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Das Tram-Museum lässt Zürichs U-Bahn-Träume nochmals aufleben

Zwei Mal lehnten die Zürcher U-Bahn-Projekte an der Urne ab. Das Tram-Museum erinnert an Visionen und Debatten von damals.

Zürich - Am 1. April 1925 titelte der TA: «Zürich erhält eine Untergrundbahn.» Ein reicher Auswanderer in Rio de Janeiro finanziere das Projekt, die Bauarbeiten begännen schon am folgenden Tag. Der Artikel war ein Aprilscherz.

Doch ganz unplausibel war die Geschichte nicht: Seit der Eröffnung der ersten U-Bahn der Welt im Jahr 1863 in London gab es Visionen für eine Zürcher U-Bahn. Bereits ein Jahr nach der Weltpremiere diskutierten Experten die Möglichkeit, beim Ausfüllen des Fröschegrabens - wo die heutige Bahnhofstrasse liegt - eine Dampfbahn in den Untergrund zu versenken. 1930 gab es Pläne, die Seilbahn Rigiblick mit unterirdischen Stationen bis zum Hauptbahnhof zu verlängern. Diese Projekte hatten aber keine Chance, realisiert zu werden.

Konkret wurden die Zürcher Untergrund-Pläne in den 50er-Jahren. Die Bevölkerung der Stadt nahm explosionsartig zu: 1950 waren es 390 000 Einwohner, 1960 440 000 - 60 000 mehr als heute. Die damaligen Prognosen sagten ein weiteres Wachstum voraus, und so war man sich einig, dass es neue Massenverkehrsmittel brauchte.

1962 wurde über ein erstes Projekt, die sogenannte Tiefbahn, abgestimmt. Das Projekt sah vor, das Tramnetz der Innenstadt im Boden zu versenken. Dafür wurden Trams vom Wagentyp «Karpfen» gebaut - in einem solchen Wagen wird die Ausstellung über die U-Bahn auch präsentiert. Der Abstimmungskampf in den Printmedien wurde erbittert geführt. Die Gegner, die von einem «Kellertram» sprachen, titelten: «Schmale Istig, wenig Platz - das Geld fürs Tüüftram isch für Katz.» Die Befürworter konterten: «Es muess endli öppis gha zZüri! Schluss mit dem Verkehrschaos. Tiefbahn JA!» Doch die Tiefbahn fiel bei der Abstimmung durch: Die Anhänger der Trams waren dagegen, wie auch die U-Bahn-Freunde, die eine «richtige U-Bahn» wollten.

Zehn Jahre später war das nächste Projekt für eine kombinierte U- und S-Bahn ausgearbeitet, welche die ganze Region miteinbezog. Von der U-Bahn sollten zunächst zwei Äste erstellt werden; einer vom HB nach Kloten, ein zweiter nach Dietikon. Und dazu gleich noch eine S-Bahn mit unterirdischem Durchgangsbahnhof. Die Idee schien anzukommen: 1971 musste ein erstes U-Bahn-Teilstück wegen Strassenbauten zwischen Milchbuck und Schwamendingen vorgezogen werden. Die Stimmbürger sagten Ja, Experten werteten dies als positives Signal. Im Januar 1973 zeigte eine Umfrage zudem, dass 81 Prozent der Zürcher hinter dem U- und S-Bahn-Projekt standen.

Gespenst der entvölkerten Stadt

Doch dann kam alles anders. Am 20. Mai 1973 stimmten 71 Prozent der Stadtzürcher Nein. Auch im Kanton war die Ablehnung riesig. Die Stimmung war gekippt, man hatte vor dem Riesenprojekt, das 1,81 Milliarden Franken gekostet hätte, kalte Füsse bekommen. Zudem hatten die Gegner mit dem Schreckensszenario einer unwirtlichen, entvölkerten Stadt das Unbehagen verstärkt.

Wie sähe Zürich heute aus, wäre die Vorlage angenommen worden? Die Geschäftsleiterin des Tram-Museums, Esther Germann, kann sich zwei Szenarien vorstellen. Denkbar sei, dass Zürichs Image-Tief in den 80ern und die Landflucht hätten vermieden werden können. Oder die negativen Aspekte der Stadt wie Lärm, Verkehr, hohe Preise und bauliche Verdichtung bereits früher eingetreten wären.

Die Ausstellung «U-Bahn in Zürich» dauert bis zum 10. Oktober. Tram-Museum, Forchstrasse 260, www.tram-museum.ch.

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