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Das See-Spital beschriftet seine falschen Doktoren richtig

Die Aargauer Doktortitel-Affäre schwappt auf den Zürichsee über: Das See-Spital an den Standorten Horgen und Kilchberg hat bisher sämtliche Ärzte pauschal als «Dr.» beschriftet – und ändert dies sofort.

Von Andreas Schürer Horgen/Kilchberg – Die Patienten des See-Spitals werden ausnahmslos von Ärzten mit Doktortitel behandelt – diesen Eindruck vermitteln zumindest die Namensschilder, welche die Ärzte tragen. Auch alle Assistenzärzte sind mit «Dr.» angeschrieben. Spitaldirektor Markus Gautschi räumt jetzt aber auf Anfrage ein, dass nicht alle, die so beschriftet sind, auch tatsächlich über den akademischen Doktortitel verfügen. «Wir haben das der Einfachheit halber so gehandhabt und werden es bis am Freitag anpassen», sagt er. Auf der Homepage und in allen Dokumenten würden die Ärzte schon jetzt entsprechend ihres akademischen Abschlusses bezeichnet – Ärzte ohne Doktortitel also als Med. pract. statt Dr. Mit der Anpassung der Namensschilder reagiert das See-Spital auf die Doktortitel-Affäre im Kanton Aargau. Wie am Dienstag publik wurde, hat das Gesundheitszentrum Fricktal 27 Ärzte mit einem nicht vorhandenen Doktortitel geschmückt. Die Begründung: Mit der Bezeichnung «Dr.» solle verhindert werden, dass die Patienten die Ärzte mit dem Pflegepersonal verwechseln. See-Spital-Direktor Gautschi hat zwar Verständnis für die nun entbrannte Diskussion – «schliesslich ist es schon wichtig, dass alles korrekt angeschrieben ist». Allerdings werde im Zuge der «Guttenberg-Hysterie» übertrieben. Im mündlichen Sprachgebrauch werde der Arzt als «Doktor» bezeichnet – akademischer Titel und Mundartausdruck seien im Fall der Ärzte identisch. Deshalb könne von einer Irreführung der Patienten keine Rede sein, zumal der akademische Titel auf die Qualifikation als Arzt keinerlei Einfluss habe. An der Goldküste stimmt alles In den beiden Spitälern am rechten Seeufer läuft nach deren Angaben alles korrekt ab. Orsola Vettori, Direktorin des Spitals Zollikerberg, sagt, sie lege schon seit einigen Jahren grossen Wert darauf, dass die Ärzte wahrheitsgetreu vorgestellt würden. Und das Spital Männedorf lässt verlauten: «Wir haben eine grundlegende Weisung im Haus, gemäss derer nur diejenigen einen Doktortitel tragen, die ihn ordnungsgemäss erworben haben.» Assistenzärzte, die noch nicht so weit sind, werden dementsprechend als Med. pract. bezeichnet. Derzeit überprüfe das Spital die korrekte Umsetzung dieser Vorgaben. Eine solche interne Überprüfung nimmt auch das Spital Uznach vor. Direktor Urs Graf sagt: «Durch den Fall im Aargau sind wir sensibilisiert worden.» Allfällige falsche Doktortitel sollen sofort eliminiert werden. Graf schätzt, dass es sich, wenn überhaupt, um Einzelfälle handelt. Entstanden sei die Problematik, weil heute eine Dissertation nicht mehr nötig sei, um den Facharzttitels zu erlangen. Manche Ärzte schrieben deshalb ihre Arbeit nicht gleich nach dem Staatsexamen oder gar nicht, seien aber für die ärztliche Arbeit genau gleich qualifiziert wie ihre Kollegen mit Doktortitel. Wie man die Ärzte besonders korrekt beschriftet, macht das Paracelsus-Spital Richterswil vor. Dort gibt es drei Kategorien von Ärzten. Erstens die akademisch geweihten Doktoren, die Dr. med., zweitens die Ärzte ohne akademischen Titel, die Med. pract., und drittens die Ärzte aus Ländern, in denen es für die Bezeichnung Doktor keine Dissertation braucht, wie zum Beispiel Österreich. «Es gibt grössere Probleme» Die sind dann folgendermassen angeschrieben: «Dr. med. univ. (A)». Das bedeutet: ein Arzt mit universitärem Doktortitel aus Österreich – mit einem Titel also, der automatisch nach erfolgreichem Studienabschluss verliehen wurde. Aber auch Paracelsus-Spital-Direktor Lukas Rist findet die aktuelle Aufregung um falsche Doktortitel in den Spitälern übertrieben: «Ich kann die Praxis, alle als Doktoren vorzustellen, nicht verteidigen, weil es nicht korrekt ist – aber wir haben im Gesundheitswesen grössere Probleme.»

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