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Das Wahrzeichen des Oetikerguts verschwindet

Gestern wurde im Rüschliker Oetikergut die hundertjährige Blutbuche gefällt. Mit dabei war Stephan Schmidlin, der den Baumstamm verwerten will.

Von Christian Ritsch Rüschlikon – Oberhalb des Bahnhofs Rüschlikon war gestern ein grelles Kettensägengeräusch zu hören. Arbeiter machten sich an der Blutbuche auf dem Parkareal des Oetikerguts zu schaffen. Sie trugen den hundertjährigen Baum Stück für Stück ab, zuerst die Krone, dann grössere Stammstücke. Nötig wurde die Fällung, weil der kolossale Baum mit einem Stammdurchmesser von 1,4 Metern vom Hallimaschpilz befallen worden ist. Dadurch zersetzte sich die Blutbuche von innen.Beobachtet wurde die ganze Aktion von dem bekannten Skulpteur Stephan Schmidlin. Schmidlin, bekannt durch seine Fernsehauftritte als Teil des Comedy-Duos Schmirinskis, will das Holz der Buche für seine Kunst nutzen. «Für mein künstlerisches Schaffen ist es kein Problem, wenn die Buche von innen heraus zersetzt ist. Die Natur soll man so nehmen, wie sie ist», sagte er. Verschiedene Andenken Welche Skulptur aus dem alten Baumstamm entstehen soll, muss sich Schmidlin erst noch überlegen. Fest steht jedoch, dass das überlebensgrosse Kunstobjekt aus Buchenholz nur unter einem Dach aufgestellt werden wird. «Freilich wäre mir ein Mammutbaum lieber gewesen, weil dieser gut im Freien stehen kann. Aber zum Glück gibt es heutzutage ja hervorragende Imprägnierungsmöglichkeiten», sagt der Künstler. Nicht ganz so glücklich über die Fällung war die Nachbarin Mariette Pulfer. «Man könnte weinen. Die Blutbuche war ein Wahrzeichen von Rüschlikon. Aber so ist nun einmal der Zyklus des Lebens», sagt Pulfer. Um die Erinnerungen an die Blutbuche festzuhalten, hatte sich die Nachbarin bei den Holzarbeitern ein paar Holzstücke gesichert: «Auf diese Weise kann das Buchenholz in meinem Zuhause noch ein bisschen Wärme ausstrahlen», sagt Pulfer.Nach dem Willen der Gemeinde Rüschlikon soll auf dem Parkareal des Oetikerguts eine neue Buche gepflanzt werden, die nach Angaben des verantwortlichen Landwirtschaftsarchitekten Hans Schoch bei der Pflanzung sechs bis acht Meter hoch sein soll. Dies war die Bedingung, dass die gefällte Buche aus dem kommunalen Heimat- und Schutzinventar entlassen wurde. Aus dem Baumstamm der Blutbuche wird Stephan Schmidlin eine mannshohe Skulptur fertigen. Foto: André Springer

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