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Zürich hat ab sofort seinen Wimmelstreifen

Kati Rickenbach lebt ­bereits heute in der Stadt der Zukunft. Sie verdichtet Zürich in ihren Streifen maximal.

«Ich bin relativ schnell», sagt Kati Rickenbach über sich. Hier zeichnet sie ihr Zürcher Wimmelbild. Video: Samuel Schalch

Wie viel Zürich passen eigentlich auf 26'400 Quadratmillimeter? Das ist die Frage, die sich immer montags stellt, wenn Kati Rickenbachs Streifen auf dem «Bellevue» erscheint. Die Antwort: ziemlich viel.

Was Kati Rickenbach da macht, sind Wimmelbilder aus dem Alltag Zürichs. Aus der Welt oder besser aus dem Universum, in dem sich die 37-Jährige selber bewegt. Sie wohnt mit ihren Kindern in einer Genossenschaftswohnung, teilt sich mit 17 anderen das Strapazin-Atelier in der Nähe des Hardplatzes, fährt Elektrovelo, macht Ferien im Tessin. Und hat dabei immer die Augen offen, den Blick für die kleinen Geschichten, die den Alltag in einer Stadt ausmachen.

Zum Beispiel für diese: Kati Rickenbach ist ein bisschen im Schuss und macht eine Ausnahme. Sie zahlt ihren Salat im Self-Scanning und -Checkout. «Subito» nennt die Migros dieses System, in dem die Kundin die Arbeit der Kassierin gleich selber macht und so auch deren Job infrage stellt und sich dabei eigentlich fragen müsste, was Eva Grdjic dazu sagen würde, also dazu gesagt hätte . . .

«Ich bin immer wieder stille Zeugin», meint Rickenbach.
«Ich bin immer wieder stille Zeugin», meint Rickenbach.

Am Automat steht ein Geschäftsmann, Anzug und Krawatte, scannt seine Einkäufe, bezahlt mit der Kreditkarte, verstaut sein Portemonnaie in der Innentasche des Mantels und merkt: Er hat keinen Sack. Jetzt kommt der Moment, den Rickenbach so mag. «Der Mann überlegt, man sieht beinahe, wie er im Kopf mit seinem Gewissen ringt. Für 30 Rappen das ganze Prozedere nochmals?» Nein. Er klaut den Papiersack einfach.

Es sind solche Szenen, die Rickenbach in ihren Comics erzählt. Ihr Streifen «Züriversum» ist so typisch Zürich, dass er auf dem Bellevue keinesfalls fehlen darf. «Ich bin immer wieder stille Zeugin», meint Rickenbach. In ihrem Kopf würden aus solchen Erlebnissen automatisch Bilder, die sie dann nur noch auf Papier bringen müsse. Nur noch? «Ich bin relativ schnell», sagt sie und präzisiert: «Im Zeichnen.» Sie habe immer viel zu viel Text, das sei ihr grosses Problem. Manchmal setzt sie die Erlebnisse 1:1 um, manchmal abgewandelt, immer leicht überhöht und ironisiert.

Wir lieben sprunghaft

Kati Rickenbach hat ein eigenes kleines «Züriversum» in ihrer Tasche. Sie führt ein Comic-Tagebuch, durch das sie während des Gesprächs blättert. Man würde gerne ein bisschen länger darin verweilen – aber Rickenbach ist schon wieder einen Schritt weiter. Überhaupt ist sie ziemlich schnell und sprunghaft. Das macht ihre Gesellschaft sehr kurzweilig und lustig.

Wie sie da am grossen Tisch im Atelier von den gemeinsamen Mittagessen spricht, an denen sie ihre Ideen testet und manchmal zu neuen Geschichten findet. Wie sie im nächsten Moment von den Ferien auf Mallorca schwärmt (im Tagebuch war eine Strandszene, alle waren schampar bleich, sie malt eben da wie im richtigen Leben auch schwarz-weiss, Tusche auf Papier). Und von da mühelos den Bogen zu den Imperfektionen in einer an sich perfekten Stadt schlägt. Es sind grosse Kästen mitten auf dem «Velostreifen» über die Hardbrücke. Darin: Fahrpläne, angepinnt. «Vielleicht nur ein Provisorium?» Sicher Inspiration für ein Wimmelbild. Es wimmelt darin nur so von hinfallenden Velofahrern.

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