Zürcher Mascotte rockte mit den Toten Hosen

Innert Minuten ausverkauft: Wer die Kultband in Zürich trotzdem sehen wollte, ging auf Partnersuche.

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Drinnen war die Stimmung heiss, als die Toten Hosen die Bühne betraten: «Sie spielen viele Punksongs. Sonic Reducer von den Dead Boys. Ramones. Campino begrüsst auch Udo Jürgens, der im Mascottehaus gewohnt hat. Crowd total ausser sich!!!!» Und: «Spielen seltene Songs. Campino braucht Texthilfen», war von drinnen zu erfahren.

Draussen war aber für viele tatsächlich tote Hose, wie ein Augenschein vor Ort ergab. Ein junger Mann aus Stäfa wusste schon seit längerem, dass Die Toten Hosen (DTH) kurz nach ihrem Auftritt im Letzigrund noch ein Clubkonzert geben würden. «Ich fand einfach nicht heraus, wo und wann, obwohl ich gute Beziehungen habe.» Und so stand er gestern Abend, als im Mascotte der Einlass begann, unter jenen, die sagten: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Die Hoffnung darauf, doch noch eine der rund 400 Karten zu bekommen, die am Sonntagmittag innert kürzester Zeit weg waren.

«F5, F5, F5» sei das Geheimnis zum Erfolg, erklärte eine Frau, die es am Sonntag kurz nach 12??Uhr geschafft hatte, zwei Billette zu ergattern. «Sie habe schon zehn Minuten vor Verkaufsstart ununterbrochen auf drei Computern und mehreren Handys aktualisiert. «Dann war ich drin – und der Server stürzte ab.» Doch die Tickets blieben im Warenkorb. Deshalb stand sie in der Reihe, die Einlass bekommt.

Und ihre Begleiterin ist ihr was schuldig. Denn der Kartenverkauf war streng reglementiert: Pro Besteller konnten ausschliesslich auf der DTH-Website maximal zwei Einlassberechtigungen gekauft werden. Das Ticket lautete auf den Namen des Käufers – und der muss sich mit Ausweis samt Foto beim Eingang melden, wo eine Namensliste auflag. Die Begleitperson konnte jedoch frei gewählt werden – und hier gründete die Hoffnung der Dutzenden, die ohne Eintrittskarte vor dem Mascotte standen.

500 Franken statt 48 Euro

«Vielleicht hat jemand zwei Karten und nimmt mich mit rein», sagte eine Frau aus Bern. «Oder der Begleiter hat den Zug verpasst oder sein Flug wurde gecancelled», meinte eine andere. Und dann folgte gebetsmühlenhaft: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Aber diese sei extrem klein, fand der eingangs erwähnte Stäfner. Es sei denn, man sei bereit, 500 Franken hinzublättern – für ein Ticket, das regulär 48 Euro kostete. Ein Wechselbad der Gefühle hatte eine Frau aus Aachen hinter sich. Sie war für das Letzigrund-Konzert nach Zürich angereist und hörte dort Bandleader Campino ins vor Begeisterung kochende Publikum rufen: «Bis Montag im Mascotte!»

Einer ihrer Kollegen hatte Glück beim Kartenkauf – ein Klick, zwei Karten. Doch hielt er sie hin, ob er ihr eine überlässt. Sie verlängerte für alle Fälle ihren Aufenthalt in Zürich – und hoffte. Am Montagmorgen der Bescheid: «Du bist dabei.» Den Rückflug liess sie verfallen, das Geld reute sie nicht. Sie sei letztes Jahr nach Argentinien geflogen, um die Band zu sehen. Da sei das hier ein Klacks.

Aus Argentinien für das Letzigrund-Konzert angereist war eine Gruppe von fünf DTH-Fans. Und nun standen sie da und bettelten bei den Türstehern um Einlass. Campino habe sie auf die Gästeliste gesetzt, versicherten sie. Sie ernteten ein Kopfschütteln und ein müdes Lächeln. Sie blieben und warteten. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Erinnerungen an Abart

Clubkonzerte haben bei den Toten Hosen Tradition. Früher traten sie gelegentlich auch unmittelbar nach einem grossen Konzert in einer WG auf. Oder sie legten kurz vor der Show für eine Viertelstunde draussen vor der Halle los. So geschehen 1989 und 1990 vor dem Volkshaus. In der Zürcher Clubszene legendär sind zwei Auftritte in den Jahren 1998 und 2004 im kleinen Club Abart. Mit dabei war damals der Stäfner.

Mehr Bilder auf unserem Fotoblog «Zoom». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2015, 20:29 Uhr

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