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Der kalte Krieger als bamherziger SamariterEin kalter Krieger auf neuem Schlachtfeld

Hans ScharpfWarum der 79-Jährige SVPler die Prozesse der Whistle Hans Scharpf?Warum der 79-jährige SVPler die Prozesse von Margrit Zopfi und Esther Wyler finanziert.Von Beat Metzler Manche Schweizer spenden für Haiti, andere für die Heilsarmee. Das Geld von Hans Scharpf erhalten die Whistleblowerinnen Margrit Zopfi und Esther Wyler. Scharpf ist Pensionär, Stadtzürcher, Hobby-Rosenzüchter und langjähriges SVP-Mitglied. Als er vom «schreienden Unrecht» hörte, das Zopfi und Wyler widerfahren sei, habe er gewusst: «Diesen mutigen Frauen muss ich helfen.» Die beiden «Stauffacherinnen», wie er Zopfi und Wyler im SVP-Jargon nennt, können den Zustupf gebrauchen. Nach eigenen Angaben häufen sich die Prozesskosten auf mindestens 100?000 Franken. Alleine hätten Zopfi und Wyler diesen Betrag kaum bezahlen können. Das Sozialdepartement kündete ihnen fristlos, nachdem sie vertrauliche Daten an die «Weltwoche» weitergereicht hatten. Beide blieben längere Zeit arbeitslos. Scharpf hat sie wohl vor dem Ruin bewahrt. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete der 79-Jährige als Direktor der Schweizer Hagelversicherung. Finanziell stehe er gut da, sagt Scharpf. Wie viel Geld er den Frauen überwiesen hat, verrät er aber nicht. Es seien bedeutend weniger als 50?000 Franken. Wichtiger scheine ihm die ideelle Unterstützung. Nachdem Zopfi und Wyler an eine teure Anwaltskanzlei geraten waren, verwies Scharpf sie «an meinen Freund» Valentin Landmann. Der übernahm die Verteidigung – zum Pflichttarif, dem günstigsten überhaupt. Scharpf schrieb offene Briefe und Onlinekommentare, stellte den zuständigen Stadtrat Martin Waser (SP) zur Rede und sammelte Geld. Fast alle seine Freunde hätten gespendet. Warum opfert ein ehemaliger Oberleutnant Zeit und Geld, um zwei Sozialarbeiterinnen zu retten? Er wolle verhindern, dass der Staat mit Steuergeldern Menschen ruiniere, die das moralisch Richtige täten, sagt Scharpf. Uneigennützig und unideologisch, nennt Valentin Landmann diesen Einsatz. Scharpf belohne Zivilcourage, so sei er. Doch Scharpf ist mehr als ein barmherziger Samariter, der aus dem Nichts kam. Obwohl er nie ein offizielles politisches Amt bekleidet hat, mischt er seit über 50 Jahren in der Schweizer Politik mit. Der Ökonom gehörte zum engsten Umfeld des FDP-Politikers Ernst Cincera. Die kalten Krieger diffamierten Linke als von Moskau gesteuerte Marionetten und sammelten eifrig Fichen. 1968 liess Scharpf Flugblätter gegen linke Studenten bei der Hagelversicherung drucken. Gratis. Für die Autoren des Buchs «Die unheimlichen Patrioten» war er damals der «Koordinator hinter den Kulissen». In rechten Netzwerken habe er als Spezialist zur Finanzbeschaffung gegolten. Nach dem Mauerfall wurde es ruhig um den kalten Krieger – bis er eine neue Front fand. Mobilisierte er einst gegen den Kommunismus, investiert er heute in die Beseitigung «der Sozialkorruption und des überbordenden Staats», wie es Scharpf nennt. Es ist eine listige Pointe, dass er dabei ausgerechnet zwei Frauen fördert, die dem linken Milieu entstammen und ihm ideologisch fremd sind. Aber Zopfi und Wyler blieb keine andere Wahl, als die rettende Hand des ehemaligen Gegners zu greifen. Linke Kreise haben den Genossinnen ihren «Verrat» an Monika Stocker nie verziehen. Und auf Unterstützung weitgehend verzichtet. Trotz ideologischer Uneinigkeit: Im früheren «Cinceristen» haben Zopfi und Wyler einen zähen Beschützer gefunden. Er hätte sie bis vors Bundesgericht sekundiert, sagt Scharpf.

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