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Das falsche Gossau hielt auch schon den Kopf hin

Der FC Gossau steckt tief im Sumpf des Wettskandals drin. Seinen Namensvetter aus dem Zürcher Oberland vermag er aber nicht mit in den Dreck zu ziehen.

Der Unterschied ist nicht der Rede wert. Im Internet ist der FC Gossau ZH unter www.fcgossau.ch zu erreichen. Die Onlineadresse des gleichnamigen Fussballklubs aus der Ostschweiz lautet auf www.fc-gossau.ch. Dass nur ein Bindestrich die Differenz ausmacht, war dem Zürcher Klubpräsidenten Fredi Keller nicht bewusst. Der Hinwiler weiss aber, dass es für Nichteingeweihte und insbesondere für Ortsunkundige selbst über das offizielle Verzeichnis des Schweizer Verbandes trickreich ist, die zwei Klubs auseinanderzuhalten. «Deshalb sind Verwechslungen nicht selten.»

Dabei trennen die Gossauer Welten - und zwar längst nicht nur in sportlicher Hinsicht. Die St. Galler Ausgabe kickt in der Challenge League, dümpelt dabei aber ganz am Tabellenende. Der 1974 gegründete Dorfklub aus dem Zürcher Oberland kickt drei Ligen tiefer, dort aber knapp in der oberen Ranglistenhälfte. Nebst der 2.-Liga-Fanionequipe nahmen 16 weitere Mannschaften die Saison 2008/09 in Angriff; die Mitgliederzahl beträgt 450 (davon gehören 250 dem Juniorenalter an). Das Wesentliche zwischen dem FC Gossau SG und dem FC Gossau ZH ist indes, dass der Challenge-League-Vertreter in den europaweiten Wettskandal verstrickt sein soll. Als Folge davon wurden bereits zwei Spieler suspendiert und wird der Name FC Gossau in Verruf gebracht - und zwar in der weltweiten Presse.

Ein Schmähruf aus den USA

Sofort zerstreut der Zürcher Präsident Fredi Keller Bedenken, dass seine Farben einen Imageverlust davontragen könnten. «Nein, vom fachkundigen Publikum werden wir ganz sicher nicht in die Nähe dieser unsäglichen Wettaffäre gebracht», versichert er. Und die hiesigen Medien könnten sowieso differenzieren, entsprechend musste sich Keller diesbezüglich noch nie mit falschen Anfragen herumschlagen oder sich sogar rechtfertigen. Ein Müsterchen einer irrtümlichen Schuldzuweisung nennt Keller dennoch. So ist in den letzten Tagen ein Mail aus den USA eingegangen mit gleichermassen erbostem wie erstauntem Inhalt. Von «einem wildfremden Mann», angeblich einem Exil-Schweizer. Dabei setzte es eine Rüge für die vermeintlich unlauteren Machenschaften ab. «In diesem Fall mussten wir den Kopf hinhalten. Doch solche Reaktionen gab es ganz wenige, vor allem waren sie nicht bedeutsam», bestätigt Keller. In diesem Zusammenhang ist es ihm wichtig, zu betonen, dass sein FC Gossau einen glänzenden Ruf geniesse.

An der falschen Adresse

Und sein FC Gossau geniesst auch Aufmerksamkeit - besonders in den Transferperioden. «Ja, es kommt immer wieder zu lustigen Verwechslungen», sagt Keller und kann sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dauernd würden ihn Anfragen von Spielervermittlern oder selbst von Aktiven erreichen. Sie versprechen sich eine Einladung für ein Probetraining. «Meist aus der 3. deutschen Liga preisen sich Spieler an und stellen uns hervorragende, fein säuberlich zusammengestellte Dossiers zu.» Keller weist die Kandidaten jeweils höflich darauf hin, dass ihr Interesse wohl dem gleichnamigen Verein gelten würde, der jedoch drei Spielklassen weiter oben positioniert sei.

An der richtigen Adresse ist dagegen der in diesen Tagen verpflichtete Antonio Convertito. Wie der «Zürcher Oberländer» vermeldete, übernimmt der 34-Jährige die zweite Mannschaft in der 3. Liga. Die Reserven mussten in der Winterpause ihren Aufstiegstrainer Patrick Leuenberger nach Rapperswil-Jona ziehen lassen. Convertito amtete zuletzt als Russikon-II-Trainer. «Wir haben Convertito aber nicht abgeworben, sondern durften ihn im Einverständnis der Russiker verpflichten», so Keller. Deborah Bucher

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