Zum Hauptinhalt springen

Das grosse Glück an der kleinen Chilbi

An der Zumiker Chilbi gibt es keine spektakulären Attraktionen. Trotzdem trifft sich rund um die zwei Beizen und die wenigen Bahnen das halbe Dorf.

Zumikon. - Für die kleinsten Zumiker liegt das Glück dieser Erde auf dem Rücken von braunen, weissen und schwarzen Holzpferden. Seit mehr als 100 Jahren dreht sich das altehrwürdige Karussell der Genossenschaft «Rössliriiti für alli» an den Chilbifesten der Region.

Auch in Zumikon gastieren die feurigen Pferdchen seit Menschengedenken, erinnert sich Gemeindepräsident Hermann Zangger. «Schon zu Zeiten meines Grossvaters und meines Vaters war die Rössliriiti hier», sagt er, «und als Kind war es das Grösste, im Pferdesattel einige Runden drehen zu dürfen.» Früher sei die Rössliriiti von Hand mit einer Kurbel betrieben worden, bis dann ein Motor diese mühsame Arbeit übernommen habe, weiss Zangger. Auch die Orgel ist erst vor rund 80 Jahren eingebaut worden und scheppert noch immer fröhlich vor sich hin. Die neuen Sicherheitsvorschriften nach EU-Norm würden den Unterhalt aber enorm verteuern, merkt Zangger an.

Direkt nebenan steht das «Knusperwägeli». Es gehört seit rund 20 Jahren zum Zumiker Chilbibild und bietet all das an, was Zahnärzte erschauern lässt. «Die Zumiker Chilbi ist klein, aber fein», sagt die Herrin über Nidelzältli, gebrannte Mandeln, Magenbrot und Lollipops.

Tellensöhne in Aktion

Gleich daneben üben sich Tellensöhne und -töchter in der Kunst des Luftgewehrschiessens und des Büchsenwerfens. Oliver Deilmann aus Zumikon hat soeben eine Art Baseball mit aufgemaltem Gesicht gewonnen. Ob der Ball wohl so lacht, weil Oliver das mit 15 Schüssen geschafft hat? In der Turnerbeiz, die ganz auf Oktoberfest mit Bier, Weisswürsten, Haxen und Brezeln macht, ist Maria Rizzo anzutreffen. Die Zumiker Mutter schätzt die Chilbi, weil sie übersichtlich und gemütlich sei. Und weil man alle Leute kenne und treffe, auch diejenigen, die man sonst im Dorf nicht sehe. «Mit kleinen Kindern ist die Chilbi ideal», sagt Rizzo, «man kann sie auch einmal alleine lassen, sie können nicht verloren gehen.»

Am Armbruststand von Fredy Wyder trifft der kleine Donovan Müller mit jedem Schuss ins Schwarze. Vater Felix ist stolz auf seinen Sohn, der mit der schweren Waffe umgeht wie einst der Tell. Und der dafür seinen Preis auswählen darf.

Raclette auf Norddeutsch

In der Feuerwehrbeiz wird schon am frühen Nachmittag fleissig Raclette schnabuliert. Die Sonne brennt aufs Zeltdach, und Feuerwehrmann Martin Koch schwitzt hinter seinem Raclette-Ofen. Der Mann mit dem lupenreinen norddeutschen Dialekt belädt die Teller mit zünftigen Portionen der Schweizer Käsespezialität.

Direkt neben der Beiz steht die Autoscooter-Bahn. Dort beäugen sich gegen Abend kichernde Teenie-Girls und Jungs mit verwegen schräg aufgesetzten Caps und Hosen, deren Bund so tief hängt, dass man einiges über den «In-Status» der Unterwäsche-Labels erfährt.

Impressionen von der Chilbi sammelt auch die Malerin Ma-rietta Gianella-Berry. Sie liebt die kleine Chilbi, weil sie so familiär sei und eine unglaublich gute Stimmung herrsche.

Das Kinderkarussell wird fleissig benutzt und entwickelt sich zur «Nuggi-Parade» - die Kleinsten strahlen im roten Feuerwehrauto oder auf dem Töff selig vor sich hin. Sandra Sonderegger ist mit ihrer dreijährigen Tochter Sophie an der Chilbi. «Der Anlass bereichert das Dorfleben, auch wenn es nur eine kleine Chilbi ist», zieht sie ihr Fazit. Für die kleinen Kinder sei das Angebot perfekt, für die Grösseren dürfte es aber noch ein paar Bahnen mehr haben. Sonderegger ist in Männedorf aufgewachsen und schätzte dort in ihrer Jugend, dass die Chilbizeit eine Ausnahmezeit war. «Man durfte da vieles tun, was man sonst nicht durfte - und das länger und intensiver», erzählt die junge Mutter.

«Nuggi-Parade» auf dem Kinderkarussell an der Zumiker Chilbi.

Marietta Gianella-Berry.

Hermann Zangger.

Felix Müller mit Donovan.

Sandra Sonderegger mit Sophie.

Maria Rizzo.

Oliver Deilmann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch