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Betrüger muss seine Villa räumen

Seit Jahren wohnt in Hombrechtikon ein Mann mit seiner Familie in einer Villa, die er mit gestohlenen nordkoreanischen Staatsgeldern gekauft hat. Jetzt aber helfen ihm alle juristischen Tricks nichts mehr.

Von Marius Huber Hombrechtikon – Minus mal minus gibt plus: Diese eingängige mathematische Formel gilt nicht für alle Lebensbereiche. Wenn ein Schurke einen Schurkenstaat betrügt, wird er deswegen nicht zum Helden, sondern strafrechtlich verfolgt. Zumindest in der Schweiz. Aus eigener Anschauung weiss dies ein 72-jähriger Deutscher, der mit seiner Familie in Hombrechtikon haust – in einer Villa, die er mit veruntreuten nordkoreanischen Staatsgeldern gekauft hat. Der Kanton Zürich bemüht sich seit bald 5 Jahren darum, dem Staat Nordkorea jene 1,3 Millionen Franken zurückzubezahlen, die der verurteilte Betrüger Ende der Neunzigerjahre von einem Botschaftsangestellten erschwindelte. Bislang vergeblich. Doch jetzt, nach langem juristischem Tauziehen, dürfen Kim Jong-ils Vertreter in Bern damit rechnen, das Geld zurückzubekommen. Der betrügerische Geschäftsmann und seine Familie müssen nämlich bald ihre Villa räumen, damit der Kanton diese versteigern und mit dem Erlös Nordkorea entschädigen kann. Die Familie muss also genau das tun, wogegen sie sich jahrelang mit allen juristischen Mitteln gewehrt hat. Bundesgericht gab Ausschlag Der Grund dafür, dass Bewegung in die Angelegenheit kommt, ist ein gestern publik gewordener Entscheid des Bundesgerichts. Dieses setzt der Verzögerungstaktik des Deutschen ein Ende, indem es einem noch hängigen Rekurs jede aufschiebende Wirkung abspricht. Der Mann hatte auf einen juristischen Trick gesetzt, um das Haus und damit das Geld trotz eines rechtskräftigen Urteils gegen ihn nicht herausrücken zu müssen. Als er für 27 Monate ins Gefängnis musste, mieteten kurzerhand seine Frau und sein Sohn die Villa – und zwar von seiner Firma, mit der er das Haus 1999 gekauft hatte. Die beiden stellten sich fortan auf den Standpunkt, sie hätten nicht gewusst, dass die Villa mit gestohlenem Geld erworben worden sei, sondern in gutem Glauben gehandelt. Deshalb sei der Mietvertrag gültig, genössen sie also Mieterschutz und könnten nicht ausgewiesen werden. Dass die Frau und der Sohn beide im Verwaltungsrat der Firma sassen und ihre Version der Geschichte daher wenig glaubwürdig schien, spielte fürs Erste keine Rolle: Sie konnten tatsächlich weiter in der Villa wohnen bleiben, während sich die Juristen mit dem Fall befassten. Und nicht nur sie: Auch der Betrüger selbst ging nach seiner Entlassung bald wieder ein und aus in Hombrechtikon. Jedes Mal, wenn ein Gericht gegen die Familie entschied und ihre Ausweisung beschloss, zog diese den Fall an die nächste Instanz weiter und verhinderte so den Besuch der Polizei. Diesmal ist es keine Finte Das hat bis jetzt funktioniert. Nun aber gibt sich die Familie offenbar geschlagen. Die drei hätten zugesagt, die Villa innert kurzer Frist freiwillig zu räumen, sagt der Anwalt des Kantons. Es sei beiden Konfliktparteien daran gelegen, eine gewaltsame Ausweisung zu vermeiden. Eine solche wäre dank dem Entscheid des Bundesgerichts nun möglich. Angst, von der Familie erneut an der Nase herumgeführt zu werden, hat man beim Kanton diesmal nicht. Sollten die Schlüssel am vereinbarten Termin nicht übergeben sein, werde die Polizei sich der Sache annehmen.

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