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Zürichs exklusivste Wohnlage

Auf dem Grat des Uetlibergs wird eines von fünf Chalets mit fantastischem Blick über die Stadt neu interpretiert.

Dürfte es eigentlich gar nicht geben: Die fünf Chalets am Grat des Uetlibergs.
Dürfte es eigentlich gar nicht geben: Die fünf Chalets am Grat des Uetlibergs.
Reto Oeschger
Gebaut wurden diese Häuschen einst für Ordensschwestern.
Gebaut wurden diese Häuschen einst für Ordensschwestern.
Reto Oeschger
Der Neubau aus der Ferne.
Der Neubau aus der Ferne.
Reto Oeschger
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Gegen diese spektakuläre Wohnlage fallen selbst die Luxusappartements zuoberst in den neuen Zürcher Wohntürmen ziemlich flach aus. Der Blick fliegt durchs Fenster und verliert sofort jeden Bodenkontakt. Er streift noch ein paar Baumwipfel, dann ist da nur noch Himmel – und weit unten die Stadt. 400 Meter tiefer liegt sie, ausgebreitet wie ein Miniaturmodell. Wer so wohnt, braucht keinen Fernseher. Der schaut einfach nur in die Ferne, stundenlang, bis sich die Nacht übers Land senkt. Es ist eine romantische Vorstellung, sprich: eine falsche. Denn natürlich läuft auch hier oben der Fernseher. «Irgendwann wird alles normal», sagt ein Bewohner.

Die fünf Holzhäuschen, die sich an den Grat des Uetlibergs schmiegen, dürfte es im Prinzip gar nicht geben. Zumindest nach heutigen Massstäben nicht, denn sie befinden sich weit ausserhalb jeder Bauzone in einem Schutzgebiet. Aber als sie vor fast 130 Jahren gebaut wurden, als Erholungsort für die Ordensschwestern des Krankenheims Neumünster, galten noch andere Gesetze.

Kompliziert wird es, wenn eines der Häuser durch einen Neubau ersetzt werden soll. Wie derzeit der Fall. Ursprünglich war geplant, das Chalet durch einen kühnen Entwurf zu ersetzen. Eine Kiste, die an die Villa Malaparte erinnert, einen modernistischen Bau aus den 40er-Jahren, der auf Capri über dem Meer thront (übrigens ebenfalls ausserhalb der Bauzone, was nur dank Kontakten zur Familie Mussolini möglich war). Die Zürcher Baudirektion aber winkte ab. Offiziell, weil Ersatzbauten ausserhalb der Bauzone wesengleich sein müssen. Inoffiziell, weil man befürchtete, eine Wandergruppe könnte die Bewohner an dieser sensiblen Lage auf der Dachterrasse beim Cüplitrinken sehen und dies als naturwidrig empfinden.

Kurz darauf war es um den sakrosankten Altbau aber doch geschehen: Er ging in Flammen auf, Unbekannte hatten das Feuer vorsätzlich oder fahrlässig entfacht. Sieben Jahre später entsteht nun eine Art Kompromiss, wie Architekt Ernst Hubeli ausführt: Gegen aussen sieht der Neubau aus wie ein Häuschen aus Zeiten der Ordensschwestern, innen greift er die moderne Idee auf – mit einem riesigen Fenster zur Stadt hin, das die «bedrohliche Dramaturgie einer voralpinen Situation» in Szene setzt.

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Trotz dieser Zelebrierung der Natur wird dem Neubau im Vergleich mit den alten Holzhäuschen etwas fehlen: das Gefühl, dieser ausgesetzt zu sein, wenn die Bise durch die schlecht isolierten Wände pfeift. Der Zürcher Bernd Fasching hauste zehn Jahre lang im früheren Koch- und Aufenthaltshaus der Chaletsiedlung. Als einer von wenigen, die nicht nur ferienhalber hochkamen. «Dort herrscht ein ganz anderer Sound als in der Stadt», schwärmt er. Wenn eine Sturmwarnung ausgegangen ist und das Haus zu knarren beginnt. Wenn die Tiere ums Haus schleichen. Oder wenn sich eine Nebeldecke über Zürich legt und alles Leben verschluckt. «Dann hört man plötzlich gar nichts mehr, kein Geräusch dringt mehr hoch.» Um sich zu versichern, dass die Stadt noch da ist, muss man dann hinüber zur Bahnstation gehen – und taucht keine halbe Stunde später mitten im Gewusel des Hauptbahnhofs wieder auf.

GPS-Koordinaten: 47.353402, 8.489650

Diese Zürcher Häusergeschichte ist eine von vielen, die im Rahmen der TA-Kolumne «Bauzone» bereits erschienen sind. Alle zwei Wochen kommt eine dazu. Eine vollständige Übersicht mit allen Texten finden Sie hier auf der interaktiven Karte.

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