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Das Schicksal der Asylsuchenden einfühlsam aufgezeichnet

Sonntagsmatinee im Qbus, gezeigt wird der Film «La Forteresse» von Fernand Melgar. Anschliessend wird über die Schweizer Asylpolitik diskutiert.

Uster. - Nur wenige Leute nehmen um 11 Uhr im Qbus Platz. Die erste Sonntagsmatinee des neuen Filmjahres steht an. Gezeigt wird der Dokumentarfilm «La Forteresse», der den Alltag im Empfangszentrum für Asylsuchende in Vallorbe dokumentiert. 2008 hat er am Filmfestival in Locarno einen Goldenen Leoparden gewonnen. Nach der Vorführung diskutieren Barbara Geering, Ustermer Psychologin und Migrationsexpertin, und Marc Spescha, ein auf Asylrecht spezialisierter Rechtsanwalt, unter der Leitung von Jurist Matthias Stammbach.

Festung aus Hoffnung und Trauer

Viele Flüchtlinge wägen sich bereits in Sicherheit, wenn sie im Land des Roten Kreuzes ankommen. Viele ahnen nicht. dass ihnen die letzte Prüfung, das neue Schweizer Asylverfahren, noch bevorsteht. Während 60 Tagen können Asylsuchende auf eine Aufnahme in die Schweiz hoffen. Genauso lange filmte der Regisseur Fernand Melgar in Vallorbe. Melgar ist aus Spanien und hat selber einen Migrationshintergrund. Auf einfühlsame Weise schildert er traurige, aber auch lustige Situationen und vermittelt damit ein Bild der menschlichen Atmosphäre in diesem Empfangszentrum. Dem Betrachter wird auf neutrale Weise die Hoffnung auf ein neues Leben dieser Immigranten aufgezeigt.

Röstigraben in der Asylpolitik

Ganz klar sei «La Forteresse» ein Werbefilm für das schweizerische Asylverfahren, sagte Marc Spescha. Die Arbeiter in Vallorbe seien empathisch, glaubwürdig und täten ihr Bestes, um den Flüchtlingen gerecht zu werden. Ob das im Empfangszentrum in Altstetten gleich sei, wage er zu bezweifeln. Spescha und Geering waren sich einig darüber, das es in der schweizerischen Asylpolitik einen Röstigraben gibt. In der Romandie sei die Atmosphäre humaner als in der Deutschschweiz. Für Geering ist zentral, dass die langen Phasen der vorläufigen Aufnahme für die Flüchtlinge sehr hart seien, da sie nach langer Flucht und schlimmen Erlebnissen ein Bedürfnis nach Sicherheit hätten. Diese bliebe ihnen durch die Unsicherheit ihres Status jedoch verwehrt. Psychische Beschwerden würden dadurch verstärkt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern habe die Schweiz noch grosse Kapazitäten zur Aufnahme von Asylsuchenden. Jedes Jahr steige die Zahl der Toten, beim Versuch illegal über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Europa sollte laut Gering enger zusammenarbeiten, um das Problem zu lösen, und deshalb auch den Wettbewerb bei der Verschärfung der Aufnahmebedingungen stoppen. «Niemand war schon immer da», lautet Speschas Botschaft. «Auch wir nicht.» Fast 40 Prozent der Gesamtbevölkerung immigrierte im letzten Jahrhundert in die Schweiz.

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