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Der Köder lockt auch die Polizei an

Die kantonale Seepolizei schaut den Sportfischern am Zürichsee auf die Finger – und in die Behälter, in denen sie ihren Fang aufbewahren. Manche Angler werden dabei nervös.

Peter Baumann kontrolliert im Küsnachter Hafen Goldbach Haken und Köder.
Peter Baumann kontrolliert im Küsnachter Hafen Goldbach Haken und Köder.
Michael Trost

Kaum ist Kantonspolizist Peter Baumann mit Schiffsführer René von Gunten vom Stützpunkt Oberrieden losgefahren, steigt er von der Bootskabine auf das Deck. Baumanns Blick schweift das Ufer entlang und bleibt ein erstes Mal am Hafen Goldbach bei Küsnacht hängen. Dort steht auf dem Steg ein Fischer. Von Gunten lenkt das Polizeischiff in Richtung Anlegestelle. Er verlangsamt die Fahrt, und Baumann springt an Land.

Die beiden Seepolizisten sind auf Patrouilleneinsatz. Heute kontrollieren sie unter anderem Sportfischer. Sie achten darauf, ob diese die Gesetze einhalten, und suchen den direkten Kontakt zu den Anglern.

Ohne Harpune und Dynamit

Der Angler am Küsnachter Hafen heisst Walter Pintarelli. Die Polizisten grüssen ihn und klären ihn höflich über die Kontrolle auf. Als Erstes will Baumann das Patent und die Fischfangstatistik sehen. Pintarelli zückt ein gefaltetes Blatt aus seiner Hosentasche und weist seinen Sachkundenachweis vor. Diesen hat er nach bestandener Fischerprüfung erhalten, und er befugt ihn, ein Patent zu lösen.

Als Zweites kontrolliert Baumann die Anbissstelle am Silch, den Köder und den Haken. Dies sei die häufigste Übertretung, sagt der Polizist: Fischer, die unerlaubterweise mit Widerhaken angelten. Bei Pintarelli hat Baumann nichts auszusetzen: Der Fischer angelt mit einem Wurm an einem einzelnen Haken mit Widerhaken – verboten wären Drillingshaken mit Widerhaken.

Als Drittes will Baumann den Fang des Fischers sehen. Da Pintarelli bis anhin leer ausgegangen ist, erübrigt sich diese Kontrolle. Baumann weist ihn aber darauf hin, dass die Köderfische, die er in einem Behälter aufbewahrt, getötet werden müssen, bevor sie am Haken befestigt werden. Im Unterschied zu Greifensee, Pfäffiker- und Türlersee, wo unter bestimmten Voraussetzungen lebendige Köderfische eingesetzt werden dürfen, ist dies am Zürichsee verboten.

Komplizierte Gesetze

Pintarelli sagt das in seinem südländischen Akzent: «Man braucht ja fast ein Jusstudium, um hier noch legal fischen zu dürfen.» Auch der Polizist gibt zu verstehen, dass ihm eine einheitlichere Regelung seinen Berufsalltag erleichtern würde. Er wünscht dem Angler «Petri Heil». Pintarelli wirft seine Köder mit behördlichem Segen wieder aus.

Die beiden Seepolizisten scheinen glücklich über ihren heutigen Einsatz zu sein. Sie hätten es gut mit den Fischern, sagen beide. «Sie sind angenehm zu kontrollieren, und man zeigt Respekt voreinander», sagt Baumann.

«Wir haben wohl das schönste Polizeibüro im Kanton», sagt von Gunten. Die gesunde Farbe ihrer Gesichter verrät, dass ihr Arbeitsplatz im Freien wohl zu den schöneren im Kanton gehört.

Auf der Suche nach weiteren Fischern treibt es die zwei Polizisten ans linke Seeufer. Am Thalwiler Hafen Farb stehen gleich zwei, die ihre Würmer baden. Die Polizisten sind offenbar schon von Weitem erkannt worden, denn einer der Angler ruft: «Den ganz grossen Fang hab ich noch nicht zu melden.»

Baumann und von Gunten nehmen dies schmunzelnd zur Kenntnis. Nur ein Egli habe angebissen, sagt der Angler. Baumann beanstandet, dass der gefangene Fisch lediglich mit einem Holzknüppel betäubt und somit nicht fachgerecht getötet worden sei.

Erst der Kiemenschnitt tötet

Laut dem neuen Tierschutzgesetz, das seit dem 1. Januar 2009 gilt, muss zusätzlich der Kiemenschnitt durchgeführt werden. «Der Fisch muss ausbluten, damit er hundertprozentig tot ist», sagt der Seepolizist. In einer sichelförmigen Bewegung entlang den Kiemen führt der Angler den Schnitt mit dem Sackmesser aus.

Weil das Patent und die Geräte keine Mängel aufweisen, drückt Baumann ein Auge zu und verzichtet auf eine Verzeigung an das Statthalteramt. Das Gesetz sei noch jung, in der Übergangsphase könne man noch nicht so streng sein.

Am selben Steg kontrollieren die Polizisten einen weiteren Fischer. Dieser wird nervös, als Baumann sein Patent sehen will. Hektisch wühlt er in einer Kiste voll von filigranem Fischereimaterial. In diesem Moment schlägt auch noch der Bissanzeiger an seiner Rute aus. Jetzt ist der Fischer völlig aus dem Häuschen. Er weiss nicht, ob er zur Angel rennen und seinen Fang aus dem Wasser ziehen soll oder ob die Suche nach dem Patent Priorität hat. Mit besänftigenden Worten beruhigt Baumann den Angler: «Als Erstes holen Sie jetzt den Fisch an Land, und dann sehen wir weiter.» Nach wenigen Sekunden steht allerdings fest, dass dem Sportfischer sein Fang entwischt ist – zum Glück aber nicht sein Patent, das der Mann doch noch vorweisen kann.

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