Zum Hauptinhalt springen

Der Gastronom in der Politküche

ernst bachmannDer 65-jährige Pächter des Restaurants Muggenbühl gehört zu den Aushängeschildern der SVP – auch wenn er manchmal abseits der Parteilinie politisiert.

von sacha beuth Seine Gäste sind der Grund, dass sich Ernst Bachmann entschlossen hat, Kantonsrat zu werden. Anfänglich hatte der Wirt mit Politik nicht sonderlich viel am Hut. Aber im Restaurant Bahnhof Wollishofen, das Bachmann von 1977 bis 2009 erfolgreich betrieb, speisten von Anfang an auch Vertreter aller Parteien. «Und da ergab sich dann die eine oder andere Diskussion, an der auch ich mich beteiligte», erzählt der 65-Jährige. Besonders intensiv waren die Gespräche mit Wolfgang Nigg, damals Stadtrat der CVP. Der ermunterte Bachmann schliesslich dazu, selber politisch aktiv zu werden. Nur, für welche Partei? «Die CVP war mir trotz meines Freundes Wolfgang zu dogmatisch christlich. Ausserdem war es damals undenkbar, dass eine getrennt lebende Person dort beitreten darf. Bei der SP passte mir nicht, dass sie schon ganz junge Leute ins Boot holen wollte, bevor die sich selbst eine Meinung hatten bilden können. Ein Beitritt zur FDP wäre infrage gekommen, doch da mir die SVP- Vertreter in meinem Umfeld noch etwas näher standen, habe ich mich für Letztere entschieden», erinnert sich Bachmann. Als Spät- und Quereinsteiger beschliesst Bachmann 1995, nicht als Gemeinderat anzufangen, sondern es gleich als Kantonsrat zu versuchen. Doch seine Politpremiere verläuft nicht wie gewünscht. Mangels Listenstimmen verpasst er einen Kantonsratssitz knapp. Im zweiten Anlauf vier Jahre später klappt es schliesslich. Vorsichtig tastet sich Bachmann an seine Aufgabe heran. «Ich musste feststellen, dass in der Realität vieles anders ist, als es in den Medien dargestellt wird. Und dass man auch als Politiker nicht immer gewinnen kann.» Noch heute schmerzt ihn die Annahme der Rauchverbotsinitiative. «Das hat unserem Gewerbe einen herben Schlag versetzt. Aber viele Wirte sind selber schuld, weil sie die Warnungen ignoriert und nicht oder nur halbherzig lobbyiert haben. Hätten alle mitgezogen, hätten wir gewonnen.» Als Kantonsrat, so meint er, könne man auch nicht alles beeinflussen. «Manchmal sind dir einfach die Hände gebunden.» Koch oder Pfarrer Freie Hand hatte Bachmann dafür bei seiner Berufswahl. Für einen Bauernsohn, der mit fünf Brüdern und einer Schwester auf einem Gut in Hombrechtikon aufwächst, keine Selbstverständlichkeit. «Normalerweise muss ja einer der Söhne, meist der älteste, ebenfalls Landwirt werden und den Familienbetrieb übernehmen. Doch weil mein Vater selbst zur Übernahme genötigt worden war, wollte er das seinen Kindern nicht auch antun.» Zumal sich schnell zeigt, dass Ernst mit dem Kochlöffel umzugehen weiss. «Von mir hiess es immer: Du wirst entweder Koch oder wegen deinen Talents zum «Schnurre» Pfarrer». Ernst entscheidet sich für Ersteres und absolviert von 1962 bis 1964 eine Kochlehre im Hotel Löwen in Kilchberg. Am 3. April 1967 übernimmt er als selbstständiger Wirt sein erstes Lokal, das Restaurant Schweizerhof in Wollishofen. Und er wird am gleichen Tag auch erstmals Vater. In der Folge wächst die Familie auf drei Kinder an. Doch Ernst Bachmann wird durch seinen Beruf immer mehr vereinnahmt, sodass für Privates kaum noch Zeit bleibt. Die Ehe geht in die Brüche, ebenso die folgende Beziehung mit einer Freundin, der zwei weitere Kinder entsprangen. «Es war absehbar. Das hält schliesslich keine Frau aus, wenn du nie zu Hause bist.» Dafür entdeckt Bachmann den Fussball. Sein Herz beginnt ausgerechnet für den Arbeiterklub FCZ zu schlagen. «Eigentlich verstehe ich nichts von Fussball. Aber mich hat immer gestört, wenn bei uns im Restaurant die GC-Anhänger mit Begriffen wie Rekordmeister und Rekordcupsieger geblufft haben. Also entschied ich mich für den FCZ.» Seit 40 Jahren ist er in der Supportervereinigung des Letzigrundklubs, 26 davon sogar Supporterpräsident. Lange Jahre war er zudem für die Gastronomie im Stadion verantwortlich. Mit der Unterstützung eines Fussballklubs ist der rastlose Geist des Hombrechtikers aber noch längst nicht befriedigt. Nachdem er als Wirt vom Schweizerhof ins Restaurant Bahnhof Wollishofen gewechselt hat, nimmt er auch weitere Ämter an. Erst wird er Wirtepräsident der Stadt Zürich, dann auch Wirtepräsident des Kantons, Vizepräsident von Gastro Suisse, Mitglied der Zunft Wollishofen und schliesslich Vizepräsident der Hotelfachschulen Zürich und Genf. Seit 2009 ist er nun Pächter der Stadt im Restaurant Muggenbühl. «Ein Glücksfall. Ich habe einen Landgasthof mitten in der Stadt.» In der Politik versucht sich Bachmann dort hervorzutun, wo auch seine Stärken liegen. Das sind vor allem die Themen rund um die Gastronomie und die Belange des Quartiers. Selbst wenn es nicht den Vorgaben der eigenen Partei entspricht. «Wir haben bei uns in der Fraktion sehr offene Diskussionen. Und hin und wieder ‹chlöpft› es halt auch.» So hält er die gegenwärtige Sozialpolitik grundsätzlich für richtig und gut, stört sich an der Gewinnmaximierung und Profitgier vieler Wirtschaftskapitäne und weigerte sich sogar, für den SVP-Vorstoss «Bundesratswahl durch das Volk» Unterschriften zu sammeln. «Man sollte sich immer beide Seiten anhören und dann in Ruhe entscheiden. Ich bin kein Hardliner, der auf anderen rumhackt, sondern ich will sowohl links wie rechts Schranken abbauen.» Die Sache müsse über persönliche und parteiliche Interessen gestellt werden. Ein Ziel, das ihn nicht nur bei der SVP-Basis populär macht, sondern für das er auch bei den politischen Gegnern geschätzt wird. So bedankte sich eine SP-Frau persönlich bei Bachmann, als sie erfuhr, dass er sich entgegen der Meinung vieler seiner Parteigenossen für die Beibehaltung der Lunchchecks einsetzt. Und die Idee einiger Anwohner, einen Lift vom Bahnhof Brunau zum Restaurant Muggenbühl zu bauen, lehnte er wegen der enormen Kosten ab, obwohl ihm der Lift mehr Gäste gebracht hätte. Zufrieden und optimistisch geht Ernst Bachmann in den Wahlkampf. «Ich fühle mich fit und bin sicher, dass ich als Gastronom gerne in der Politküche noch einiges bewirken kann.» Aber noch wichtiger ist ihm sein Lokal. «Ich habe tolle Gäste und tolle Angestellte. Nie hat mich einer hängen lassen», betont er und fügt strahlend hinzu: «Gastgeber zu sein, ist mein Leben.»n

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch