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Dem Zürichsee den Stöpsel gezogen

Die Sihl und die Limmat führen derzeit ungewöhnlich viel Wasser: Grund dafür ist eine unübliche Massnahme der Behörden. Einige Gebiete müssen sich weiterhin auf Hochwasser gefasst machen.

Der Wasserpegel liegt zurzeit einen halben Meter unter Alarmstufe: Der Zürichsee. (Archivbild)
Der Wasserpegel liegt zurzeit einen halben Meter unter Alarmstufe: Der Zürichsee. (Archivbild)
Keystone

Der anhaltende Niederschlag zwingt die Behörden zurzeit zu einer unüblichen Massnahme: Die Regulierung des Wasserstandes in den Zürcher Seen. «Eine vergleichbare Situation haben wir bis jetzt noch nie erlebt», sagt Jürg Suter, Chef des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Am Freitag wurde als Erstem dem Pfäffikersee der Stöpsel gezogen. Mithilfe eines Wehrs, das sich von Zürich aus bedienen lässt, wurde der Seespiegel gesenkt, indem der Abfluss auf 4,5 bis 5,5 Kubikmeter pro Sekunde stieg. So gelang es, den Pegel knapp unterhalb der Alarmgrenze zu halten. Am Samstagabend wurden dann im Sihl- und im Zürichsee die Wehre geöffnet: Tausende Kubikmeter flossen ab, was zurzeit für ungewöhnlich hohe Pegelstände in der Sihl und der Limmat sorgt. «Wir regulieren normalerweise nur im Frühjahr – dann, wenn das Schmelzwasser aus den Bergen in die Täler fliesst», sagt Suter. Letten-Wehr sorgt für Ausgleich Nun liess sich die Massnahme nicht mehr vermeiden. Die wassergesättigten Böden haben zurzeit nur noch geringe Aufnahmekapazität, die angekündigten Niederschläge verschärfen die Situation zusätzlich. Am Sonntag lag der Pegel des Zürichsees einen halben Meter unter der Alarmstufe – auch dank des Letten-Wehrs, das den Wasserstand reguliert. Die Anlage wird 700 Meter flussabwärts, im Schaltraum des EW Letten, durch elektrische Impulse kontrolliert. Theoretisch wäre es möglich, die Krone um mehr als vier Meter abzusenken. Doch das würde zu einem Desaster führen: Durch die grosszügige Entleerung des Sees käme es im Limmattal zu Überschwemmungen. Schon die kleinste Regulierung kann grosse Abflussmengen verursachen: Führt man die Senkung des Seespiegels um einen Zentimeter herbei, so ergibt das bei den 90 Quadratkilometern Seefläche (inklusive Obersee) eine Flut von 900'000 Kubikmetern – ein Volumen, das 7,5 Millionen Badewannen entspricht. Der Wasserstand der Limmat kann so innert Minuten stark ansteigen.

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