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Zürich zwischen Fisch und Vogel

Einen tausendseitigen Roman und das darauf basierende 12-stündige Theater in eine einzige Illustration packen – Thomas Hurter hat es gewagt.

«Ich versuche, das Anliegen des Kunden herauszuspüren», sagt Hurter.
«Ich versuche, das Anliegen des Kunden herauszuspüren», sagt Hurter.
PB

Am Anfang dieser Geschichte steht ein Roman. Geschrieben hat ihn Kurt Guggenheim – vor über 60 Jahren. Dass wir heute erneut über das Epos «Alles in Allem» sprechen, verdanken wir dem Theatermacher Peter Brunner. Er bringt derzeit die Geschichte – die vom städtischen Zürich-Leben zwischen 1900 und 1950 handelt – wieder auf die Bühne, als 12-stündiges Theaterwerk, auf 8 Spielorte in Zürich verteilt.

Der freischaffende Grafiker Thomas Hurter hat den Auftrag erhalten, diese Hommage an Zürich in einem Theaterplakat zu komprimieren: «Doch ziemlich ambitiös ein solches Vorhaben», sagt der 40-Jährige und blättert dann durch ein schwarzes Skizzenbuch. Wild durcheinander finden sich hier bunte Ornamente, Muster und Notizen.

Blickfang und Katharsis

Wenn Hurter sich mit einem Kunden für die Kreation einer grafischen Arbeit trifft, geht es ihm darum, zwischen dem Gesagten zu lesen: «Ich versuche das Anliegen des Kunden herauszuspüren», sagt er. «Katharsis» – dies ist der Begriff, der bei Hurter beim Gespräch mit dem Theatermacher hängen bleibt. So wolle dieses Werk nicht, dass die Zuschauer sich berieseln liessen, sondern, dass sie ein Teil davon würden, in das Stück hineinwüchsen, ja, durch dieses inspiriert würden. «Beim Erarbeiten der filigranen Details habe ich dann auch selbst eine Art Katharsis durchlebt», sagt Hurter.

Ihm wird schnell klar, dass seine Grafik kreisförmig sein wird, sein muss: Einerseits ist der Kreis optimal für ein Plakat, da er in der Weite gut erfassbar ist und es durch seine Ornamente auch aus der Nähe Elemente zu Entdecken gibt. Andererseits ist ein Kreis auch ein Symbol für den Weg, den die Zuschauer während der zwölf Stunden gehen – ein Eintreten in das grosse Ganze, ein Durchleben dieses tausendseitigen Epos «Alles in Allem».

Die Kreissegmente sind gefüllt mit Ornamentmustern, worin sich beim näheren Betrachten konkrete Elemente entdecken lassen. Bild: Thomas Hurter
Die Kreissegmente sind gefüllt mit Ornamentmustern, worin sich beim näheren Betrachten konkrete Elemente entdecken lassen. Bild: Thomas Hurter

Für Peter Brunner, der zwanzig Jahre lang das Sogar-Theater leitete, ist diese «Tour de Zürich» auch gleichzeitig die Vollendung seines Schaffens. Hurter nimmt dies in seiner Illustration zeichnerisch auf und räumt als Hommage der Kirche St. Peter prominent Platz ein. Die Kreissegmente sind gefüllt mit Ornamentmustern, worin sich beim näheren Betrachten konkrete Elemente entdecken lassen: Hier ist eine Gewitterwolke, die den donnernden Auftakt des Theaterstücks symbolisiert. Da Fisch und Vogel als Symbol für die Wandlungsfähigkeit von Schauspielerinnen und Schauspielern. Dominierend sind jedoch Muster und Andeutungen, die auf Zürich als Wasserstadt hinweisen: «Die Stadt und ihre Entwicklung stehen im Zentrum des Stücks», sagt Hurter.

Das Literaturtheater ist bereits ausverkauft. Es besteht einzig noch die Möglichkeit, als Hilfskraft einzelne Szenen mitzuerleben. Ob es eine Zweitauflage geben wird, ist derzeit noch offen, wie Peter Brunner angibt. Was uns bleibt, ist, uns in das Theaterplakat zu vertiefen.

Weitere Informationen: alles-in-allem-zuerich.ch

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