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Das junge Wunder von Bern

Der SCB spielt nicht nur mit vielen Stars um den Finaleinzug, sondern auch mit einem Quartett sehr junger Spieler um Roman Josi.

Der SCB ist der erfolgreichste Nachwuchsförderer der Schweiz. Die These ist ein Affront gegenüber den Zürcher Lions, die mit rund 900 Juniorinnen und Junioren die grösste Jugendorganisation des Landes unterhalten und zuletzt auf der höchsten Nachwuchsstufe in vier Jahren drei Titel holten. Und auch Kloten, das den Lions zuletzt im Final der Elitejunioren unterlag, versteht sich als erstklassiger Ausbildungsklub. Gerade den Flyers wird derzeit im Halbfinal aber vor Augen geführt: In keinem anderen A-Klub spielen die Nachwuchskräfte eine so tragende Rolle wie in Bern.

Mit dem 19-jährigen Verteidiger Roman Josi, dem 18-jährigen Flügel Tristan Scherwey sowie dem Sturmduo Etienne Froidevaux und Pascal Berger, die vor wenigen Tagen 21 wurden, waren vier Spieler der Jahrgänge 1989, 90 und 91 im SCB-Team, das die Flyers am Donnerstag 2:1 besiegte. Für Kloten spielten nur zwei 89er, Denis Hollenstein und Yves Müller, der erstmals im Playoff zu wenigen Kurzeinsätzen kam. Die vier jungen Berner sind dagegen feste Bestandteile ihres Teams. Josi gehört zu den Spielern mit am meisten Eiszeit, Froidevaux und Berger bilden mit Neuenschwander den soliden dritten Sturm und Scherwey spielte zuletzt regelmässig mit Dubé und Ziegler. Nur beim HCD kamen im Playoff noch mehr Spieler dieser drei Jahrgänge zum Einsatz - allerdings mit weniger Erfolg. Dass es dem SCB mit so vielen jungen Stammspielern so gut läuft, hat natürlich auch damit zu tun, dass sein Kader ansonsten mit Stars gespickt ist.

Für Coach Larry Huras bringen die Jüngsten drei wichtige Dinge in seine Garderobe: «Energie, Hunger und Spass.» Dass sie mit dem SCB im Playoff-Halbfinal spielen, liegt auch an ihrem Talent, wie Sportchef Sven Leuenberger betont. «Josi ist in seiner Alterskategorie Weltklasse, Froidevaux, Berger und Scherwey sind nationale Spitze.»

Ab 17, 18 regelmässig im 1. Team

Es hat aber auch damit zu tun, dass sie schon über viel Erfahrung verfügen. Josi spielte ab 17 regelmässig in der ersten Mannschaft, Berger und Froidevaux ab 18. Die drei haben zwischen 120 und 150 NLA-Spiele absolviert, Scherwey ist mit zwei Saisons Rückstand im gleichen Fahrplan. «Wir haben am Anfang der Saison viel in sie investiert und wenig bekommen», sagt Huras, «jetzt belohnen sie uns.» Und: «Der SCB ist kein Farmteam. Ich muss hier das bestmögliche Team aufstellen.» Die «Opfer» sind langjährige NLA-Stammspieler wie Trevor und Daniel Meier, Rytz oder Chatelain, die kaum mehr spielen.

Larry Huras’ Kurzsteckbriefe seiner Youngster lauten: Josi ist der «Ausserirdische», Froidevaux der «Künstler», Scherwey der «Kämpfer» und Berger der «Torjäger» - obwohl er als Einziger der vier im laufenden Playoff noch nicht getroffen hat. Nach dem letztjährigen Viertelfinal-Aus stiessen die drei Älteren zu Scherwey und den Elitejunioren, um Finalgegner Davos zu deklassieren. «Da hat man gesehen, dass sie in einer anderen Liga spielten», sagt Scherwey.

Nun wollen sie gemeinsam die «richtige» Meisterschaft gewinnen. Es wäre wohl das SCB-Happy-End für Josi. Der 19-jährige Nashville-Draft, der das junge Wunder von Bern verkörpert, musste verletzungsbedingt die U-20-WM abbrechen und auf Olympia verzichten. Ein Meistertitel wäre eine schöne Entschädigung. Und das Grösste, was er noch erreichen kann, bevor er zu höheren Zielen nach Nordamerika aufbricht. Als Torjäger (Berger, links), Künstler (Froidevaux), Ausserirdischer (Josi) und Kämpfer (Scherwey) bezeichnet Coach Huras seine Nachwuchskräfte. Foto: Marcel Bieri

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