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Dem Spital Limmattal fehlen 100 Millionen für die Erneuerung

Die neue Spitalfinanzierung mit Fallpauschalen hat für das Limmattal drastische Auswirkungen. Auch andere Spitäler müssen ihre Bauprojekte überprüfen.

Schlieren - Das Spital Limmattal müsste dringend saniert und erweitert werden. Doch nach zehn Jahren Planung heisst es jetzt zurück auf Feld eins: Das Bauprojekt, für welches die Stimmberechtigen der Verbandsgemeinden 2007 insgesamt 150 Millionen bewilligt haben, ist nicht finanzierbar. «Gemäss Modellrechnungen fehlen dem Spital Limmattal rund 100 Millionen Franken», teilt Baukommissionspräsident Max Walter in einem Communiqué mit.

Wie ist es möglich, dass sich in so kurzer Zeit alles ändert? Noch Ende 2008 habe die Gesundheitsdirektion die Baukommission darauf hingewiesen, dass das Projekt angesichts der wachsenden Patientenzahlen im Limmattal zu knapp bemessen sei, schreibt Walter. Darauf wurde das Raumprogramm erweitert, die Bausumme erhöhte sich auf 270 Millionen. Letzten Herbst dann forderte die Gesundheitsdirektion vom Spital eine Wirtschaftlichkeitsprüfung, welche die neue Spitalfinanzierung berücksichtigt, die gemäss einem Beschluss des eidgenössischen Parlamentes ab 2012 landesweit eingeführt wird. Sie bringt eine grundlegende Änderung: Die Spitäler erhalten vom Kanton und den Gemeinden kein Geld mehr für Investitionen, sondern sie müssen sowohl ihren Betrieb wie auch ihre Bauten aus den Fallpauschalen finanzieren. Diese wiederum werden je zur Hälfte von den Krankenkassen und von der öffentlichen Hand bezahlt.

Ambulant nicht kostendeckend

Leo Boos, Direktor des Spitals Limmattal, erklärt den Systemwechsel so: «Investieren war für die Spitäler bisher gratis, man ging vom Wunschbedarf aus. Neu müssen wir von dem ausgehen, was reinkommt.» Eine Hochrechnung ergab, dass das Spital Limmattal nicht genügend Einnahmen haben wird, um die geplante Investition zu finanzieren. Zwar enthalten die Fallpauschalen einen Investitionsanteil, doch dieser gilt nur für den stationären Bereich. Die Tarife im ambulanten Bereich decken laut Boos bloss den Betrieb, nicht aber die Anlagekosten. Bisher zahlte der Staat alle Investitionen, er machte keinen Unterschied zwischen stationär und ambulant. Ab 2012 ist das anders.

Neues Projekt bis zum Herbst

Boos will deswegen nicht klagen, und er sieht sein Spital auch nicht benachteiligt gegenüber jenen, die ihre Sanierungen früher begannen und jetzt fertig modernisiert sind: «Sie haben es nicht einfacher, denn ihre Investitionen werden in Darlehen mit entsprechender Zinslast umgewandelt.» Boos sieht im Systemwandel sogar eine Chance: «Wir können jetzt eine saubere Trennung von stationär und ambulant machen und unsere Neubauten entsprechend konzipieren.» Im Klartext: Das Spital Limmattal wird die beiden Bereiche baulich und buchhalterisch trennen und voraussichtlich auch zwei Trägerschaften schaffen. Bis zum Herbst soll ein neues Projekt aufgegleist sein.

Das Limmattal-Spital ist neben dem Uni-Spital das letzte im Kanton, dessen Gesamtsanierung noch ausstehend ist. Einige haben bereits fertig renoviert. Andere sind mittendrin und deshalb ebenfalls von der neuen Spitalfinanzierung betroffen. Laut Christoph Franck von der Gesundheitsdirektion müssen insbesondere Männedorf, Bülach, das Triemli (Hochhaus-Sanierung) und das Kantonsspital Winterthur (Ersatz des Hochhauses) über die Bücher. Beim Uni-Spital hingegen ist eine Gesamterneuerung noch gar nicht spruchreif. Susanne Anderegg

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