Zürichs weibliche Seite

Den Tag der Frau feiern wir mit einem Stadtrundgang: 13 Orte, an denen Frauen ihre Spuren hinterlassen haben.

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1. Die Demostrickende

Der Rundgang beginnt mit dicken Nadeln und pinkfarbener Wolle: Anstricken gegen ein Gestrick aus Lügen – dies die Idee hinter der pinkfarbenen Wollmütze. Ihren ersten Auftritt hatten die Pussy-Hats an den weltweiten Frauenmärschen, die auf Trumps Einsetzung folgten. Den Protest mit Gelismetem als ironisches Zitat für die Waffe der Frau gab es schon in den 1970er-Jahren während der Emanzipationsbewegung. Wer gleich gestrickt ist, kann sein Mützchen heute ab 18 Uhr in der Frauenstrickbar lismen. Birmensdorferstrasse 67

Der Rundgang im Überblick. Klicken Sie hier für eine grössere Ansicht.

2. Die Namensgeberin

Weiter geht es zu Ida, Marta und Berta – den Namensgeberinnen für die Strassen, die im 19. Jahrhundert in Wiedikon neu gebaut wurden. Laut Zürcher Stadtarchiv waren die Frauennamen der Versuch, ein Gegengewicht zum Industriequartier mit den Männernamen zu bilden. Sie bleiben eine Minderheit: Von den 447 Strassen, nach Prominenten benannt, tragen nur 54 weibliche Namen. Idaplatz

3. Die Literatin

Ihre Worte scharf wie ein zweischneidiges Schwert, das Schreiben ihr Lebenselixier im Kampf gegen Depressionen: Die Schriftstellerin Nanny von Escher – meist nur «das Fräulein» genannt – ruht versteckt in der Ecke des Familien­grabes. Auf dem Friedhof Sihlfeld ist sie nicht allein: Hier sind auch Marie Heim-Vögtlin, die erste Ärztin der Schweiz, und Susanna Orelli Rinderknecht, ­Gründerin des Frauenvereins Zürich, begraben. Friedhof Sihlfeld

4. Die Unbezwingliche

Anny Klawa-Morf – die einstige Fabrikarbeiterin war überzeugte Sozialistin und setzte sich für die Rechte der Arbeiterinnen ein. Ihre Augen sollen bis ins hohe Alter gefunkelt haben. 2009 wurde ein Platz nach ihr benannt. Anny-Klawa-Platz

5. Die Aktivistin

Als Frau muss man hoch einsteigen – das dachten sich auch die Protagonistinnen von aktivistin.ch. Immer wieder machen sie mit Aktionen auf Frauenanliegen aufmerksam. Etwa mit dem riesigen Transparent «Gott ist eine Frau», das vor einem Jahr das Grossmünster zierte. Oder mit rot gefärbten Brunnen als Symbol für den weiblichen Zyklus. Helvetiaplatz

6. Die Stimmende

Die Schweiz kennt das Frauenstimmrecht erst seit 1971. Damit das niemand vergisst, zeigt das Landesmuseum eine Ausstellung – dauerhaft. Zur Einstimmung empfiehlt sich der Film «Die ­göttliche Ordnung», der ab heute im Kino zu sehen ist. Museumstrasse 2

7. Die Übermächtige

Im Kreis 7 dominieren die Frauen: Mit 53,3 Prozent machen sie die Mehrheit aus. Dies liege daran, dass in diesem Kreis viele alte Personen leben und Frauen älter werden, sagt die Statistik der Stadt Zürich. So erstaunt es auch nicht, dass die ältesten Personen in der Stadt zwei Frauen sind: Beide sind 108 Jahre alt. Kreis 7

8. Die Künstlerin

Die Zürcherin Anna Waser (1678–1714) gilt als erste namentlich bekannte Ma­lerin der Schweiz. Ein Abstecher ins Kunsthaus lohnt sich: Hier sind Wasers Werke und jene anderer Malerinnen ausgestellt. Heimplatz 1

9. Die Verscheuchte

Im Café Select am Limmatquai, das 1935 eröffnet wurde, traf sich die Avantgarde. Darunter die jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler, die aus Deutschland in ihre «Lieblingsstadt» flüchtete, nicht bleiben durfte und nach Jerusalem auswanderte. Das Café gibt es nicht mehr, aber sehr wohl das Gedicht «Die Verscheuchte» – Lasker-Schülers Erinnerung an ihre Zeit im Zürcher Exil. Limmatquai 16

10. Die Notdürftige


Das Bürkliplatz-WC war die erste öffentliche Toilette für Frauen in der Stadt. Bevor das Riegelhäuschen 1893 eröffnet wurde (dreizehn Jahre nach dem ersten Pissoir), gab es Opposition: Vorgeschoben wurden ästhetische Bedenken – wahrscheinlicher ist, dass man die Frau nicht im öffentlichen Raum haben wollte. Widerstand zwecklos. Bei der Eröffnung verrichteten die Benutzerinnen eine Gebühr von zehn Rappen – heute rund zwei Franken. Die Männer uri­nierten weiterhin gratis. Bürkliplatz

11. Die Schwimmende

Das «Schaufenster von Zürich» verhunzen würde es, dieses Frauenbad. So sagten es Zürcher Stadträte vor der Eröffnung im August 1888. Die Einzelbäder waren für die wohlhabenden Zürichberg-Damen reserviert, während die Dienstbotinnen und Kinder im grossen Becken planschten. Stadthausquai 13

12. Die Unternehmerin

Die Bahnhofstrasse war von ihrem heutigen Glanz noch weit entfernt, als Franziska Dosenbach 1880 ihr Schuhgeschäft eröffnete. Tochter Johanna führte den Laden. Es war ein ungewohnter Anblick, wie hier Schuhe ab Produktion und nicht wie beim Schuhmacher nach Mass angeboten wurden. Die «Finken-Fränzi», wie man Dosenbach gerne nannte, war die geborene Geschäftsfrau und frühe Unternehmerin: Sie hatte ein gutes Gespür für die Wirtschaftslage und die Nachfrage nach solchen preiswerteren Schuhen. Rennweg 5813

13. Die Arbeitende

Wir beenden unseren Rundgang da, wo für Sie der nächste beginnen könnte: Beim Arbeiterdenkmal treffen sich heute um 17 Uhr alle diejenigen zum Frauenstadtrundgang, die mehr über die Arbeiterinnen in Aussersihl erfahren möchten. Werdplatz

Was der Tag der Frau für TA-Redaktorinnen bedeutet.

Erstellt: 07.03.2017, 20:41 Uhr

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