Über Umwege und mit Selbsteinsicht

Der Zürcher Eric Fongué spielt seit acht Wochen an einem US-College Basketball.

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Von Deborah Bucher

Der Verdruss war gross, und viel hat Eric Fongué in Zürich sowieso nicht mehr gehalten. Alles schien ihm zu eng, eine Weiterentwicklung unmöglich. Also ergriff er im Sommer 2009 die Chance, obwohl es eine halbbatzige und seine Begeisterung entsprechend halbherzig war. «Bereits als Zwölfjähriger habe ich mir eine Profikarriere in den USA in den Kopf gesetzt», betont er. Der Wechsel an eine von einem Amerikaner betriebene kommerzielle Basketballakademie auf Gran Canaria war deshalb ein Kompromiss oder &endash in Fongués Überzeugung &endash «nur Durchgangsstation».

Acht Stunden täglich trainierte er auf den Kanarischen Inseln. Zwölf Monate später wurde der 18-jährige Fachmittelschüler aus Dietikon heimgeschickt. Er genüge den Ansprüchen nicht, lautete die niederschmetternde Antwort auf die Frage, warum für ihn kein Collegeplatz gesucht worden sei. «Plötzlich war mein Frust noch grösser», musste Fongué bei einer Auslegeordnung konstatieren.

Zurück zum unbequemen Start

Diesmal ergriff der U-20-Nationalspieler mit zwei EM-Teilnahmen den Rettungsanker und erhoffte sich die Wende in Niedersachsen. Bei Göttingen erhielt er Spielpraxis im regionalen 1.-Liga-Team, allerdings keinen Profivertrag. Dieser hätte ihm bei den rigorosen Auflagen die Zukunft an einer US-Universität ohnehin verbaut. Nach wenigen Wochen brach Fongué im letztjährigen Oktober das Projekt ab. «Es war nicht der richtige Ort für mich», fand er. Die Trainings seien zu wenig intensiv und nicht auf seine Fähigkeiten zugeschnitten gewesen.

Der Flügelspieler klopfte bei seinem früheren Klub, den GC Wildcats, an. Dabei erinnerte er sich an Spannungen bei der Zusammenarbeit mit Trainer Riet Lareida, schrieb diese aber seiner damals aufmüpfigen Art zu. Selbstkritisch räumt er ein. «Ich habe mich nicht verstanden gefühlt und die Fehler bei allen anderen gesucht.» Er wolle auch nichts beschönigen, denn als Sündenbock für seine spärlichen Einsätze hätte der Coach herhalten müssen. Darum berichtet Lareida, dass sich Fongué bei seiner Rückkehr im Herbst 2010 «in ganz neuer bescheidener Art für die Reserven in der 1. Liga anerboten hat». Schnell beförderte er ihn in das NLA-Team, denn dem Trainer fiel auf, dass die Erfahrungen im Ausland seinen Spieler läutern konnten. «Seine Persönlichkeit ist reifer geworden, und er hat die richtige Einstellung zum Spitzensport gewonnen», bestätigt Lareida. Auf dem Feld hatte der 1,98-m-Hüne seinen technischen Rückstand und sein limitiertes Spielverständnis wettgemacht. «In athletischer Sicht war er eines der grössten Talente, das je in Zürich trainiert hat. Seine Sprungkraft ist imposant, er gilt als solider Werfer.»Diese Einschätzung Lareidas rechtfertigt Fongués Sprung an die Western Washington University, den er vor acht Wochen doch noch geschafft hat. Ein entfernter Verwandter seiner Mutter hatte ihm im Juni ein Sichtungstraining vermittelt. Der 20-Jährige reiste damals ein erstes Mal nach Bellingham, das etwa 1 Autostunde von Seattle entfernt liegt. Nach 20 Minuten hatte er den Teamcoach überzeugt und ein Stipendium in Aussicht. «Der folgende Papierkram kostete mehr Zeit und Energie», sagt Fongué nüchtern. Seine unbeirrte Absicht und sein Durchsetzungsvermögen hätten ihm geholfen, seinen Weg in die USA zu ebnen. «Oder vielleicht spielte auch ein bisschen Naivität mit. Denn wäre ich Realist, hätte ich längst aufgegeben.»

Mit Verzögerungen zu rechnen

Seine ersten Eindrücke sind positiv, das Vorhaben ist auf mindestens acht Semester ausgelegt. Als Erstjahrstudent, als sogenannter Freshman, belegt er pro Woche 12 Lektionen in Allgemeinbildung. Später möchte er eine Spezialisierung in Bewegungswissenschaften einschlagen. «Das Schulsystem unterscheidet sich kaum vom schweizerischen. Mit dem schnelleren Spiel machte ich mich schon auf Gran Canaria vertraut, und ich kann mich hier täglich verbessern», erzählt er. Der Zürcher schätzt die Offenheit der Leute. Dafür entwickelte er eine Abneigung gegen den Fastfood und vermisst die Kartoffelgerichte seiner Mutter.

Fongué trainiert im Wikinger-Team, das in der 2. Conference-Divison die College-Meisterschaft bestreitet. Die Saison trug der Equipe in den ersten zwölf Tagen vier Siege aus fünf Spielen, dem Schweizer allerdings noch keine Einsatzminute ein. Die Abklärungen laufen, aber als Transferstudent dürfte er in seiner ersten Saison ohne Lizenz bleiben. «Ich bin mir lange Anlaufzeiten gewöhnt. Vorläufig dränge ich mich eben im Training auf.» Fongué sagt auch noch, dass er gross sei &endash längst nicht mehr der Frust, sondern sein Optimismus.

«Ich habe mich früher nie verstanden gefühlt und suchte die Fehler bei allen anderen. »

Eric Fongué

Bildlegende. Foto: PD

Bei den GC Wildcats setzte sich Eric Fongué im zweiten Anlauf durch. Foto: Srdjan Petkovic

Erstellt: 16.11.2011, 06:20 Uhr

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