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Der grosse Wurf der kleinen Basis

Die Schweizer Basketballerinnen mit einem Zürcher Duo haben sich innert eines Jahres ein komplett neues Image verpasst. Der Lohn für ihr Aufbäumen sind vier Siege in der EM-Kampagne.

Von Deborah Bucher Im Sport wird mit Superlativen oft nicht gegeizt. Milenko Tomic (45), der Trainer der Schweizer A-Frauenauswahl, läuft zur Bestform auf, wenn er die Bilanz seiner bisherigen Amtszeit seit 2007 zieht. Von einer «absolut genialen Sensation» spricht er, wenn er nur die vergangenen zwei Wochen in Betracht zieht. Von «ungeahnten Möglichkeiten», wenn er in die Zukunft blickt. Tomics Euphorie ist gerechtfertigt durch den Erfolg – das relevante Kriterium im Sport – und durch die unzulängliche Ausgangslage. Zu Beginn der Nullerjahre lag das Nationalteam, das noch nie eine Macht gewesen war, aber doch eine Vergangenheit gehabt hatte, brach. Nach sechsjähriger Pause wurden Tomic und sein Assistent Daniel Frey mit einem Neuaufbau beauftragt. «Wir mussten bei null beginnen», betont der Chefcoach. Vor allem mussten die zwei Entwicklungshelfer an allen Fronten Überzeugungsarbeit leisten, «denn die Frauen-Nationalmannschaft genoss kein Ansehen mehr». Winnermentalität geschaffen Die ersten beiden Saisons verliefen harzig. Die Ausscheidungsphase in der EM-Division B 2008/09 wurde mit nur zwei Erfolgserlebnissen auf dem letzten Gruppenrang beendet. Ausserdem ernüchternd war, dass der Schweizer Verband nach dieser kurzen Anlaufphase das Budget schon wieder um ein Sechstel auf 100 000 Franken gekürzt hatte. «Der knappen Mittel wegen stand sogar eine erneute Stilllegung des Nationalteams zur Diskussion», bestätigt Frey. Die Equipe mit Captain Karen Twehues als Italien-Söldnerin und einzige Profispielerin in den Reihen hat aufbegehrt: Nicht gegen die knappen Ressourcen, vielmehr setzte sie sich auf dem Feld zur Wehr. In der am 1. August angelaufenen EM-Kampagne wahrte sie zum Abschluss der Hinrunde am Sonntag in Tirana ihre Ungeschlagenheit. Nach Siegen über Luxemburg (66:56), Bosnien-Herzegowina (71:64) und Estland (66:61) hielt sie Albanien ebenso auf Distanz (66:55). Allerdings haben die Gastgeberinnen bislang enttäuscht und sich ihrem Schicksal als Aussenseiterinnen ergeben. Dagegen kann Tomic die Exploits in seiner Heimat Bosnien und in Freiburg gegen die Estinnen nicht hoch genug einschätzen und seinen Stolz darüber nicht verbergen. «Denn das sind keine Basketball-Zwerge, sondern erfahrene Widersacher von Format und mit einem Leistungsausweis», bemerkt er. Kommt dazu, dass er bei der Schweiz weitere Nachteile ausmacht, sei es beim Support seitens des Verbands, bei der Länge der Vorbereitungszeit oder beim Personal, das nicht restlos zur Verfügung stand. «All dies kompensieren wir mit Teamharmonie, Kampfgeist und Konzentration. Zudem ist es uns gelungen, unseren Komplex und den allzu grossen Respekt vor den Gegnern abzulegen.» Wichtige Lehrjahre in den USA Eine, die diese aufstrebende Generation im hiesigen Frauen-Basket verkörpert, ist Alexandra Vollmeier (24). Die Flügelspielerin aus Oerlikon brachte bei ihrer Berufung in die Landesauswahl 2009 einen reichen Erfahrungsschatz mit, den Tomic hervorhebt. Sie zog als 17-Jährige in die USA – erst für ein Austauschjahr an eine High School in Oklahoma. Sie erhielt danach ein Stipendium, hängte weitere viereinhalb Jahre an, studierte Business/Management und spielte in einem ambitionierten Collegeteam. Vollmeier kam in den EM-Auswärtsspielen gegen Bosnien sowie Albanien von der Bank und sammelte elf Punkte. «Alexandra ist auf mehreren Positionen einsetzbar, deshalb sehr wertvoll für die Mannschaft, und sie sorgt bei ihren Einwechslungen meist für neue Impulse», lobt Tomic. Mit Lise Lavanchy (25) gehört eine zweite Zürcherin zum erweiterten Kreis des Nationalteams. Sie durfte gegen Estland debütieren, die Reise nach Albanien mit dem zwölfköpfigen Kader aber nicht mitmachen. Die bisherige Teamstütze des B-Ligisten Greifensee setzt ihre Karriere beim NLA-Aufsteiger Lu-Town Highflyers fort. Dagegen bleibt Vollmeier bei ihrem Stammverein Wallaby Basket in der NLB und räumt der Jobsuche Priorität ein. Denn für die erste Phase der EM-Kampagne gab die Unterländerin kürzlich ihre Stelle als Réceptionistin auf, nahm finanzielle Einbussen in Kauf, gewann dafür neue sportliche Perspektiven. Tritt die Schweiz als Tabellenführer zur Halbzeit in der Rückrunde im Mai 2011 ähnlich überzeugend auf, winkt ihr die erste Chance zum Aufstieg in die A-Division mit den 18 besten Teams Europas. Alexandra Vollmeier (Mitte) macht es vor: Plötzlich hängen für die Schweizerinnen die Trauben nicht mehr zu hoch. Foto: Sandro Campardo (Keystone/Archiv)

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