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Büsi verzweifelt gesucht!

Immer wieder verschwinden in Glattfelden Katzen. Spurlos. Nun will eine betroffene Tierhalterin das wahre Ausmass herausfinden.

Von Sarah Sidler und Alexander Lanner Glattfelden – In Glattfelden werden derzeit zahlreiche Katzen vermisst. Dies fällt bei der Lektüre des Mitteilungsblattes der Gemeinde ebenso auf wie beim Spaziergang durch die Gemeinde. Barbara Braun aus Zweidlen vermisst zwei Katzen: «Einer meiner Kater kommt seit Juni nicht mehr nach Hause. Exakt einen Monat später fehlte auch der zweite», sagt sie. Geblieben sind ihr noch Suraya und Kisa. Gleich alle vier Katzen einer weiteren Glattfelderin gelten als vermisst. Insgesamt weiss Braun von zehn Katzen, die spurlos verschwunden sind. «Treibt ein Katzenhasser sein Unwesen?», fragt sie sich. Merkwürdig findet sie, dass keine Beobachtungen gemacht werden: «Niemand weiss etwas.» Dabei seien die Tiere doch mit einem Chip versehen, der sie identifiziere. Wären sie von einem Auto überfahren worden, hätten die Besitzer Meldung durch den Abdecker bekommen. Fest steht, die Ungewissheit über das Schicksal des geliebten Haustiers ist schlimm, jedoch kein neues Problem in Glattfelden. Allerdings haben nur wenige der Tierbesitzer in den letzten Jahren erfahren, was mit ihren vermissten Vierbeinern wirklich passierte. «Die meisten Tiere sind spurlos verschwunden», sagt Braun. Böse Vermutungen Um herauszufinden, ob derzeit noch mehr Glattfelder ihre Haustiere vermissen, hat Braun im aktuellen Mitteilungsblatt einen Aufruf platziert. Ausserdem möchte sie Zeitungsinserate schalten. «Ich will Kontakte mit anderen Tierhaltern knüpfen und einen Steckbrief zu den vermissten Tieren verfassen», sagt sie. Diese Flyer will sie in Tierfachgeschäften wie Qualipet oder Fressnapf sowie in Tierheimen aufhängen. Weiter macht sie Autofahrer auf die Meldepflicht aufmerksam: Lenker, die ein Tier angefahren haben, müssen sich melden – am besten bei der Polizei oder dem Tierarzt der nächsten Ortschaft. «Sicher ist es traurig, wenn man erfährt, dass seine Katze tot ist», sagt sie. Doch die Ungewissheit sei weitaus schlimmer. Bis heute weiss sie erst von einer Katze, die auf der Schnellstrasse am Dorfrand ein frühzeitiges Ende gefunden hat. Zu Brauns Ungewissheit kommt ein komisches Gefühl hinzu: «Etwas stimmt nicht in Glattfelden», vermutet sie. Sie kenne eine Geschichte aus einem benachbarten Kanton, in der ein Mann jede Katze, die seinen Garten als Toilette nutzte, im Wald verscharrt habe. Doch sie glaube nicht an diese Theorie. Was sie aber mit Sicherheit wisse, sei, dass in Deutschland jemand Katzen in den Kofferraum packe und sie einige Kilometer später wieder freilasse. Es sei auch nicht auszuschliessen, dass jemand mit den Katzenfellen Geld mache. Gleichzeitig sagt sie aber: «Ich hoffe noch immer auf einen simplen Zufall, dass derzeit so viele Katzen als vermisst gelten.» Wenn Tiere verschwinden, kursieren bald einmal wilde Gerüchte und Vermutungen. Vor etwa zehn Jahren habe es im Gottfried-Keller-Dorf eine Gruppierung gegeben, die angeblich Katzen gegessen habe, wie Braun zu Ohren gekommen ist. Fest steht: In der Schweiz ist der Verzehr von Katzenfleisch nicht verboten. Wildtiere als Ursache? Die Tierärztin Ursula Iljazi arbeitet seit fünf Jahren in Glattfelden. Sie sagt, dass in dieser Zeit monatlich bis zu zwei Katzen verschwunden seien. «Innert der letzten eineinhalb Jahre sind mir persönlich drei Katzen abhandengekommen.» Die letzte vermisse sie seit drei Wochen. Auch Iljazi würde gerne wissen, was genau mit den verschwundenen Tieren geschehen ist. «Die wahrscheinlichste Lösung ist, dass eine angefahrene Katze von einem Fuchs, Dachs oder Marder verzehrt wurde.» Dass eine gesunde Katze Wildtieren zum Opfer falle, sei allerdings kaum vorstellbar. Nicht viel hält die Tierärztin von der Theorie, dass ein Unbekannter böswillig für das Verschwinden der Katzen verantwortlich ist. Hätte jemand Gift gestreut, Fallen aufgestellt oder die Tiere gar geschossen, wäre dies bestimmt jemandem im Dorf aufgefallen. Barbara Braun sucht täglich im Internet nach ihren Katern Strolch und Murphy. Sie findet, dass die Schweizerische Tiermeldezentrale (www.stmz.ch) am aktuellsten über vermisste Tiere informiert. Auf der Website gibt es eine landesweit geführte Datenbank mit effizienten Suchmöglichkeiten. Doch auch Petfinder.ch und die Website des Tierschutzvereins seien nicht schlecht. Weiter bittet Braun alle, die Katzen vermissen oder auffällige Beobachtungen in diesem Zusammenhang gemacht haben, sich bei ihr zu melden. Ihre E-Mail-Adresse lautet: vermisst@gmx.ch Gemäss dem geltenden Tierschutzgesetz ist jeder Tierhalter für das Wohlergehen seines Tieres verantwortlich. Unter anderem darf er das Tier nicht vernachlässigen und muss es suchen, wenn es ihm entläuft. Sei dies mit Aushängen an Bushaltestellen und in Quartierläden oder mit Nachforschungen bei Nachbarn, Tierärzten und Tierheimen in der Umgebung. Die Suche sollte innert angemessener Zeit erfolgen; in der Regel können Katzen durchaus einmal zwei, drei Tage von zu Hause wegbleiben. Falls das Tier verschwunden bleibt, sollte man eine Vermisstenanzeige bei der kantonalen Meldestelle aufgeben. Sie registriert entlaufene, verloren gegangene oder anderweitig vermisste Tiere. Seit 2004 gibt es in jedem Kanton eine solche Meldestelle. Die offizielle Meldestelle für Findeltiere des Kantons Zürich ist wie folgt zu erreichen: Postfach, 8090 Zürich, per Telefon 0848 848 244 oder mit einem E-Mail an zuerich@gefundene-tiere.ch. Die Adressen sämtlicher kantonaler Meldestellen finden sich bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale unter www.stmz.ch. Wer ein verlorenes oder entlaufenes Tier findet, muss den Eigentümer benachrichtigen. So will es die im Zivilgesetzbuch festgeschriebene Meldepflicht. Wenn der Eigentümer des Tieres allerdings nicht bekannt ist, muss der Fund zwingend der kantonalen Meldestelle angezeigt werden. (TA) Barbara Braun aus Glattfelden – hier mit Katze Suraya – ruft andere Halter auf, verschwundene Tiere zu melden. Foto: Gesa Lüchinger

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