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Blumenkäufer sind den Nachbarn zu laut

Anwohner klagen über den Verkehr, der zum Blumen-geschäft Frieden führt. Ein Fahrverbot hätte für die Gärtnerei in Wangen aber verheerende Folgen.

Von Bruno Fuchs Wangen-Brüttisellen – «Wir möchten wieder in Frieden wohnen.» Diese Überschrift trägt ein ganzseitiges Inserat, das kürzlich im «Kurier», dem amtlichen Publikationsorgan der Gemeinden Wangen-Brüttisellen und Dietlikon, erschienen ist. Die Stockwerkeigentümergemeinschaft (Stoweg) In Hätzelwisen 1 beklagt sich darin über die Fahrzeuge, die auf ihrer Privatstrasse zum Blumengeschäft Frieden in Wangen gelangen. In der gleichen «Kurier»-Ausgabe ist im amtlichen Teil eine richterliche Verfügung publiziert, wonach Unberechtigten «das Führen, Abstellen und Parkieren von Fahrzeugen aller Art» auf ebendieser Privatstrasse und dem anschliessenden Kehr- und Parkplatz verboten ist. Rolf Studer ist Präsident der Stoweg und sagt zur Vorgehensweise: «Wir wollen mit dem Inserat erreichen, dass die Bevölkerung weiss, worum es uns geht. Wir sind nicht gegen Blumen Frieden und offen für Lösungen.» Heidi Frick, die Inhaberin der Gärtnerei, ist überrascht vom Vorgehen der Stoweg. Noch vor wenigen Wochen habe sie das Mitglied Hans René Suter getroffen und nichts darüber erfahren, dass rechtliche Schritte eingeleitet würden. Beschwerde gegen das Verbot «Wir sind zur Zufahrt berechtigt. Würde die Zufahrt zum Blumengeschäft verboten, hätte der Betrieb existenzielle Probleme», sagt Frick. Sie hat gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Uster beim Zürcher Obergericht Beschwerde eingereicht, über die in diesen Tagen entschieden werden soll. Die Bewohner der Hätzelwisen 1 beklagen im Inserat, dass an Spitzentagen 650 und an «normalen» Tagen gegen 100 Fahrten von Personenwagen auf der Privatstrasse gezählt werden könnten. Zudem kämen jährlich 1000 Fahrten von Lastwagen hinzu, die Blumen lieferten. Diese Zahlen kann Heidi Frick nicht bestätigen. «In der Regel sind es vier Lastenwagen pro Woche, die am Morgen zu uns kommen. Der Kundenverkehr ist bei weitem nicht so stark wie dargestellt.» Auf Anfrage relativiert Stoweg-Präsident Studer. Mit den Fahrten sei jeweils die Hin- und die Rückfahrt gemeint. Zudem könnten diese auch Besucher der Rietwiese oder Hundehalter sein, die in der Nähe spazieren wollten. Der Stoweg ginge es um die zusätzlichen Lärmimmissionen, die sie am Tag, aber auch in der Nacht hätten, und um die Unfallgefahr für Kinder. Auf der Privatstrasse sei die Geschwindigkeit auf 20 Kilometer pro Stunde beschränkt, trotzdem werde die Limite nicht eingehalten, so Studer. «Wir möchten wieder ruhig schlafen und unsere Parkplätze jederzeit nutzen können.» Rechtlich schlecht abgesichert Heidi Frick führt ins Feld, sie habe bei den Öffnungszeiten darauf geachtet, dass sie morgens erst um 7.30 Uhr öffne, dass eine längere Mittagszeit folge und das Geschäft bereits um 18 Uhr schliesse. Es könne aber sein, dass ein Lieferant einmal unverhofft komme. Heidi Fricks Vater, heute 89-jährig, kaufte die schon bestehende Gärtnerei mit Wohnhaus im Jahr 1953 – zu einer Zeit, als es die Hätzelwisen noch nicht gab. Die Zufahrt war die gleiche wie heute. Als die Hätzelwisen gebaut wurden, habe er dafür Rechte am Weg abgetreten. Weshalb es dabei zu keinem Grundbucheintrag gekommen sei, kann Frick heute nicht mehr rekonstruieren. Damals hätte eben noch ein Handschlag gereicht, um Einigkeit zu vereinbaren. Zudem sei die Erschliessung ihres Betriebs über die Zufahrt Hätzelwisen von der Gemeinde bewilligt.Frick sieht auch gar keine Möglichkeit, auf die Forderung nach einer anderen Zufahrt einzugehen. Die etwas näher zur Autobahn gelegene Riedwiesenstrasse hat keinen Kehr- und Parkplatz. Und der parallel zur Autobahn führende Weg zur Gärtnerei endet bei den Treibhäusern und sei keine rechtsgenügliche Zufahrt, sagt Frick. «Die Infrastruktur der Gärtnerei ist auf die Hätzelwisen ausgelegt. Wenn ich die ganze Anlage um 180 Grad kehren könnte, hätte ich das schon längst gemacht.» Die Lärmgeplagten gehen gerichtlich gegen den vielen Verkehr vor. Foto: Stephan Kälin

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