu eus cho? – Nei, bitte nöd! Es isch sones Puff, überall häts Brösmeli . . . – Isch doch gliich! Für eus spielt das kei Rolle. Mir spieled eifach i mim Zimmer! – Du, wenn du nach Deutschland gehst, könntest du für mich zu Rewe? – Ja, aber wir fahren mit einem Porsche Cayenne. – Ich brauchte nur einen Liter Tomatensauce. – Das ist easy, für zwanzig hätten wir keinen Platz. – Ich habe dir grad ein Bild geschickt vom Tomatensaft, den ich meine. – Wieso brauchst du ausgerechnet den? – Für eine Bloody Mary. Ein Freund sagte, er mache Bloody Marys immer mit diesem Saft. Also eigentlich ist es eine Tomatensauce, aber näher beim Saft als bei der Sauce.

Wänn du s Gfühl häsch, du hegsch die Fähigkeite, oder sälbstständig schaffe wetsch, also ich bin nöd de Typ, wo gern ellei schaffet, ich bin eher so en Team-Mänsch, aber wänn du das wetsch, und du häsch ja au en guete Stundeasatz, mängmal chunt mer so in Situatione ine, unverschuldet, womer dänn glich öpis chan bewürke und öpis Neus drus entstaht. – Weisch, min Fründ verdient ja guet, er isch im IT-Bereich, dänn säget mir d Lüüt au, machsch dr es schöns Läbe, aber ich wett scho chli öpis mache, mir händ sowieso de Plan, dass mr dänn mal uf Australie gönd. D Frag isch eifach, wänn. Mir würdet ä Wohnig dett chaufe, da in Züri isch ja nüt mit Chaufe. Wobii, Sydney isch no schlimmer als Züri. So echli wie New York. – O mein Gott! Und dänn hät er sich ine anderi verliebt. Und er so: Das isch mer genau gliich gange mit de Bianca, ich glaub, das liit ide Familie. – Oh, dett bini huere betrunke gsi! So betrunke bini gsi . . . Ich find, mir sind no z jung für e Beziehig. Es isch würkli mega ziitufwändig. Kollege säget, mir passet nöd zäme. Will ich so luut bin und er so liislig. – Max kommt etwas später, er hat noch ein Meeting.

Muesch mal die Blueme alange! Sie isch unglaublich weich! Hani usem Botanische Garte pflückt. – Ich han ihm en Dampfchochtopf gschänkt und so es Mikrowälle-strange-Teil. – Du häsch ja mega din Dad usgstattet! – Geschter hät er Milchriis kochet, und es stinkt immer no. – Was machsch hüt Abig no? – Han mal mit minere Fründin abgmacht zum eis go zie. Mini Wohnsituation isch chli kompliziert. Ich wohn eigentlich dett am Egge, aber ez wird renoviert, drum bini bi mim Vater uf de Couch, aber ez isch ä Fründin wäg für zwei Wuche, und ich chan ihri Wohnig ha. Bi mim Papi isch mega es Puff, mega viel Sache, mega viel doppelt. – Das känni! Dänn wett mer immer ufruume, gäll. – Und dänn hani irgendsones Ufchochding vo ihm mitgno, und er häts voll gmerkt! – Häsch demfall de gueti verwütscht! – Huere schöni Clutch! Wie Fischschuppe gsehts us. – Die isch vonere italienische Designerin. Gits au no in Rosa.

Was arbeitest du denn? – Ich habe Materialwissenschaften studiert, jetzt bin ich bei einem Start-up. Es geht darum, dass man Nebenprodukte wieder nutzt, also weniger Abfall produziert. Ich berate, wie man alternative Produkte brauchen könnte oder den Abfall wiederverwerten. – Mega cool! Gefällts dir? – Ich finds voll geil, aber es ist halt immer schwierig bei Start-ups. Du? – Ich habe Schneiderin gelernt und bin jetzt selbstständig, aber ich will nicht mehr Fashion machen, wenn wir schon beim Abfall sind: so crazy! – Ja voll! Der Waste von H & M zum Beispiel geht ja wieder nach Asien, auf den Markt. – Man sagt ja, die Textilindustrie sei die zweitdreckigste Industrie! Welche ist die dreckigste? – Ich glaub, Elektrobranche!

Du bisch vo Züri? – Ja, vo Höngg. Mega ländlich. – Ländlich? – Ja, mit Puurehöf und so. – Mega luschtig, han letschti es Büechli gfunde mit regionale Sache vo Puurehöf! – Min Fründ hät gseit, er isch Choch, dass uf de Märt in Züri au alles vom Grossdiscounter chunt, und ich so: waaas? – Ja, das isch zum städtische Bedürfnis befriedige nach dem Lokale!

Heute bin ich etwa fünfmal am gleichen Typen vorbeigegangen, er war ungefähr fünfzig. Wie der mich anstarrte! Beim zweiten Mal habe ich ihm Hoi gesagt, er ist mega erschrocken. Beim dritten Mal, es war beim Stauffacher, sagte er dann zu mir: Das gibt es ja nicht, jetzt sehe ich dich zum dritten Mal heute! – Ja voll, es gibt Menschen, die sieht man jahrelang nicht, und wenn, dann grad mehrmals hintereinander. – Die Stadt ist eigentlich mega klein.

Jedes Mal, wänn ich uf Luzern gang, triffi immer so viel Lüüt. Drum leggi mich extra schön a; will ich weiss, dass ich sicher eme Ex-Fründ übere Wäg lauf. Aber ich blib au nie länger als ein Tag! – Manchmal denkt man schon, es wäre easy, auf einer Bank zu arbeiten und 6000 Franken zu verdienen, vor allem wenn dir die Mutter sagt: Willst du nicht einmal etwas Normales arbeiten? Aber auf der anderen Seite: voll nicht!

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