Blau blau blau blüht die FDP

Die kantonale FDP hat sich heute zum Wahlkampfauftakt auf einen Spaziergang getroffen. Kurze Sätze und die Farbe Blau dominierten.

Zum Auftakt für den Wahlkampf besinnt sich die FDP des Kantons Zürich auf das Wesentliche: Blau.

Zum Auftakt für den Wahlkampf besinnt sich die FDP des Kantons Zürich auf das Wesentliche: Blau. Bild: Samuel Schalch

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Himmel blau, Kappen blau, perfekter FDP-Tag! Rund 300 FDP-Mitglieder des Kantons Zürich versammeln sich Ton in Ton am Samstagvormittag am Hechtplatz beim Limmatquai. Sie wirken unter dem Schild «Zürcher Märchenbühne Froschkönig» des ansässigen Theaters wie Märchenfiguren und erinnern mit den blauen Schals und Mützen an eine Schlumpfparade für Erwachsene. «Chefzwerg!», begrüsst einer den Regierungsratskandidaten Thomas Vogel und klopft ihm auf die Schulter.

Mit dem Spaziergang über die Münsterbrücke zum Bürkliplatz will die kantonale FDP den «Startschuss» für die Wahlen am 24. März setzen. Eine Sirene heult auf, Parteipräsident Hans-Jakob Boesch greift zum Lautsprecher. Und ist dann kaum zu hören. Als seine Stimme endlich durchdringt, geht es darum, dass die FDP nicht zum Sechseläutenplatz spazieren durfte, sondern auf den Bürkliplatz ausweichen musste. «Aber die 1.-Mai-Kundgebung dort ist erlaubt!», sagt Boesch. Das Schicksal des Freisinns in der rot-grünen Stadt: nur die Linken seien toleriert. «Wir wollen so viele Freisinnige wie möglich in den Kantonsrat bringen! Wir wollen den Kanton Zürich voranbringen! Wir machen Zürich.»


Als wärs eine Schlumpfparade für Erwachsene: FDP-Mitglieder auf dem Hechtplatz. Foto: Samuel Schalch

«Meh Blau» und ein roter Ferrari

«Wir machen Zürich» ist der Wahlslogan, den die FDP während des Spaziergangs immer wieder skandiert. Startpunkt ist «auf der Strasse rechts», sagt ein Organisator, die Polizei geht voraus. An der Spitze marschiert die FDP-Prominenz um Nationalrätin Doris Fiala, Regierungsrätin Carmen Walker Späh und Stadtrat Filippo Leutenegger. Ihnen allen fehlt die blaue Kappe – zu bekannt, um ein Schlumpf zu sein? Vorne rufen die Mitglieder laut «FDP! FDP! Meh Blau für Züri!», in den hinteren Reihen bewegen Vereinzelte nur noch stumm ihre Lippen. Die wenigen Passanten schauen verwundert auf den FDP-Tross, der Marroniverkäufer skandiert mit, eine Mutter mit Kind sagt zum Vater: «De Mauro isch da sicher au debi!» Worauf dieser antwortet: «Kaum. Das ist die FDP.»

Thomas Vogel erklärt, dass dieser Spaziergang ein interner Anlass sei, gerichtet an die eigenen Leute, um sie für die kommende Arbeit zu mobilisieren. Die meisten Anwesenden haben dies verstanden: Die Frauen und Männer mit den blauen Kappen machen immer wieder Selfies und lassen sich mit dem Regierungsratskandidaten fotografieren. Für Pressebilder stoppt der Zug am Ende der Münsterbrücke neben einem parkierten roten Ferrari. «Ist der auch drauf?», feixt einer.

Viel warme Luft

Die Reden auf dem Bürkliplatz ein paar Minuten später markieren, dass es jetzt «um den Inhalt» gehe, wie einer der Organisatoren in die Menge ruft. Die Teilnehmer haben sich im Halbkreis um einen Heissluftballon gruppiert, der mit Seilen an zwei Landrovern befestigt ist und viel warme Luft ausstösst. Der Ballon, der Bewegung und Aufbruch symbolisieren soll, bleibt am Boden. Sobald die Veranstaltung vorbei ist, wird er abgebaut.


Der vielgerufene Slogan: «Wir machen Zürich». Foto: Samuel Schalch

In den Voten dominieren einfache, kurze Sätze. Walker Späh hebt an: «Wir sind Wirtschaft! Wir sind Wirtschaft! Warum sind wir Wirtschaft?» Weil die FDP Arbeitsplätze schaffe und Regulierungen abbaue. Sie rolle den Unternehmen den roten Teppich aus. Boesch ergänzt: «Wir machen auch Wohnen!» Weil die FDP sich für schnelles und günstiges Wohnen einsetze und Bauprozesse weniger bürokratisch mache.

Als Letzter greift Vogel zum megagrossen Megaphon und setzt dreimal an. «Liebi ...», ist nur ganz leise zu hören, dann nichts mehr. Im Hintergrund rauschen die Autos, rattert das Tram, dröhnt der Heissluftballon und plätschert das Wasser im Brunnen. Vogel nimmt es gelassen. Mit dem kleineren Megaphon klappt es schliesslich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2019, 16:06 Uhr

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