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Der Hühnermaler macht weiter, bis er umfällt

Der Maler Charly Bühler aus Wila wird 70-jährig. Seit drei Jahrzehnten kennt er nur ein Sujet – und er hat noch nicht genug davon.

Von Annette Saloma-Huber Wila – Feuerrote Kämme, gelbe Schnäbel und funkelnde Augen, wo man hinschaut. In Charly Bühlers dreistöckigem Atelier wimmelt es nur so von Gockeln und Hennen. Auf Leinwand und Papier, als Stillleben, Illustrationen und Cartoons hängen sie zu Dutzenden an den Wänden oder stehen am Boden. «Mir gefallen meine eigenen Bilder sehr», sagt der Maler selbstbewusst. Es sollen noch viel mehr werden. In einem Alter, in dem andere längst in Pension gegangen sind, malt Bühler immer noch fast täglich, organisiert bis zu fünf Ausstellungen pro Jahr und führt Interessierte durch sein Atelier. 70 Jahre alt wird er. «Als Künstler wird man nicht pensioniert», sagt er. «Ich mache weiter, bis ich umfalle.» «Menschen sind wie Hühner» Auch wenn sich Bühler in den vielen Jahren seines kreativen Schaffens auch mit japanischer Zen- und abstrakter Malerei auseinandersetzte: Das Federvieh ist und bleibt sein liebstes Motiv. Das sei wegen der Analogie zum Menschen, sagt er. «In einem Hühnerstall herrscht die gleiche Hackordnung wie bei uns: Der Grösste und Dickste sitzt zuoberst.» Dies bringt er in seinen Cartoons zum Ausdruck. Die Köpfe von stolzen Hähnen und eingebildeten Hennen hocken dort auf den Körpern von Menschen, die Wein degustieren, eine Sitzung abhalten oder Golf spielen. Stundenlang beobachtet Bühler vor dem Haus die eigenen Hühner, zum Studium der Menschen geht er nach Zürich. An einem Bild malt der Künstler jeweils bis zu einer Woche, Acryl und Öl auf Leinwand. Meist hat er ein Thema im Kopf. Auf der Leinwand entsteht dann Pinselstrich für Pinselstrich das Gemälde, bis er und vor allem seine Frau damit zufrieden sind. «Sie ist meine schärfste Kritikerin und sagt mir, dass dieser Hahn etwas gar grimmig dreinschaue und jenes Huhn etwas gar dümmlich – dann ändere ich das.» Ein Maler, der Fitness betreibt Wenn Charly Bühler einmal nicht malt, geht er spazieren, arbeitet im Garten oder besucht Kunstausstellungen. In seinem hellen und modern eingerichteten Atelier stapeln sich unter anderem Bücher über Picasso, Cézanne und Paul Klee. Der zweifache Vater und sechsfache Grossvater ist sehr gepflegt. Trotz weisser Haare und tiefer Furchen im Gesicht ist ihm sein Alter kaum anzusehen. Zweimal in der Woche geht er ins Fitnessstudio, und er ernährt sich gesund. Er ist sehr freundlich, wirkt aber auch etwas distanziert. Welcher Hühnertyp ist er selbst? «Wohl am ehesten der eitle Gockel», sagt er, «in jedem meiner Bilder steckt etwas von mir selbst.» Bühler ist aber auch ein Kämpfertyp: Als seine Eltern ins Tessin zogen, schlug er sich durch die Primarschulzeit, obwohl er anfangs kein Wort Italienisch sprach. Obwohl er diese Jahre vor allem zeichnend am Fenster verbrachte, schaffte er es in die Sekundarschule. Zurück in der Deutschschweiz, machte Bühler eine Feinmechanikerlehre und arbeitete auf verschiedenen technischen Berufen, bis er Anfang der Siebzigerjahre als Grafiker und Illustrator seine wahre Berufung fand. «Da war ich endlich glücklich», sagt er rückblickend. Auf das Huhn kam Bühler, als er und seine Frau bei ihrem Umzug ins Tösstal 1981 Federvieh geschenkt bekamen. Und auch nach dreissig Jahren Hühnermalerei ist er der Tiere nicht überdrüssig geworden: «Je mehr man sich in ein Thema vertieft, desto spannender wird es, und desto mehr Welten tun sich auf», sagt er. Hühner auf dem Velo will er beispielsweise noch malen. Zum runden Geburtstag schenkt sich der Maler eine grosse Ausstellung mit etwa hundert Bildern aus der jüngeren Vergangenheit. Und was wünscht er sich zum Jubiläum? Die Antwort kommt prompt: «Gesundheit, schönes Wetter und aufgestellte Menschen.» Vernissage zur Jubiläumsausstellung: Samstag, 5. März, 17–20 Uhr, Kunststube zur Au, Kollbrunn. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag 14–17 Uhr; Freitag 17–20 Uhr. Bis 20. März. «Ich selbst bin auch ein Stück weit ein eitler Gockel.» Charly Bühler mit Modell in seinem Atelier.Foto: David Kündig

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