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Den Zeitungen gehts langsam an den Kragen

An einem Podiumsgespräch in der Vogtei Herrliberg ging es vor allem um die Frage: Haben die Printmedien in Zukunft überhaupt noch eine Überlebenschance?

Herrliberg - Hannes Britschgi konnte für einmal den Tag vor dem Abend loben. Der bekannte Fernsehmann, derzeit Chefredaktor des «SonntagsBlicks», nahm erfreut zur Kenntnis, dass sich die Schweiz überraschend schnell aus der Rezession kämpft. Die Ökonomen des Bundes erwarten, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,4 Prozent steigt. Sie haben damit ihre bisherige Prognose von 0,7 Prozent deutlich nach oben korrigiert.

«Dank der zu erwartenden Steigerung des Wirtschaftswachstums können wir wieder auf rosigere Zeiten hoffen», warf Britschgi am Dienstagabend im Forum Vogtei Herrliberg in die Runde. Die Podiumsdiskussion fand unter dem Titel «Schweizer Medien in der Krise» statt.

Journalist und Rechtsanwalt Britschgi gehört zu den Chefs einer Branche, die derzeit arg gebeutelt ist. Der Inseratenmarkt ist um rund ein Drittel eingebrochen. Das eine Standbein der Printmedien wackelt damit bedenklich, das andere ist ebenso wenig standfest: Die Leserschaft der Bezahl-Zeitungen mit einem Abo bei der Stange zu halten, ist keine einfache Aufgabe.

Pressefreiheit über alles

Für Peter Hartmeier, Verleger der «Thurgauer Zeitung», ist die Medienlandschaft klar unterteilt. Auf der einen Seite habe man die Gratiszeitungen, die Nachrichten zusammenfassen und rasch und breit unter die Leute bringen. Auf der anderen Seite stünden Zeitungen, welche die Ereignisse fundiert aufbereiteten und zusätzlich kommentierten. «Für diesen Mehrwert sind viele bereit, Geld auszugeben», sagte der ehemalige Chefredaktor des «Tages-Anzeigers».

Um dem publizistischen und unternehmerischen Auftrag nachzukommen, brauche es die richtigen Geschäftsmodelle. Für Hartmeier ist das nur durch eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Medienhäuser machbar. Hannes Britschgi verwendete, um dasselbe auszudrücken, Wörter wie Business-Modelle, multimediale Strategien, Medienkonvergenz und Newsroom.

Gehts den Printmedien schlecht, kommt die Politik ins Spiel. In den Köpfen der Verleger geistert der Gedanke herum, dem Staat die Presseförderung schmackhaft zu machen. Für Natalie Rickli wäre dies eine fatale Entwicklung. «Subventionen gegen Inhaltskontrolle - das wäre ein viel zu hoher Preis», sagte die SVP-Nationalrätin und appellierte an die Meinungs- und Pressefreiheit. Rickli ist seit mehreren Jahren im Medienbusiness tätig, derzeit in leitender Stellung bei der Onlineabteilung der Küsnachter Goldbach Media. «Die Politiker würden uns mit einem Heer von PR-Beratern zu beeinflussen versuchen», fügte Hartmeier an. «Wir müssen standhafte, privatwirtschaftlich ausgerichtete Medienhäuser bleiben.»

Wie die Zukunft des geschriebenen Wortes aussehen könnte, skizzierte Dominique von Matt, Chef einer der grössten Kommunikationsagenturen der Schweiz. «Zwei Millionen Menschen in der Schweiz benützen Facebook», sagte der Werber. Überhaupt: Das Internet sei derzeit der grosse Gewinner. Die Zeit, welche die Leute online verbringen, stehe aber noch in keinem Verhältnis zur Plattform, auf der die Werbung stattfinde. «Nur wenige Prozente der Werbebudgets gehen ins Internet, obschon die Nutzer seit 2007 diesen Kanal als unverzichtbarstes Medium bezeichnen.»

Die goldenen Zeiten sind vorbei

Am Schluss der spannenden Diskussion übergab Moderator Daniel Kaczynski das Wort an die zahlreichen Zuhörer, die den Saal der Vogtei fast füllten. Einige monierten, der Journalismus sei in letzter Zeit schlechter geworden. Ein älterer Herr meinte, die schriftliche Sprache sei verwildert, andere bekannten sich als grosse Fans des Internets.

Fest steht: Die goldenen Zeiten der Printmedien sind vorbei, wie Britschgi eingangs sagte. Daran ändern auch die guten Nachrichten aus Bern nichts.

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