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Wenn Witikon feiert, dann aber richtig

Zum Sommerbeginn gibt sich Zürichs höchstgelegenes Quartier schöngeistig. Mit dabei ist der politische «Chef» von St. Moritz – als Sänger.

Christian Jott Jenny kommt als Chansonnier ans Kultourfest. Foto: Sabina Bobst
Christian Jott Jenny kommt als Chansonnier ans Kultourfest. Foto: Sabina Bobst

Im Töfflibuebe-Alter war Witikon der geilste Ort auf Erden. Also für uns. Wegen der «Schlyfi» im Waldstück beim Elefantenbach, der prekärsten Haarnadelkurve der ganzen Stadt. In Anlehnung an die Bobbahn in St. Moritz nannten wir sie «Little Horse Shoe» (als ob wir geahnt hätten, dass Dekaden später ein Witiker Lehrersohn im Engadiner Nobelort Gemeindepräsi werden würde) und missbrauchten sie für Mutproben – wer da mit seinem frisierten Ciao, Puch Maxi oder Sachs von Witikon her rasend in vollem Karacho reinbretterte und es mit glühenden Bremsen (und ganz viel Schwein!) fertigbrachte, den Sturz zu verhindern, hatte bestanden.

Als die pubertäre Phase vorbei war, war auch unser Interesse an Zürichs höchstgelegenem Quartier vorbei, wir liessen es links (beziehungsweise rechts, wenn man vom Seeufer ausgeht) liegen. Ob zu Recht oder zu Unrecht, ist retrospektiv schwierig zu sagen. Doch alles, was uns danach bewegen sollte – Bars, gute Beizen, Clubs, Filmfestivals, Grenzerfahrungen, Mondänität, Partys, Rockkonzerte, Spitzenfussball, Trends, Youngtimertreffen – suchte man da oben vergebens. Dass es Witikon dann mangels «Street Credibility» im Jahr 2005 auch nicht in die Lyrics des Radio-200 000-Hymnus «Im Huus» schaffte (wo sogar Altstette, Unterstrass oder Schwamedinge auftauchen), war für uns definitiv keine Überraschung.

Offenbar waren wir nicht die Einzigen, die das so sahen – selbst im Quartier scheint man inzwischen zu dieser Einsicht gelangt zu sein. Was natürlich zu Fragen führte. Zum Beispiel zu der, ob man den Sommer 2019 mit einem bestimmt gmögigen, aber halt auch profanen «BBB» (Bier, Bratwurst, launige Beats) willkommen heissen sollte. Die dezidierte Antwort: Aberschosichernöd! Wenn schon feiern, dann richtig!

Es soll gepilgert werden

Et voilà, und deshalb zelebriert man am morgigen 21. Juni ein Quartierfest der Superlative: 17 Witiker Organisationen sowie unzählige freiwillige Helferinnen und Helfer haben dafür gesorgt, dass es zwischen 15 Uhr und Mitternacht über 80 (!) Kulturveranstaltungen zu erleben gibt (danach kann noch bis 2 Uhr morgens getanzt werden). Dass ein solch umfangreiches Programm nicht auf einer einzigen Bühne zu bewältigen ist, versteht sich von selbst. Entschieden hat man sich für zehn gut verteilte Standorte, an jedem wird zur vollen Stunde eine etwa halbstündige Vorführung präsentiert. Die Idee, die sich auch im ­Begriff «Kultour» widerspiegelt – das Publikum soll nach Lust und Laune vom einen zum nächsten Event pilgern.

Um den Hunger und Durst zu stillen, stehen zudem elf Bars und Gastlokale bereit; die kulinarische Palette reicht von Wien bis Indien und von der Paella bis zur Bratwurst. Fehlt noch was? Stimmt, der Stargast. Es ist der erwähnte Lehrersohn, der derzeit die Politik in St. Moritz dirigiert, nun aber als Kulturtäter (und damit in seiner Stammdisziplin) nach Witikon zurückkehrt – er gibt einen Chansonnier mit Hofnarrativ.

Kultourfest Witikon, morgen ab 15 Uhr. Festführer: www.kultourfest-witikon.ch

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