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Berauscht vom Fussabdruck der Sterne

Der US-Fotokünstler Stan Gaz hat Meteoritenkrater auf der Erde fotografiert. Unter abenteuerlichen Bedingungen sind Aufnahmen entstanden, die eher an den Mond gemahnen. Nun hat er sie im Bildband «Sites of Impact» veröffentlicht.

Wenn Sie sich Stan Gaz’ Bildband anschauen, sollten Sie sich parallel dazu unbedingt etwas Gutes tun - eine heisse Tasse Tee oder Schokolade wäre nicht schlecht. Denn die Fotografien haben Durchschlagskraft, und man fragt sich beim Betrachten instinktiv, wie es wohl herausgekommen wäre, wenn man beim Einschlag unter dem Meteoriten gestanden hätte.

Nach ihrer Entstehung war die Erde für einige Hundert Millionen Jahre einem Hagel von Gesteinsbrocken aus dem Sonnensystem ausgesetzt. Rund 100 Meteoritenkrater sind so entstanden, mit einem Durchmesser von bis zu 200 Kilometern und einer Tiefe von mehr als 100 Metern. Der Fotograf Stan Gaz hat zehn spektakuläre Krater aus der Luft fotografiert - in den USA, in Kanada, Australien und Afrika. Da sie zumeist in unbesiedelten, wüstenartigen Gegenden liegen, wirken die Krater und ihre Umgebung wie Mondlandschaften - Szenerien, die man hier auf der Erde nicht erwartet. Die Bilder muten unwirklich an - und sind von einer grandiosen Trostlosigkeit, weil sie ästhetisch sind, aber das Ergebnis einer Zerstörung zeigen.

Gaz hat seine Bilder unter teilweise abenteuerlichen Umständen gemacht. Meistens war er mit Helikoptern oder kleinen Flugzeugen unterwegs, die mehr schlecht als recht funktionierten. Als er den Meteorkrater in der Wüste von Arizona fotografierte, flog ihn ein Vietnam-Veteran. Die Maschine fiel aus, der Pilot machte die Augen zu und betete ein Vaterunser. Gaz schrie: «Wir stürzen ab!», worauf der Pilot wieder aufwachte und die Maschine zum Laufen brachte. Gaz machte dann erst mal eine Pause mit Fotografieren.

Manchmal waren die Unannehmlichkeiten auch politisch bedingt - der Krater Roter Kamm in Namibia liegt mitten im Diamantengebiet, und nicht nur die Minen werden wie ein Hochsicherheitstrakt bewacht, sondern auch der Luftraum darüber. Man musste höher als 3000 Meter fliegen - wegen der Fotos immer mit offener Tür -, es war kalt, windig, und Gaz bekam kaum noch Luft in diesen luftigen Höhen.

Aber seine Faszination für Gesteine und ihre Kraft ist so gross wie die Krater selber - der Vater war Geologe und nahm den kleinen Stan mit auf seine Touren, auf Expeditionen in die Mojave-Wüste beispielsweise. Als Gaz dort dann später zum ersten Mal am Rand des Meteorkraters stand, sei er «berauscht» gewesen von seiner Wucht und Schönheit, vom «Fussabdruck der Sterne», wie er es im Buch formuliert. Ein ungeheurer Meteorit ging in der Mojave-Wüste vor 50 000 Jahren zu Boden - mit einer enormen Explosion, die vergleichbar ist mit der Kraft von 20 Atombomben. Elf Millionen Tonnen Erdreich wurden damals verdrängt.

Auch heute noch gehen über der Erde täglich Meteoriten mit einer Gesamtmasse von rund 40 Tonnen nieder. Die meisten davon sind allerdings kaum grösser als Kieselsteine. Warum die so klein sind? Weil die ganz grossen Meteoriten von Jupiter angezogen werden. Stan Gaz: Sites of Impact. Princeton Architectural Press, New York 2009. 145 S., ca. 77 Fr. Der Krater Grosses Bluff in Australien - sein Durchmesser entspricht der Luftlinie Zürich-Winterthur. Foto: Stan Gaz

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