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Das Landrefugium als letzte Bastion für Stubentiger

Sie sind gebrechlich, alt oder nicht stubenrein: In Sternenberg finden Katzen ein Zuhause, die sonst niemand mehr will. Zurzeit leben 70 Katzen dort.

Von Fabienne Würth Sternenberg &endash Sie heissen Monti, Smiley und Charly &endash und sie haben alle ein ähnliches Schicksal: Sie sind Katzen, die als nicht mehr vermittelbar gelten. Will heissen: «Sie sind nicht stubenrein, alt, haben Gebrechen oder körperliche Schönheitsfehler wie Hinkebeine», sagt Elvira Wegmann, die das Landrefugium in der Sternenberger Wies seit drei Jahren leitet. Das Landrefugium ist eine Aussenstation des Tierheims Refugium in Zürich-Schwamendingen. Beide Heime werden von der Stiftung Kleintierheim Refugium Zürich unterhalten. Heimatlose Tiere können im Zürcher Tierheim einen Zwischenhalt machen, bevor sie weitervermittelt werden. Anders läuft es in Sternenberg: «Im Grunde sind wir ein Alters- und Pflegeheim für Katzen», sagt die 45-jährige Wegmann, während sie im Aussengehege steht, das so gross wie ein Fussballfeld ist. Mit sanften Rufen lockt sie Smiley an. «Sie ist seit zehn Jahren bei uns, lässt sich aber nur im Freien anfassen, drinnen hat sie Angst», sagt Wegmann und krault das Tier. Scheidungskatzen Woran das liegt, weiss sie wie bei den vielen anderen «Ticks» ihrer Schützlinge nicht. Einige der Tiere seien ängstlich, andere sehr anhänglich, wieder andere fast wild. «Wir kennen oft nur einen Teil ihrer Geschichten, aber jede einzelne davon geht mir unter die Haut», sagt Wegmann. Unter den 70 Katzen im Refugium leben «Scheidungskatzen», solche, die wild in Schrebergärten gefangen wurden &endash und solche, die von den Besitzern einfach ausgestossen wurden. Wegmann setzt ihren Rundgang fort, blickt in alle Unterschlüpfe und Verstecke im Aussengehege und vergewissert sich, dass sich nicht irgendwo ein krankes Tier aufhält oder ein Kistchen gereinigt werden muss. «Diese Kontrollen machen wir jeden Morgen, Mittag und Abend», sagt sie. Neben der Fürsorge und der Pflege kranker Tiere sei Sauberkeit eines der obersten Gebote. Gefolgt von vier neugierigen Katzen, öffnet Wegmann die Tür zum ehemaligen Bauernhaus, das die Stiftung seit 20 Jahren als Asyl für die Katzen nutzt. Bis zu 150 Tiere können aufgenommen werden. «Diese Zahl würde unsere momentanen Möglichkeiten aber sprengen», sagt Wegmann, während sie für Gipsy, die eine Schilddrüsenerkrankung hat, die Tabletten bereit macht. Zusammen mit ihrer Schwester Alexandra, zwei weiteren Teilzeitmitarbeiterinnen und zwei Frauen, die Notfalleinsätze leisten, ist Wegmann rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche für die Betreuung der Tiere zuständig. Gelernte Wildtierpflegerin Man spürt es: Elvira Wegmann liegen die Vierbeiner am Herzen. Vielleicht liegt das daran, dass sie schon ihr ganzes Leben mit Katzen zu tun hatte: Sie ist im Frauenfelder Plättli-Zoo aufgewachsen, war dort für die Raubkatzen zuständig und hat Wildtierpflegerin gelernt. «Raubkatzen sind genau gleich wie Hauskatzen &endash nur ein bisschen grösser», sagt sie schmunzelnd und bückt sich. Immer wieder findet sie Zeit, dem Wunsch der Tiere nach Streicheleinheiten nachzukommen. Vier Räume auf zwei Stockwerken stehen den Katzen zur Verfügung. «Grundsätzlich gibt es keine Probleme, wenn so viele Katzen zusammenleben.» Es gebe sowohl genügend Rückzugsmöglichkeiten als auch Schlafplätze, sagt Wegmann. «Bevor wir eine Katze aufnehmen, klären wir ab, ob wir nicht ein anderes Zuhause für das Tier finden», sagt Wegmann. «Wenn eine Katze definitiv zu uns kommt, muss sie gesund sein, gegen die gängigen Krankheiten geimpft, gechipt und kastriert sein.» Die Aufnahmegebühr im Landrefugium beträgt mindestens 50 Franken. Mit Spenden, Legaten und Patenschaften werden die beiden Heime finanziert: «Wir in Sternenberg vermitteln &endash ausser in Ausnahmefällen &endash keine Katzen weiter, aber ab 25 Franken im Monat kann man Gotte oder Götti werden», sagt Elvira Wegmann. «Ich glaube, alle unsere Schützlinge hier haben ein schönes Leben und einen ruhigen Lebensabend verdient.» Einige der Katzen sind ängstlich, andere wieder fast wild. Foto: David Kündig

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