Basel gegen Zürich – das Städteduell

Wer ist lustiger? Wer hat die blutigeren Legenden? Zum Besuch der Basler am Sechseläuten vergleichen wir die beiden Städte.

Wie die Städte beim Vergleich performen. (Video: Ryan Neukomm, Wibbitz)

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Nur etwas ist schlimmer als Feindschaft: Gleichgültigkeit. Diese Erfahrung machen Basler, die nach Zürich ziehen. Ihre Heimat hat sie im Glauben erzogen, dass es sich bei Zürchern um schlimme Menschen handelt, arrogant, vulgär, feindselig gegen Basel. Nach der Ankunft in der Stadt des Bösen merken sie: Niemand – ausser ein paar Fans der Fussballclubs – kümmert sich um Basel. Die Stadt im Norden ist den Zürchern schlicht egal. Sie messen sich lieber mit Grösserem, mit Berlin oder New York.

Solches Desinteresse ist nicht nett. Deshalb nutzen wir das diesjährige Zürcher Trachtenfest, bei dem die Stadt Basel als Gast auftritt, für einen umfassenden Städtevergleich.

Austausch. Im Jahr 2016 zogen 568 Personen aus Basel nach Zürich. 368 zügelten in die umgekehrte Richtung. So verliert Basel Jahr für Jahr etwa 200 Einwohner an Zürich. Derzeit wohnen gut 5200 Stadtbasler im Feindesland.

Bester Zürich-Witz aus Basel. Die Auswahl ist schwierig, es handelt sich um ein eigenes Genre. Zum Beispiel: Manfred ist gestorben. Im Himmel stellt er fest, dass es da eine Unmenge an Uhren gibt, jede mit einer anderen Zeit. «Wozu all die Uhren?», fragt er Petrus. Der sagt: «Jede Stadt hat eine Uhr. Wenn ein Depp geboren wird, springt der Zeiger um eine Minute vor!» – «Wo ist denn die Uhr von Zürich?» – «Die hängt in der Küche, wir nutzen sie als Ventilator!»

Bester Basel-Witz aus Zürich. Solche Witze existieren kaum.

Fussball. In Zürich gibt es zwei Vereine, die in der obersten Liga spielen; in Basel einen. Er kommt auf insgesamt 20 Meistertitel. Die zwei Zürcher Clubs haben zusammen 39-mal die Schweizer Meisterschaft gewonnen. Einer der erfolgreichsten FC-Basel-Trainer war übrigens Zürcher: Christian Gross.

Geld. Der Espresso kostet in Basel 18 Rappen mehr (4.45 zu 4.63 Franken), in Zürich kommt auch ein Mineralwasser in der Beiz günstiger – um 39 Rappen (4.32 zu 4.71 Franken). Das zahlt sich gleich doppelt aus, denn die Zürcher erhalten fast 1000 Franken mehr Lohn pro Monat (7608 Franken brutto). Der Trost für Basel: Das Billigland ennet der Grenze liegt nur eine Tramfahrt entfernt.

Innovation. In Basel wurde LSD erfunden, in Zürich das Bankgeheimnis.

Kanton. Stress mit dem bürgerlichen Kanton? Im rot-grünen Zürich gehört das zum politischen Alltag. Im rot-grünen Basel gibts keine solchen Konflikte: Die Stadt Basel ist auch ein Kanton.

Konsum. Im Telefonbuch findet man unter folgenden Gewerbekategorien folgende Anzahl von Einträgen. Oft spiegeln sie das Bevölkerungsverhältnis ziemlich genau – Basel hat 177'737 Einwohner, Zürich 415'682 (Stand 2016).

  • Auto: Zürich 995, Basel 512
  • Bar: Zürich 2221, Basel 945
  • Bio: Zürich 379, Basel 208
  • Buchhandlung: Zürich 75, Basel 40
  • CBD: Zürich 3, Basel 5
  • Coiffeur: Zürich 898, Basel 422
  • Einrichtung: Zürich 193, Basel 72
  • Kino: Zürich 70, Basel 28
  • Museum: Zürich 58, Basel 38
  • Mode: Zürich 916, Basel 335
  • Nailstudio: Zürich 155, Basel 63
  • Restaurant: Zürich 2099, Basel 806
  • Schreiner: Zürich 328, Basel 179
  • Sex: Zürich 135, Basel 42
  • Spa: Zürich 745, Basel 317
  • Theater: Zürich 142, Basel 59

Namen. Traditionelle Zürcher Geschlechter (willkürliche Auswahl): Kambli, Bluntschli, Breitinger, Landolt, Usteri, Lavater, Hirzel, Arter, Escher.

