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«Das war keine Arbeit, sondern Hilfe»

Der verurteilte IV-Betrüger Shaban H. behauptet, ehrenamtlich und nicht länger als eine Stunde pro Tag im Kosovo gearbeitet zu haben. Trotzdem gibt er Fehler zu.

Shaben H. hat über Jahre doppelt abgesahnt: Der Mann galt nach einer Hirnoperation im Jahre 1995 gemäss mehreren Arztzeugnissen als arbeitsunfähig. Er litt an Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche und Antriebslosigkeit, kassierte eine volle IV-Rente – in den Jahren 2000 bis 2008 ergab dies mit dem Betrag aus der Pensionskasse insgesamt rund 550'000 Franken. In seiner Heimat Kosovo jedoch baute sich der ehemalige Mitarbeiter des Uni-Spitals Zürich eine zweite Karriere auf. 2000 wurde er Neurochirurg am Unispital Pristina, drei Jahre später Abeilungsleiter und 2008 sogar Klinikdirektor. Er führte ein Team von sieben Ärzten, gab als Professor Vorlesungen und publizierte Fachartikel.

«Nur geführt»

Erst ein anonymer Hinweis liess den Hochstapler auffliegen. Er verbrachte 73 Tage in Untersuchungshaft. «Ich kann nicht länger als eineinhalb Stunden arbeiten», sagte der Doppelbürger vor dem Prozess in der Sendung «10vor10». Als Klinikdirektor habe er «nur geführt», die Aufgaben delegiert, das habe pro Tag nie mehr als eine Stunde ausgemacht. Danach sei er jeweils gegangen. «Meine Autorität hat weiter gewirkt.» Zu seiner Tätigkeit als Professor und Chirurg gab er an: «Das war keine Arbeit, sondern Hilfe.»

Das wiederholte er gemäss «Blick» auch vor Gericht: «Ich wollte nur im Namen meines Volkes helfen. Das Gesundheitssystem war nach dem Krieg vernichtet», sagte er während des Prozesses. Er habe ferner gar keine IV-Rente beziehen wollen. Im Kosovo sei er aber ehrenamtlich tätig gewesen und habe monatlich nur zwei- bis dreihundert Euro verdient.

Nach dem Prozess übernahm Shaban H.s Anwalt das Reden: Sein Mandant habe eingesehen, einen grossen Fehler gemacht zu haben, als er die Arbeit im Ausland nicht in der Schweiz deklarierte.

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