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Boutique-Hotel statt Bordell

Ein Herisauer Bauunternehmen will 300 Hotelzimmer im Kreis 4 errichten.

Von Samira Zingaro Pretty Girl heisst eines der beiden Bordelle im Erdgeschoss des Gebäudes an der Dienerstrasse 20/22. Nun machen sich Handwerker daran, das Inventar herauszureissen. 14 Jahre sei sie hier als Patronne verantwortlich für das Etablissement gewesen, berichtete gestern Morgen eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Es sei allen Mietern gekündigt worden. Neben ihr stehen zwei ehemalige Angestellte. «Wo diese nun arbeiten werden, ist unklar. Aber sicher nicht mehr hier», sagt die Frau auf Französisch. Das Bauunternehmen Agensa Familia mit Hauptsitz in Herisau AR hat die Liegenschaft gekauft und will sie bis im Frühling in ein Boutique-Hotel mit zwölf Zimmern umwandeln, wie Geschäftsführer Rolf Schawalder sagt. Er betont, dass daraus kein Rotlichtbetrieb werde. Man strebe einen «gehobenen Standard, vorzugsweise für Businessgäste», an. «Der Kreis 4 birgt touristisches Potenzial», glaubt Schawalder, dessen Firma im Quartier letztes Jahr drei Hotels mit rund 30 Zimmern eröffnet hat. «In den nächsten Jahren möchten wir in dieser Umgebung 300 Hotelzimmer realisieren.» Erworben habe man noch keine Liegenschaften. Anwohner skeptisch Betrieben werden die «Chreis-4-Hotels», wie Agensa die Kette nennt, durch die Brauerhof GmbH. Diese führt weitere Häuser in Oerlikon und Uster. Laut Manager Ernst Jungreithmeier sind die Hotels im Kreis 4 zu 75 Prozent ausgelastet mit «durchmischten, milieufernen Gästen». Im Haupthaus an der Anwandstrasse 10 kostet ein Doppelzimmer zwischen 160 und 200 Franken. Hier wird auch der Check-in für die übrigen Hotels abgewickelt und das Frühstück. Es sei unmöglich, die Zimmer zu besichtigen, da ausgebucht, heisst es vor Ort. Die weiteren Häuser stehen an der West- und an der Brauerstrasse. Letzteres wurde im September eröffnet und steht versetzt hinter dem Restaurant Brauerhof. Die Vorhänge sind zugezogen.Neben dem verschlossenen Hoteleingang: ein Dutzend namenlose Klingeln, was Anwohner als Hinweis auf ein Stundenhotel deuten. «Diese stammen aus der Zeit der Appartementhäuser», versichert hingegen Jungreithmeier. Solche Häuser waren laut Rolf Vieli, Leiter Langstrasse Plus, in der Hochkonjunktur der 60er-Jahre unter Gastarbeitern populär. Während der folgenden Rezession habe sich das Milieu in vielen dieser Liegenschaften niedergelassen. «Die Stadt macht seit langem Druck auf diese Häuser», sagt Vieli. Über die Hotels von Agensa respektive Brauerhof GmbH wisse man noch zu wenig. «Manch ein Eigentümer hatte anfangs einen guten Vorsatz – bis der Betrieb nicht mehr rentierte und das Milieu Einzug hielt.» Eine Nachfrage nach günstigen und schönen Hotels bestehe im Kreis 4 zweifelsohne. Doch es fehlten vor allem bezahlbare Wohnungen für Familien. «Das wäre mir lieber als Hotels.»

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