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Bilderraub in Zürcher Vorortsvillen

Unbekannte haben in Rüschlikon, Zollikon und Kilchberg drei wertvolle Bilder gestohlen. Die Diebe wussten genau, wo sie suchen mussten.

Zürich - Bei den drei Werken handelt es sich um «Jesus» von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) oder dem Jüngeren (1515-1586), «Maria-Darstellung mit Engeln» von Cignaroli Giambettino (1706-1770) und «Anbetung der Hirten» von Bozzo di Gaspero, einem unbekannten Künstler, vermutlich aus dem Mittelalter. Die Diebstähle ereigneten sich in den Monaten Oktober und November. Betroffen waren ein Einfamilienhaus in Rüschlikon, eine Villa in Zollikon und eine Wohnung in Kilchberg. Die Kantonspolizei hat jetzt auf ihrer Homepage Fotos der drei Bilder veröffentlicht.

Laut Kapo-Sprecherin Silvia Mülli geht die Polizei davon aus, dass es sich um spezialisierte Kunstdiebe handelt: «Die Täter sind gezielt vorgegangen. Sie haben vermutlich gewusst, dass in den zwei Villen und der Wohnung diese wertvollen Bilder hängen.» Die Diebe hätten noch weitere Bilder sowie Schmuck und Antiquitäten aus den Liegenschaften gestohlen. Dass die anderen gestohlenen Bilder nicht im Internet veröffentlicht wurden, hänge mit der schlechten Bildqualität der Fotos zusammen. Bei den drei veröffentlichten Bildern handelt es sich aber um die wertvollsten. Der Gesamtwert der Beute ist noch nicht bekannt. Wie die Werke abtransportiert wurden, ist ebenfalls unklar.

Werke aus der Malerwerkstatt

Werke von Lucas Cranach können an Auktionen Preise in Millionenhöhe erzielen - sofern sie wirklich eigenhändig gemalt wurden. Vater und Sohn führten eine Malwerkstatt, in der Lehrlinge und Gesellen nach den Vorbildern der Meister malten. Bei Werken aus ihrer Schule würden die Preise an Auktionen zwischen einigen Zehntausend und mehreren Hunderttausend Franken erreichen. In dieser Preislage vermuten Kunstexperten auch den Wert des gestohlenen Giambettino-Bildes. Der Wert dritten Bildes von Bozzo di Gaspero wird von der Kantonspolizei mit 20 000 Franken beziffert.

Verkauf unter der Hand

An Auktionen und in seriösen Kunsthandlungen können die gestohlenen Bilder nicht verkauft werden - sofern sie dem sogenannten Art-Loss-Register gemeldet wurden. Dieses Register mit Hauptsitz in London ist die weltweit grösste Datenbank verlorener und gestohlener Kunstwerke. Es wurde 1991 in Zusammenarbeit zwischen Auktionshäusern, Kunsthandel und Versicherungen gegründet. Fachleute vermuten, dass die Bilder unter der Hand verkauft werden. Das Interesse für alte Meister ist gross, nicht zuletzt seit der Öffnung des europäischen Marktes.

So wurden beispielsweise im letzten Jahr im Kanton Zürich am 14. und 15. Februar 2008 in zwei Wohnungen und einem Einfamilienhaus in Zürich und Kilchberg rund zwei Dutzend alte Bilder gestohlen. Auch hier, so Silvia Mülli von der Kantonspolizei, seien noch keine Hinweise bezüglich der Täter eingegangen; die Polizei vermutet ebenfalls fachkundige Täter, die gezielt vorgegangen waren. Dass es sich bei den Diebstählen um mögliche Versicherungsbetrügereien handeln könnte, wird ausgeschlossen, da es sich um Diebstahlserien gehandelt hat. Stefan Hohler Die Abbildungen der Werke sind unter www.kapo.zh.ch im Bereich «Fahndungen» zu finden. Gestohlen: «Jesus» von Lucas Cranach dem Älteren oder dem Jüngeren. Foto: PD

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