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«Wie Après-Ski in der Stadt»

Denkmal.org expandiert von Basel nach Zürich. Die Gründer Nicolas Schmutz und Reto Kaiser sagen, ihr minimaler Veranstaltungskalender entfalte eine ähnliche Wirkung wie LSD.

Mit den beiden links haben wir gesprochen, sie wünschten sich die beiden rechts mit auf dem Bild. Die Denkmal-Crew mit Reto Kaiser, Nicolas Schmutz, Seraina Manser und Elio Donauer (v. l.). Foto: Sabina Bobst
Mit den beiden links haben wir gesprochen, sie wünschten sich die beiden rechts mit auf dem Bild. Die Denkmal-Crew mit Reto Kaiser, Nicolas Schmutz, Seraina Manser und Elio Donauer (v. l.). Foto: Sabina Bobst

Mit Denkmal.org bringt ihr am 1. Mai einen auf das Allerwesentlichste reduzierten Veranstaltungskalender nach Zürich. Beschreibt euch zum Aufwärmen gegenseitig in wenigen Worten als Club oder Bar.

Nicolas Schmutz: Reto ist eindeutig eine kleine Zürcher Kneipe, aus der Blues-rock zu hören ist.

Reto Kaiser: Klarer Fall: Nicolas ist die Renée-Bar in Basel. Bei ihm findet man immer ein gutes Jazzkonzert.

Was genau ist denn dieses Denkmal.org, das ihr von Basel zu uns nach Zürich transferieren wollt?

Schmutz: Ein unabhängiger Online-­Veranstaltungskalender für Musikevents.

Solche gibt es in Zürich doch wie Müggli am Rhein.

Schmutz: Klar, es gibt durchaus viele Clubs, die ihre Veranstaltungen promoten. Dennoch ist es schwierig, eine Plattform zu finden, die kurz und knapp einen stadtweiten Überblick bietet. Zudem ist Denkmal.org musikalisch sehr breit unterwegs und bildet nicht nur einzelne Nischen ab.

Kaiser: Uns interessiert in erster Linie die Momentaufnahme – wir wollen zeigen, welche Events aktuell stattfinden und aus der Masse herausstechen. Und nicht, welcher Headliner in sieben Monaten Oerlikon beschallen wird.

Welche Partydroge passt denn zu eurem Kalender?

Kaiser: LSD, denn er ist vielfältig und umfassend.

Schmutz: (kichert)

Wollt ihr euch mit eurer Plattform – wie es der Name sagt – ein Denkmal setzen?

Kaiser: Nein, nein. Die Idee war immer, dass unser Code und somit die Plattform Allgemeingut wird und allen als Open Source zugänglich ist. Wer möchte, kann jederzeit auf unseren Code ­zugreifen, ihn nutzen oder weiterentwickeln. So bleiben wir kein starres Denkmal, sondern fluid. Aber ehrlich gesagt, weiss ich nicht mehr, weshalb wir vor 15 Jahren auf diesen Namen gekommen sind.

Schmutz: But hey, dafür wissen wir, weshalb unser Logo eine Nachteule zeigt: Wir wollen ein Brand sein, der die Nacht im Blick behält.

In Zürich werdet ihr mit dem ­Onlinemagazin Tsüri.ch ­zusammenspannen.

Kaiser: Ja, als Basler wollten wir uns ­natürlich einheimische Unterstützung holen.

Schmutz: In Gesprächen hat sich gezeigt, dass Tsüri.ch einen ähnlichen Spirit hat wie wir. Und da sie die Zürcher Ausgangsszene sehr gut kennen, werden sie die redaktionelle Arbeit übernehmen und entscheiden, welche Events auf Denkmal.org erscheinen.

Pharma- oder Finanzindustrie – ­welcher Industriezweig ist besser für das Nachtleben?

Schmutz: Die Pharmaindustrie hat in Basel viele Stiftungen hervorgebracht, die heute die Kulturlandschaft finanziell unterstützen. Dies fördert Veranstaltungen, die unkonventionell und durchdacht sind, da sie von Leuten organisiert werden, die tagelang überlegen können, wie sie einen geilen Abend auf die Beine stellen.

Kaiser: Dagegen glaube ich kaum, dass die Finanzindustrie direkt mit der Ausgangsszene in Berührung kommt – ausgenommen die Angestellten, die in den Clubs rund um die Bahnhofstrasse Dampf ablassen müssen.

Schmutz: Die Pharmaangestellten nimmt man in Basel ebenfalls kaum wahr. Sie leben in ihren Firmen abgeschirmt in einer Art Gated Community. Vereinzelt gibt es Expats, die sich ab und an in den Bars gegenüber dem Campus treffen, doch werden sie im Nachtleben nicht wahrgenommen.

Was denken zwei Basler über das Zürcher Nachtleben?

Kaiser: Als ich Ende 2018 nach Zürich gezogen bin, hat mich die Langstrasse extrem begeistert. Eine Strasse, in der so viele Clubs und Bars so kompakt nebeneinanderher leben und es auch einmal etwas lauter werden darf, das kennen wir in Basel nicht. Da sind die Konzertlokale und Clubs in den Quartieren verstreut. Das gibt dann öfters einmal Probleme mit den Nachbarn.

Schmutz: In Zürich gibt es zudem häufiger Grossevents mit weltbekannten Headliners. Dazu fehlen in Basel die Räumlichkeiten. Doch zum Glück ist eure Stadt mit dem Zug ganz gut zu erreichen.

Kaiser: Einzig die Fahrt zurück ist dann etwas mühsamer.

Und was haben die Basler, das den Zürchern fehlt?

Kaiser: Mich erstaunt, dass in Zürich praktisch überall bereits um zwei Uhr Feierabend ist.

Schmutz: Ist das wirklich so? Da gibt es in Basel viele Orte, die so lange geöffnet bleiben, wie es Besucher hat.

Kaiser: Zudem glaube ich, dass in Basel häufiger noch eine gute Bar zu finden ist, in der Livekonzerte stattfinden – also etwas Substanzielles, keine Bar-Band.

Auf eurer Website finden sich ­Ultrakurzbeschreibungen von Events und Locations. Beschreibt einem Banausen die ­Olé-Olé-Bar.

Schmutz: Voller Gegenstände. Ein Treffpunkt mittendrin. Oft überlaufen.

Kaiser: Après-Ski in der Stadt. Eng.

Und dieses Interview?

Kaiser: Etwas weniger anstrengend als erwartet.

Schmutz: Neun von zehn Punkten.

Die Zürich-Sektion von Denkmal.org ist ab dem 1. Mai online. Die Launch-Party findet am 9. Mai im ­Sender von GDS.fm statt.

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