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Der Kampf um einen Platz im Cockpit

Obwohl er der Sohn eines Rennstallbesitzers ist, stieg Sandro Zeller (19) erst vor fünf Jahren in den Motorsport ein. Nun ringt er mit dem Erfahrungsrückstand und finanziell potenten Kontrahenten.

Von René Hauri, Oetwil am See Die derzeitige Situation ist unbefriedigend. Sandro Zeller bangt um seinen Platz im Team seines Vaters Jo. Der 19-Jährige hatte die Saison im ATS-Formel-3-Cup in Angriff genommen. An den drei Rennwochenenden fuhr er seinem österreichischen Teamkollegen René Binder zwar stets hinterher, klassierte sich in den sechs Rennen aber konstant im vorderen Mittelfeld. Nun wackelt allerdings sein Sitz. Anfang Juni im holländischen Assen und eine Woche darauf in Zolder (Be) war Sandro Zeller nicht mehr am Start. «Am ersten Wochenende hatte ich Prüfungen, am zweiten wäre ich aber gerne gefahren», sagt der Zürcher, der eine Ausbildung als Automobilmechaniker absolviert. Grund dafür, dass er keinen Auftritt mehr in der schnellsten Nachwuchsserie Deutschlands hatte, ist Markus Pommer. Der 20-jährige Deutsche verliess vor dem Rennen in Assen das Team Motopark und wechselte zu Jo-Zeller-Racing. «Da kann ich nichts machen. Er bringt Geld mit, ich nicht», kommentiert der Junior lapidar. Jo Zeller lebt davon, möglichst viele seiner vier Boliden zu vermieten und an den Rundstrecken einen Service mit drei bis vier Mitarbeitern pro Fahrer zu bieten. Eine ganze Saison kostet zwischen 200 000 und 300 000 Franken, ein Rennwochenende also rund 25 000 Franken. Pommer bringt die nötigen finanziellen Mittel mit und: «Ihm gefällt es sehr gut in unserem Team», sagt Jo Zeller. Kein Wunder. Die Erfolge sprechen für sich. Als Leader nach Hockenheim Holte Pommer in den sechs Läufen für Motopark lediglich einen Punkt, waren es in den vergangenen vier Rennen gleich deren 18. Während sich der Senior darüber freut, sagt Sandro Zeller: «Ich kann nur hoffen, dass ich 2011 im ATS-Formel-3-Cup nochmals zum Einsatz komme. Wenn Pommer weiterfahren will, ist es für mich wohl gelaufen.» Sandro muss auf andere Serien ausweichen, damit er wenigstens zu einigen Einsätzen kommt. So wie an diesem Wochenende, an welchem Vater und Sohn am Hockenheimring weilen, wo Sandro zum dritten Mal in dieser Saison im Austria-Formel-3-Cup fährt. Obwohl er die Rennen in Spa (Be) ausgelassen hat, führt er die Gesamtwertung an. Doch wichtiger als Rangierungen sind für ihn die Erfahrungen, die er dazugewinnt. Sandro Zeller hat Nachholbedarf. Erst 2006 – im Alter von 14 – bestritt er erstmals ein Kart-Rennen. Seine Konkurrenten begannen weitaus früher. Die Zürcherin Andrina Gugger beispielsweise, vor zwei Jahren noch Teamkollegin von Zeller in der Formel Lista Junior, drehte ihre ersten Runden als 4-Jährige. Wieso hinkt ausgerechnet der Sohn eines Rennstallbesitzers in dieser Beziehung derart hinterher? «Mein Vater wollte nicht, dass ich fahre, weil er schlechte Erfahrungen mit dem Kart-Sport gemacht hat», erklärt Zeller und ergänzt: «Ich konnte das aber nur bedingt nachvollziehen.» Es sei früher viel betrogen worden, die Motoren manipuliert, Reifen mit Weichmachern präpariert worden. So verdiente sich Zeller seine Sporen mit der Seifenkiste ab, 2005 gewann er den Schweizer-Meister-Titel. «Ich habe auch dort viel gelernt. Nur das Zweikampfverhalten nicht», sagt er. Jo Zeller sagt denn auch: «Sandro fehlt manchmal die nötige Aggressivität. Er muss dem Auto mehr abverlangen – vor allem zu Beginn des Rennens.» Die Entwicklung sei etwas stagniert. Das bestätigt auch der Sohn: «Der Schritt, den ich seit der vergangenen Saison gemacht habe, war zu klein. Ich hatte mehr erwartet.» Vielleicht so viel Glück wie Vettel Sandro Zeller formuliert schliesslich auch ein ambitioniertes Ziel: die Formel 1. «Jeder, der diesen Sport betreibt, will einmal dorthin.» Und vielleicht, so spekuliert er, steht ihm Fortuna auch einmal so zur Seite wie Weltmeister Sebastian Vettel, der, wie Zeller sagt, «vor allem Glück gehabt hat, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen ist» und mit Red Bull einen «riesigen Sponsor» gefunden habe. Um auf sich aufmerksam zu machen, braucht Zeller allerdings vor allem eines: Kilometer. «Je mehr, desto besser», sagt er. Wie viele es in dieser Saison noch sein werden, hängt in erster Linie von Pommers Entscheid ab. Ungewisser Blick in die Zukunft: Sandro Zeller hofft, dass er weiterhin für seinen Vater Jo Rennen bestreiten kann. Foto: Daniel Kellenberger

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