Traditionelle Basler Geschlechter: Bernoulli, Faesch, Merian, Lichtenhahn, Burckhardt, Sarasin, Vischer.

Partner. Man hält sich an die Grossmächte, China und USA. Zürich hat San Francisco und Kunming als Partnerstädte, Basel Miami Beach und Shanghai.

Prominente Einheimische. Zürich brachte Lavater und Pestalozzi hervor, Alfred Escher, Gottfried Keller, Max Frisch. Aus Basel stammen Jacob Burckhardt, Karl Barth und Bruno Manser.

See. Basel hat keinen. Dafür ist der Rhein breiter, und man kann darin durch die ganze Stadt schwimmen.

Sprache (1). Die PR-Büros beider Städte mögen englische Lockrufe. «Basel beats differently» und «Basel inspires» hiessen die Slogans in Basel. «Little Big City», «Zürich. World Class. Swiss Made» oder «Downtown Switzerland» in Zürich.

Sprache (2). Während die Zürcher ihr höchstes Haus als «Prime Tower» preisen, sind die Basler diskreter vorgegangen: Ihre zwei Rekordtürme heissen Bau I und Bau II, sie überragen den angeblichen Prime Tower (126 Meter) um 52 beziehungsweise 79 Meter (ab 2022). Prime war früher.

Sprache (3). Basler wie Zürcher finden den eigenen Dialekt toll – ein Urteil, das nicht so viele teilen. Laut einer Umfrage bewegen sich die zwei Dialekte in Sachen Beliebtheit im unteren Mittelfeld.

Sprache (4). Einige typische Züri­tüütsch-Wörter (willkürliche Auswahl): amigs, Bütschgi, Chatzesäicherli, cheibe, foiserle, Glöggliböög, iischneebele, moorgse, pfnuchse, täderle.

Typische Baseldytsch-Wörter: bepperle, Büggse, dangge, Fangyyse, Gläpper, Schugger, Goschdyym, Käpseliwasser, Läggerli, pfyyserle, Schuggerei.

Es könnte also schwierig werden mit der Verständigung zwischen den «Zoiftern» und ihren Gästen. Vielleicht sollten sie Englisch reden miteinander.

Stadtheilige. Zürichs Patrone, die Geschwister Felix und Regula, wurden von römischen Christenverfolgern an der Limmat geköpft. Darauf trugen Engel die zwei Toten den Berg hoch, diese hielten dabei ihre Köpfe unter den Armen.

Das Heldentum der Basler Stadtheiligen liegt darin, dass sie nichts taten. Das Kaiserpaar Kunigunde und Heinrich II., die in Basel begraben liegen, blieb kinderlos. Sie führten eine keusche «Josefsehe», später sprach man sie heilig.

Wir lernen: Die Zürcher übertrieben schon immer gern, während die Basler lieber auf Zurückhaltung setzten.

Störrischkeit.In Zürich räumten die Reformatoren 1524 alle Bilder aus den Kirchen. Die Basler kopierten den Bildersturm. Auch die 1980er-Krawalle begannen in Zürich, wieder zog Basel nach.

Velofreundlichkeit. Basel erlaubt Velofahrern, trotz Rotlicht rechts abzubiegen. In Zürich scheiterte dieses Vor­haben am bürgerlichen Kanton.

Wohnen. In Zürich entstanden 2016 fast 3000 neue Wohnungen. In Basel waren es mehr als fünfmal weniger. Trotzdem wird man dort leichter fündig. In Basel stehen 0,5 Prozent aller Wohnungen frei, in Zürich nur 0,2 Prozent.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2018, 08:03 Uhr

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Ja. Zumindest mit dem PanoramaKnife. Denn es gibt leider noch kein Basler Messer. Die kleine Thurgauer Firma arbeitet aber dran.

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