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Bund möchte Dübendorf für Zivilluftfahrt nutzen

Obwohl die Armee den Flughafen Dübendorf aufgeben wollte, lässt der Bund einen Weiterbetrieb prüfen. Offen ist, ob sich Investitionen in die Anlage überhaupt lohnen.

Von David Schaffner Bern – Der Bundesrat macht sich Gedanken darüber, wie er den Flughafen Kloten künftig entlasten kann. In einer Studie lässt er daher prüfen, «ob ein Weiterbetrieb des Militärflughafens in Dübendorf nach 2014 unter verstärkter ziviler Mitbenützung» sinnvoll wäre. Ursprünglich plante der Bund, die Luftwaffe ganz aus Dübendorf abzuziehen. Nun ist die Rede von einer «fliegerischen Mischnutzung». Aus bundesratsnahen Kreisen verlautete gestern, dass für den Bundesrat dabei die zivile Luftfahrt im Vordergrund stehe und weniger die militärischen Zwecke. Die Landesregierung selber macht ein «strategisches Interesse mit Blick auf die steigenden Bewegungszahlen der Zivilluftfahrt» geltend. Zu einem zweiten Kloten soll der Flughafen im nahen Dübendorf jedoch nicht werden: «Eine A 380 oder andere grosse Passagierflugzeuge werden auch künftig nicht in Dübendorf landen und starten», stellt Daniel Göring klar, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). «Möglich ist, dass künftig Geschäftsflieger und die Kleinaviatik den Flughafen Dübendorf intensiver nutzen.» Wie viele zivile Flieger dereinst pro Jahr starten und landen könnten, will beim Bund niemand sagen. Bereits heute nutzen die Rega und die Ju-Air den Flughafen. Während des World Economic Forums dient er jeweils als Abstellplatz für die Maschinen der Wirtschaftsprominenz. In den letzten Jahren schwankten die zivilen Flüge zwischen 4605 im Jahr 2007 und 2779 im vergangenen Jahr. Es braucht viel Geld Deutlich intensiver ist nach wie vor die militärische Nutzung – obwohl seit 2007 kein einziger Kampfjet mehr gestartet ist und die Armee in Dübendorf nur noch mit Helikopter oder Transportflugzeugen fliegt. Im letzten Jahr verzeichnete die Luftwaffe etwas über 11 000 Bewegungen. Wie stark deren Zahl steigen könnte, falls der Bund den Flughafen weiterbetreibt, ist offen. So viel ist aber klar: «Es ist nicht vorgesehen, dass die Armee auf dem Flugplatz Dübendorf wieder Kampfjets stationiert», verspricht Sebastian Hueber, Sprecher des Verteidigungsdepartements VBS. Will der Bund am Flughafen Dübendorf tatsächlich festhalten, sind wohl sehr hohe Investitionen nötig. «Da die Zukunft von Dübendorf schon länger ungewiss ist, hat sich ein relativ grosser Instandsetzungsbedarf angehäuft», räumt Hueber ein. «Momentan wird nur in die Gebrauchstauglichkeit investiert, damit die Nutzung gewährleistet werden kann.» Absehbar ist, dass der Bund viel Geld in die Hangar-Anlage stecken müsste. Sollen internationale Flüge ab Dübendorf möglich sein, wäre der Bau einer Grenzstation notwendig. Für die Flugüberwachung wäre wie heute die Skyguide zuständig, die den Luftraum über der gesamten Schweiz überwacht.Vor rund drei Jahren hatte die Armee einen Weiterbetrieb des Flughafens noch ausgeschlossen, aus finanziellen Gründen. «In Dübendorf wurden bereits sehr viele technische Anlagen abgebaut», sagte damals Luftwaffenchef Markus Gygax. Eine Reaktivierung wäre daher ein grosser Aufwand. Nun soll die Studie zeigen, ob sich der Kraftakt nicht doch lohnen könnte. «Sie muss eruieren, ob eine Mischnutzung des Flughafens betrieblich und finanziell sinnvoll wäre», erklärt Bazl-Sprecher Göring. «Offen ist, welcher Investitionsbedarf besteht und wie teuer der Betrieb eines Mischflughafens kommen würde.» VBS-Sprecher Hueber betont: «Die Kosten für das Areal müssten zwischen Bund und anderen Nutzern aufgeteilt werden.» Änderung der Flugrouten? Die unklare Zukunft in Dübendorf hat Auswirkungen auf die Zürcher Raumplanung und auf die Anflugschneisen der beiden benachbarten Flughäfen. «Das Bundesamt für Raumplanung (ARE) hat in der ergänzenden Vorprüfung des neuen Zürcher Richtplans einen Vorbehalt», erklärt eine ARE-Expertin. «Der Kanton Zürich muss im Richtplan klarstellen, dass seine Absichten für eine nicht fliegerische Nutzung des Geländes von einem definitiven Entscheid des Bundes über die Zukunft des Flugplatzes abhängen.» Das Luftfahrtsamt Bazl erklärt: «Die Flughäfen Kloten und Dübendorf liegen sehr nahe beieinander. Sollte sich daraus Bedarf für eine Koordination der Flugrouten ergeben, so werden wir dies tun.» Nicht ganz aufgeben müsse der Kanton Zürich seine Visionen für eine nicht fliegerische Nutzung des Grundstückes, sagt Göring: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich der weitere Betrieb des Flughafens Dübendorf mit dem Bau eines Innovationsparkes oder anderen Ideen für die Nutzung des Geländes kombinieren lässt.»Wer vom Bundesrat den Zuschlag für die externe Studie erhalten hat, wollte der Bund gestern nicht sagen. Sie soll bis Ende Jahr die Grundlagen für einen definitiven Entscheid über die Zukunft des Flughafens liefern. Das Verteidigungsdepartement arbeitet parallel an einem neuen Konzept für die Stationierung seiner verschiedenen Truppen. Ebenfalls bis Ende Jahr will es entscheiden, ob es an einer weiteren militärischen Nutzung in Dübendorf interessiert ist. Flughafen Dübendorf: Der Bund will eine Mischnutzung von Zivil- und Militärluftfahrt prüfen lassen. Kampfjets sollen aber keine mehr starten. Foto: Heinz Leuenberger (Desair)

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