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Das grosse Warten auf 3DDas lange Warten auf 3-D

Immer mehr Kinos wollen am 3-D-Hype verdienen. Die digitalen Projektoren aber lassen auf sich warten.

Von Erika Burri Die Pioniere des dreidimensionalen Kinos machten 2009 richtig viel Geld. «Ice Age 3» lief gerade an. Ein Renner und ein Kassenschlager. Von über einer Million Besucher sahen gegen 80 Prozent die putzigen Tiere des Eiszeitfilms – Mammuts, Faultier, Wiesel, das im dreidimensionalen Kino sozusagen auf einen zurennt – in den damals erst rund 40 Schweizer 3-D-Kinosälen. Stephan Stottele’s Movies and More GmbH betreibt Kinos in Bülach und Kloten. Seine drei Säle hatte er bereits auf digital umgestellt, bevor «Ice Age 3» in 3-D angelaufen war. Zwischen 100 000 und 200 000 Franken kostet eine digitale Projektionsanlage. Je nach System muss auch eine neue Leinwand her. «Die Investition hat sich mehr als gelohnt. Die Umsätze waren gigantisch», sagt Stottele. Ein noch besseres Geschäft machten die 3-D-Kinobetreiber dann ein halbes Jahr später mit dem computeranimierten Ausserirdischen-Drama «Avatar», nach «Titanic» der erfolgreichste Kinostreifen in der Schweiz. Vom 3-D-Hype wollen nun auch Kinobetreiber profitieren, die den Sommer 2009 verschlafen haben. Doch mussten sie sich bisher gedulden. Lieferfristen bis zwölf Monate Die digitalen Projektoren, die Philippe Täschler, CEO der Kinokette Kitag, nächstes Jahr in 20 weitere Kinos einbauen lassen will, sind schon längst bestellt, denn die Lieferfristen betragen bis zu 12 Monate. Die Hersteller von digitalen Projektoren – zu ihnen gehören Firmen wie Barco, Christie und NEC – waren mit den massiven Bestellungseingängen von Kinos aus der ganzen Welt schlicht überfordert. Auch der Taschenrechner-Hersteller Texas Instruments (TI) wurde von Bestellungen überrannt. TI produziert das Herzstück (Cinema-Black-DLP-Chips) fast aller digitalen Projektoren ausser jenen von Sony, die ein eigenes System haben. «DLP-Lizenznehmer Barco, Christie und NEC haben 2010 mehr DLP-Cinema-Projektoren installiert als in den letzten zehn Jahren des digitalen Kinos zusammen», schreibt TI. Dazu kommt, dass TI gerade die zweite Generation ihrer Chips einführte, als vor einem Jahr die Bestellungen stark zunahmen. Bei der Umstellung gab es laut einem Branchenkenner Anpassungsschwierigkeiten – die Wartefrist wurde noch länger. Rund 100 Kinos mit digitalen Projektoren gibt es inzwischen in der Schweiz. Das ist etwa ein Fünftel aller Kinosäle hierzulande. Weitere werden folgen. Das Umrüsten findet nicht nur statt, damit die Besucher in die 3-D-Welt eines Films eintauchen können. In der Branche ist längst klar, dass digitale Projektoren die Technik der Zukunft sind. Mit ihnen kommt auch Zweidimensionales in einer ganz neuen, gestochen scharfen Qualität daher. Neue Filme wird es deshalb bald nicht mehr als 35-Millimeter-Streifen geben, dem Format des vordigitalen Zeitalters. In China zweites Werk eröffnet Patrik Engler, Geschäftsführer der Protronic AG und offizieller Vertreiber von Christie-Cinema-Projektoren, rechnet damit, dass im Laufe des kommenden Jahres die Lieferfristen kürzer werden. Christie hat diese Woche schliesslich mitgeteilt, ab sofort alle Kinos, die Maschinen bestellt haben, beliefern zu können. Die Firma hat im Sommer auf die enorme Nachfrage nach digitalen Projektoren reagiert und in China ein zweites Werk eröffnet. Doch es fehlen noch die Leinwände, wie Patrik Engler weiss, der auch diese vertreibt. Genauer gesagt: die Silberleinwände. Eine solche brauchen 3-D-Kinos, die mit Einwegbrillen Dreidimensionalität herstellen. Auch hier gibt es einen Lieferengpass. Bis die Leinwand kommt, wird es auch 2011 bis zu einem halben Jahr dauern. Die Kinobetreiber müssen sich also noch eine Weile gedulden. Besucher in einem Kino beim Betrachten des Films «Avatar».Foto: Mario Anzuoni (Reuters) Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur

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