Rentnerin mit acht Hunden im Auto erwischt

Eine 76-Jährige musste lernen: Wer Hunde im Fahrzeug nicht richtig fixiert, macht sich strafbar.

Wer Hunde im Auto mitfahren lässt, muss diese laut Strassenverkehrsgesetz wie eine «Ladung» behandeln. Foto: Getty Images, Westend61

Wer Hunde im Auto mitfahren lässt, muss diese laut Strassenverkehrsgesetz wie eine «Ladung» behandeln. Foto: Getty Images, Westend61

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die 76-jährige Frau war mit einer Freundin auf dem Rückweg von Eglisau ZH nach Hause, als sie in Kloten in eine Verkehrskontrolle geriet. Noch während die Rentnerin im Begriff war anzuhalten, glaubte die Polizistin zu sehen, dass auf dem Schoss der Frau ein kleiner Hund sass. Ein zweiter Hund sass in der Lücke zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, dort, wo andere Fahrzeuge eine Mittelkonsole haben.

Ein dritter Hund sprang nach vorne, während jener Hund, der gerade noch auf dem Schoss der Frau gesessen hatte, von dieser nun in den Fussraum unter dem Lenkrad platziert wurde. Mit den drei Pekinesen, welche der Rentnerin gehörten, war es aber nicht getan. Denn im Fussraum des Beifahrersitzes lagen in einem Korb fünf weitere noch sehr junge Pekinesen und Möpse, die der mitfahrenden Freundin gehörten.

Hund hat ein Problem mit Autoritäten

Das sei anders gewesen, meinte die Rentnerin vor dem Bezirksgericht, vor dem sie den Strafbefehl am Dienstag anfocht. Einer der Hunde, der Chef in der Runde, habe ein Problem mit uniformierten Autoritäten. Würden sich solche dem Fahrzeug nähern, beginne er zu bellen. Dies animiere alle anderen Hunde mitzubellen.

Werde er aber losgebunden, bleibe er ruhig. Deshalb habe sie ihn kurz vor dem Anhalten losgemacht. Selbstverständlich seien alle ihre Hunde mit ihrem Brustgeschirr an den Sicherheitsgurten des Autos fixiert ­gewesen. Schliesslich liebe sie ihre Hunde und wolle sie nicht gefährden.

Die Polizisten verlangte ein Verfahren gegen die Frau

Dass da einer der Hunde noch vor dem Anhalten nach vorne sprang, sei von der Polizistin «frei erfunden» worden, monierte die Rentnerin. «Ich weiss nicht, woher sie das nimmt.» Die Dame, gemeint ist die Polizistin, habe sich auf sie eingeschossen. «Ich spürte, dass sie mich nicht mag.» Höchstwahrscheinlich habe man das Heu einfach nicht auf der gleichen Bühne.

Ihr Verteidiger forderte einen Freispruch. Der ursprünglich mit dem Fall befasste Statthalter habe das Verfahren einstellen wollen. Nachdem er dort nicht mehr gearbeitet habe, sei nach zwei Jahren ein Strafbefehl gekommen. Das sei ein Verstoss gegen Treu und Glauben.

Die Polizistin sei nicht glaubwürdig. Sie habe die Beifahrerin gar nicht befragt, aber in einem zusätzlichen Rapport verlangt, dass gegen die Freundin der ­Beschuldigten wegen Begünstigung ermittelt werden müsste, sollte sie während des Verfahrens andere Aussagen machen als sie, die Polizistin.

Es gibt keine speziellen ­Vorschriften für Kleintiere

Nun ist das mit Hunden auf dem Beifahrersitz oder – was auch schon vorgekommen ist – mit Katzen auf dem Armaturenbrett juristisch nicht auf den ersten Blick klar. Denn es gibt keine spezielle Vorschrift zur Sicherung von Kleintieren in einem Personenwagen.

Im Strafgesetzbuch steht: «Stellt eine Bestimmung auf den Begriff der Sache ab, so findet sie entsprechende Anwendung auf Tiere.» Deshalb ist es auch gemäss einem Urteil des Bundesgerichts erlaubt, Hunde im Sinne des Strassenverkehrsgesetzes als «Ladung» anzusehen.

Und eine Ladung, das schreibt das Gesetz vor, «ist so anzubringen, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann». Die Verantwortung dafür trägt der Fahrer oder die Fahrerin. Sie müssen dafür sorgen, dass sie «weder durch die Ladung noch auf andere Weise behindert» werden.

Gestützt auf diese Bestimmungen wurde die Rentnerin wegen Lenkens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges bestraft. Zu einer Busse wird verurteilt, wer «ein Fahrzeug führt, von dem er weiss oder bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit wissen kann, dass es den Vorschriften nicht entspricht».

Die Einzelrichterin bestätigte die Busse des Statthalteramtes von 300 Franken sowie die ­Gebühren und Auslagen von 360 Franken. Zudem packte sie oben drauf noch eine Gerichtsgebühr von 600 Franken. Sie glaubte der Polizistin, auch wenn ihre Rapporte «Schönheitsfehler» enthielten. Die Richterin, übrigens, hatte den Fall von einem Kollegen übernehmen müssen. Jener Richter trat wegen Befangenheit in den Ausstand. Er ist mit der Polizistin privat bekannt.

Ob es beim Schuldspruch bleibt, wird sich zeigen. Die 76-Jährige kann sich noch ans Obergericht wenden.

Erstellt: 03.09.2019, 22:55 Uhr

Artikel zum Thema

Sein Leben auf Staatskosten geht weiter – nun im Gefängnis

Ein heute 51-jähriger Kosovare hat 527'000 Franken Sozialhilfe erhalten, obwohl auf seinen Konten sechsstellige Beträge lagen. Mehr...

Was geschah damals in der Kristallhöhle?

Reportage Der Mord an zwei Mädchen schockierte 1982 die Schweiz. Der Fall blieb ungeklärt und beschäftigt die Menschen bis heute. Jetzt liefert ein deutscher Profiler neue Erkenntnisse. Mehr...

Der «Samurai» will nach Hause

Er war einer der brutalsten in Zürich aktiven Menschenhändler und Zuhälter. Nun wehrt er sich gegen die angeordnete Verwahrung. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Es ist immer Zeit, Danke zu sagen

Erst die Gönner machen die Arbeit der Krebsliga möglich. Der Tag des Testaments bietet Gelegenheit darüber zu sprechen, wie wir anderen etwas Gutes tun können.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...